Mietwucher-Vorwurf gegen die LEG in Hilden

Immobilien-Ärger : Mietwucher-Vorwurf gegen die LEG

Mieter an der Schützenstraße beklagen, der Konzern habe Reparaturen als Modernisierungs-Maßnahmen deklariert, um die Mieten heraufsetzen zu können.

Christian Fürth (Name geändert) lebt seit seiner Kindheit in dem alten Eisenbahner-Wohnkomplex an der Schützenstraße. Der Hildener, der bereits mehrere Besitzer erlebt hat, wohnt mit seiner Familie auf knapp 60 Quadratmetern und war eigentlich ganz zufrieden.

Bis er vor kurzem ein Schreiben von seinem neuen Vermieter bekam – der LEG Immobilien Aktiengesellschaft. Die teilte ihm mit, in Kürze würden diverse Modernisierungs-Maßnahmen erfolgen. Auch mit einer Erhöhung der Miete sei daher zu rechnen. „Das war allerdings ein Schreiben, mit dem wir überhaupt nichts anfangen konnten“, berichtet seine Frau: „Da war unter anderem von einem Balkon die Rede. Dabei haben wir überhaupt keinen.“

Auch einen Kabelanschluss habe die LEG über viele Monate hinweg in Rechnung gestellt, berichtet die Familie weiter. Erst mit der Hilfe des Mieterbundes Rheinisch-Bergisches Land in Hilden sei es gelungen, die Ausgaben zurückerstattet zu bekommen. Funda Altun-Osterholt ist die zuständige Rechtsanwältin beim Mieterverein. Sie sagt: „Aus meiner Sicht haben wir es hier mit vorgefertigten Schreiben zu tun, die mit Textbausteinen zusammengesetzt worden sind.“

Dies führe zu allerlei Ungenauigkeiten, die auf dem Rücken der Mieter ausgetragen würden. Insgesamt sei aber relativ deutlich zu erkennen, dass es der LEG vor allem darum gehe, ein Vehikel zu finden, um die Mieten zu erhöhen.

Denn ein weiterer Vorwurf der Mieter an der Schützenstraße besagt, dass diverse Reparaturen, die teilweise dringend benötigt worden seien, nunmehr als Modernisierungen angekündigt würden – und das gebe der Wohnungsgesellschaft das Recht, Mieten herauf zu setzen.

Rechtsanwältin Altun spricht von Steigerungen bis zu 50 Prozent. Auch Familie Fürth sagt: „Wir sind nicht die Hauptbetroffenen und müssten dennoch knapp 180 Euro zusätzlich bezahlen.“

Eine Sprecherin der Wohnungsgesellschaft bestätigte auf Anfrage, man habe den Mietern an der Schützenstraße im Juni in Form eines Schreibens die Modernisierungen angekündigt.

Im einzelnen handele es sich um:

- Energetische Dämmmaßnahmen (Dach, Fenster, Außentür, Keller)

- Balkonarbeiten

-Treppenhausanstrich

- Anbau von Vordächern

-Erneuerung der Briefkastenanlagen

-Erneuerung von Außenanlagen, Müllstandplätzen und Beleuchtungsanlagen

- Badmodernisierungen (vereinzelt).

„Das Gesetz regelt, dass Vermieter von den Kosten für Modernisierungen elf Prozent auf die Miete umlegen dürfen“, betont die Sprecherin. Diesen gesetzlichen Spielraum werde die LEG bei den Modernisierungen in der Schützenstraße 60 und 62 bei weitem nicht ausschöpfen. „Von den geplanten Kosten planen wir, lediglich 7,5 Prozent (statt der erlaubten elf Prozent) umzulegen.“

Für Unsicherheit hat auch eine Äußerung gesorgt, die Konzernchef Thomas Hegel vor nicht allzu langer Zeit im Hinblick auf die Wohnungsbestände des Unternehmens vorgenommen hatte. In einer Art Prognose für das Jahr 2018 sagte er, die LEG rechne mit weiter steigenden Mietpreisen am Wohnungsmarkt. „Wir gehen für die nächsten Jahre von 3,0 bis 3,5 Prozent durchschnittlicher Preissteigerung pro Jahr aus.“

Die börsennotierte LEG Immobilien besitzt rund 130.000 Wohnungen, fast ausschließlich in NRW. Vorstandschef Thomas Hegel hatte zu Anfang dieses Jahres betont, auf „organisches Wachstum“ zu setzen, „indem wir unsere Wohnungen modernisieren“. Im Zuge dessen würden auch die Mietpreise weiter angehoben.

Das aktuelle Statement der Unternehmenssprecherin klingt anders: sie betont: Die Bewirtschaftung der beiden Gebäude an der Schützenstraße habe das Unternehmen im Januar 2015 von der Gemeinnützigen Eisenbahn-Wohnungsbau-Gesellschaft übernommen: „Modernisierungen dienen generell dazu, den Mietern in ihren Wohnungen einen zeitgemäßen Standard zu bieten.“