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Militärmusiker helfen in Gesundheitsämtern

Hilden : Militärmusiker helfen in Gesundheitsämtern

Insgesamt 15 Orchester mit rund 1000 Berufsmusikern unterhält die Bundeswehr deutschlandweit. Ein wichtiger Pfeiler ist das Hildener Ausbildungsmusikkorps, wo junge Musiker der Bundeswehr zentral in der Hildener Waldkaserne ausgebildet werden. Sie alle hatten unter den Corona-Restriktionen zu leiden, doch dank einer optimalen Infrastruktur und vielfältiger Aufgaben nicht so stark wie andere Berufsmusiker oder Studierende.

Normalerweise begleiten sie wichtige Staatsempfänge, sorgen für die musikalische Untermalung von Festakten sowie militärischen Zeremonien und spielen im Jahr bis zu 450 Benefizkonzerte, um andere Organisationen zu unterstützen. Ihr Repertoire reicht dabei von Klassik und Kammermusik bis hin zur großen Brass- und Big Band mit zeitgenössischen Stücken aus der Pop- und Rockgeschichte. Die Aufgabenfelder eines Militärmusikers sind vielfältig, betont Oberst Christoph Lieder. Er leitet den Militärmusikdienst der Bundeswehr und trägt die Verantwortung für alle Berufsmusiker in Uniform. Auch für sie sei die Pandemie nicht einfach gewesen. Es gab keine Auftritte, keine Reisen, kaum größere Staatsempfänge.

Da Militärmusiker neben der allgemeinen Grundausbildung auch eine sanitätsdienstliche Ausbildung für den Ernstfall durchlaufen, wurden stattdessen viele der Musiksoldaten beispielsweise in den Gesundheitsämtern der Republik eingesetzt, um bei der Nachverfolgung von Infektionsketten zu helfen. Wie wichtig diese breite Aufstellung ist, hat die Pandemie gezeigt, in der zahlreiche Berufsmusiker plötzlich arbeitslos wurden und freiberufliche Künstler um ihren Lebensunterhalt bangen mussten. Selbst die Musikstudierenden der Bundeswehr trafen Lockdown und das Onlinestudium wohl nicht so hart wie zivile Musikstudenten, urteilt Oberstleutnant Michael Euler, Leiter des Ausbildungsmusikkorps in Hilden. „Im Grunde leben wir hier in einer Insel der Glückseligen“, sagt er über die Musikakademie in der Hildener Waldkaserne. Der 2018 eingeweihte neue Campus verfügt über solch großartige Infrastruktur, dass ihre Räumlichkeiten auch von der Musikhochschule Düsseldorf als eine der ersten wieder für Prüfungen und Unterricht in kleineren Gruppen genutzt werden konnte. „Im März vergangenen Jahres, als die Pandemie ausbrach, haben wir zunächst all unsere Studierenden nach Hause geschickt“, erinnert sich Euler. Doch nach kurzer Zeit kehrten die ersten Jungmusiker zurück in die Wohnheime. „Bei den Eltern und Großeltern zu Hause konnten sie nicht wie hier ihr Instrument üben“, erklärt der Leiter des Ausbildungsmusikkorps. Daher bevorzugten es vor allem Bläser- und Schlagzeuger trotz Einschränkungen in der Kaserne zu bleiben. Der Campus verfügt über spezielle Unterrichtsräume auf rund 6500 Quadratmetern mit Luftreinigern und Lüftungsanlagen. Blas- und Schallenergie werden hier von Wänden und Decken absorbiert und stören so keine Nachbarn oder Mitbewohner. „Hier haben die Studierenden ihre Ruhe und ihre Strukturen und konnten auch während der Pandemie weiter lernen und üben.“ Denn um ein Instrument zu beherrschen, braucht es tägliche Routine, betont Euler. „Man verlernt es nicht von jetzt auf gleich, aber man merkt schon, dass man, wenn man eine längere Zeit nicht übt, schnell einrostet.“

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Platz bietet der Campus für rund 140 Studierende. Etwa 100, berichtet Euler, sind es derzeit. Pro Jahr werden bis zu 27 neue Studierende aufgenommen. In diesem Jahr werden 23 junge Menschen am 1. Juli ihre Grundausbildung beginnen und ab 1. Oktober ihren ersten Lehrgang besuchen. Grund für den unwesentlichen Rückgang sieht Euler in der Pandemie. „Viele haben sich im vergangenen Jahr nicht vernünftig auf die Aufnahmeprüfung vorbereiten können und haben sich dafür entschieden, es im nächsten Jahr zu versuchen.“ Auch die derzeitigen Studierenden haben die Möglichkeit erhalten, ihre Abschlussprüfungen auf das nächste Jahr zu verschieben. Denn auch wenn der Online-Unterricht über die Monate weiter stattgefunden hat, „es ist dennoch vieles verloren gegangen.“

Zwar gebe es in vielen Fällen noch Vorbehalte gegenüber Berufsmusikern der Bundeswehr, doch im Grunde, sagt auch Oberst Christoph Lieder, sei es für Musiker heutzutage der sicherste Job. Denn bereits mit der Aufnahme im Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr ist den Nachwuchsmusikern eine Festanstellung von mindestens zwölf Jahren sicher. „Wo bekommt man das denn heutzutage noch?“

Aktuell würden vor allem junge Klarinettisten gesucht, weshalb in der vergangenen Woche auch eine spezielle Masterclass für zivile Klarinettenspieler in der Hildener Musikakademie mit namhaften Professoren organisiert wurde, die mit 40 Teilnehmenden sehr gut angenommen wurde. „Es gibt immer mal wieder Instrumente, die mal mehr oder weniger im Trend sind. Aktuell herrscht ein Mangel an Klarinettisten“, berichtet Euler. Besonders beliebt sei derzeit dagegen Schlagzeug, Flöte und Trompete.