Nicht mehr wegzudenken Mit der Bahn von Hilden nach Ohligs

Hilden · Bei der Eröffnung der Bahntrasse zwischen Hilden und Ohligs kam es beim Halt in der Itterstadt zum Eklat. Aber das war nicht der einzige Ärger, den es gab. Heute ist die Verbindung nicht mehr wegzudenken.

So hat sich der Bahnverkehr in Hilden entwickelt
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So hat sich der Bahnverkehr in Hilden entwickelt

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Foto: Stadtarachiv Hilden/Stadtarchiv Hilden

Die S-Bahn zwischen Hilden und Solingen steht heute immer wieder einmal wegen Zugausfällen oder Verspätungen in der Kritik  – doch es gab auch eine Zeit, als noch kein Zug in Hilden hielt und die Wege in die Nachbarstädte vor allem zu Fuß oder mit dem Pferdefuhrwerk zurückgelegt werden mussten. Das ist allerdings lange her. Wir haben sieben interessante Fakten zur Bahnstrecke Hilden-Solingen zusammengestellt, die Sie so vielleicht noch nicht kannten.

1. Erster Anschluss Bereits im Jahr 1874 bekam Hilden Anschluss an die Eisenbahn – dank der privaten Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft Köln. Ihre Strecke Mülheim / Ruhr-Speldorf-Troisdorf ist bis heute eine wichtige Güterzugstrecke, die die Nordsee mit Genua verbindet. Die gewerbereichen Städte und Gemeinden des Bergischen Landes wollten einen direkten Schienenanschluss nach Düsseldorf. 1889 genehmigte der preußische Staat die fehlenden Streckenabschnitte Hilden-Ohligs und Solingen-Remscheid.

2. Finanzierung Der preußische Staat machte zur Bedingung, dass die beteiligten Kommunen den erforderlichen Grund und Boden kostenlos zur Verfügung zu stellen hatten, erläutert Bernt Morbitzer. Der Hildener hat die Geschichte des Streckenabschnitts Hilden-Ohligs erforscht. „Für Hilden ging es um rund 72.000 Reichsmark.“ Das sei sehr viel Geld für die Kommune gewesen: „Die Finanzierung reichte bis in die 1930er-Jahre.“

3. Eröffnung Gut 19 Jahre nach dem Anschluss Hildens an den Zugverkehr durch die Strecke Mülheim / Ruhr-Speldorf-Troisdorf konnte am 3. Januar 1894 die Strecke zwischen Hilden und Ohligs sowie zwischen Solingen und Remscheid (mit der Müngstener Brücke) eröffnet werden. Hilden wurde dadurch zum Abzweigebahnhof. „Das war der lange geforderte Anschluss des Bergischen Landes an den Handelsplatz und Rheinhafen Düsseldorf“, erklärt Morbitzer

4. Ärger Bei der Eröffnung im Januar vor 129 Jahren kam es zu einem Eklat: „Die Offiziellen waren wegen der Finanzierung so sauer, dass sie den Eröffnungszug mit Vertretern der Bahndirektion und Regierung boykottierten. Als dieser im Bahnhof Hilden einlief, stand kein Begrüßungskomitee auf dem Bahnsteig. Deshalb fuhr der Zug nach kurzem Halt sofort weiter.“ Nicht nur wegen der Finanzierung, auch wegen der Streckenführung gab es Ärger in Hilden. Die katholische Gemeinde hatte an der Schützenstraße ein Krankenhaus eröffnet. „Die Bahnstrecke führte unmittelbar an der Klinik vorbei, verursachte Belästigungen durch Rauch und Lärm und nahm dem Krankenhaus auch noch Erweiterungsmöglichkeiten. Die Stadt hat sich deshalb lange im Planungsverfahren um eine andere Streckenführung bemüht – erfolglos“, so Heimatforscher Morbitzer weiter.

5. Brückenbau Zwischen 1914 und 1925 wurden die Gleise auf einen Damm verlegt. Folge: Die Bahnübergänge am Rand der Innenstadt mussten durch Eisenbahn-Überführungen ersetzt werden, was den Hildenern die lästigen Wartezeiten vor geschlossenen Schranken ersparte. Gleichwohl gab es erneut Ärger mit der Bahn. „An der Schützenstraße wollte die Bahn auf eine Überführung verzichten. Nach ihren Plänen sollte der Bahndamm die Schützenstraße in zwei Teile zerschneiden. Die Stadt war dagegen, musste aber rund 10.000 Mark aus eigener Tasche bezahlen, um auch an dieser Stelle den Bau einer Eisenbahn-Überführung zu erreichen.“

6. S-Bahn Mit der S 7 erhielten Solingen und Hilden Anschluss an den Flughafen Düsseldorf – und an die große weite Welt. Am 26. September 1980 begrüßte Hildens Bürgermeisterin Ellen Wiederhold auf dem Bahnhof Hilden-Süd den Eröffnungszug mit den Ehrengästen. Darunter war neben Bundesverkehrsminister Kurt Gscheidle auch Prof. Reimut Joachimsen, Minister für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Mit feschem roten Käppchen, Befehlsstab und Zugführerpfeife gab Ellen Wiederhold um 10.19 Uhr das Signal zur Weiterfahrt nach Düsseldorf-Eller. Zwei Tage später, am 28. September, war Volksfest auf der Flughafen-S-Bahn. 50.000 Neugierige nutzten die Freifahrt zur Erkundung der Strecke.

7. Heute Auf der alten S7-Strecke verkehrt seit 2009 die S1. Sie hält am Airport-Bahnhof außerhalb des Flughafens und fährt dann weiter nach Dortmund. Seit einigen Wochen verkehrt auch der RE47 auf der Strecke. Im Stundentakt werden dabei die Bahnhöfe beziehungsweise die Bahnhaltepunkte Remscheid-Lennep, Remscheid Hauptbahnhof, Solingen-Mitte, Solingen-Grünewald, Solingen Hauptbahnhof, Hilden, Düsseldorf-Eller-Mitte und Düsseldorf  Hauptbahnhof angefahren. Damit fällt für Reisende aus dem Bergischen Land der Umstieg in Ohligs aus. Verärgert sind allerdings Anrainer der Stationen Remscheid-Güldenwerth, Solingen-Schaberg, Solingen-Vogelpark und Hilden-Süd, da diese Bahnhöfe von dem Direktzug nicht bedient werden. Tobias Dupke

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