Hilden: Mehr verschuldete Haushalte

Hilden: Mehr verschuldete Haushalte

Die Hildener Schuldnerberatung hat 2009 insgesamt 426 Personen und Familien betreut. Die Zahl der Rentner unter ihnen ist angestiegen. Für Kinder und Jugendliche ist ein Präventionsprogramm geplant.

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr: Diese alte Weisheit gilt auch für den Umgang mit Geld. "Wir haben Klienten, die wir schon in der zweiten Generation betreuen", berichtet Iris Peters von der Schuldnerberatung des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer (SKFM) in Hilden. Für sie und ihre Kollegen Hubert Bader (Dienstellenleiter) und Brigitte Hombach gewinnt deshalb die Prävention immer höheren Stellenwert. "Wenn man im Elternhaus nicht gelernt hat, mit Geld umzugehen, erlangt man dieses Finanzkonzept meist auch später nicht mehr. Die Schulen bieten das nicht an", sagt Hombach.

Teure Handyverträge

Die Folgen begegnen den drei Sozialarbeitern in ihrer täglichen Arbeit: etwa wenn Jugendliche die Kosten für ihre Handyverträge nicht mehr aufbringen können. Um stärker in die vorbeugende Beratung von Kindern und Jugendlichen einsteigen zu können, hat der SKFM einen Antrag an den Stadtrat gestellt, eine zusätzliche 13-Stunden-Kraft zu finanzieren. Begründung: Das jetzige Personal könne das nicht zusätzlich leisten. Bader und Peters sind mit je zwei halben Stellen, Hombach mit einer dreiviertel Stelle in der Schuldnerberatung tätig. Eine gute personelle Ausstattung, wie Bader betont. Dennoch zu wenig, um zusätzliche Aufgaben zu übernehmen.

2009 hat die Einrichtung insgesamt 462 Personen oder Familien beraten, die ihre Schulden nicht mehr zahlen können. Davon waren 196 Langzeitberatungen. In 266 Fällen ging es in einem ersten Schritt zunächst darum abzuklären, ob der Lebensunterhalt gesichert ist. Die Berater sprechen in solchen Fällen mit den Klienten deren Einnahme- und Ausgabesituation durch. "Viele haben noch nie ausgerechnet, was an Geld reinkommt und was rausgeht", sagt Iris Peters.

Eine umfassende Betreuung könne aufgrund der Vielzahl der Fälle erst später beginnen, sagt Hombach. Zehn Monate Wartezeit seien normal.

Lohnpfändung

Viele Klienten werden dem SKFM durch die Arge zugewiesen. "Etwa wenn ein Fallmanager sieht, dass die Verschuldung ein Problem werden könnte, wenn es um die Vermittlung eines Arbeitsplatzes geht. Kein Chef sehe es gerne, wenn ihm die Lohnpfändung eines Mitarbeiters ins Haus flattert. Viele Menschen suchen aber auch von sich aus die Hilfe der Beratungsstelle. Die Gründe, aus denen sich die Menschen überschuldet haben, sind vielfältig: Arbeitslosigkeit, Trennung / Scheidung, unfreiwillige Teilzeitarbeit, Kurzarbeit, Krankheit. Für viele ist die Privatinsolvenz die letzte Rettung.

Hubert Bader fürchtet, dass sich die Zahl der überschuldeten Haushalte in Zukunft noch erhöht, wenn sich die wirtschaftliche Lage nicht bessert. Einen höheren Beratungsbedarf prognostiziert er auch bei der Gruppe der Rentner. In diesem Bereich stieg die Fallzahl von zehn in 2007 auf 24 in 2009 sprunghaft an.

(RP)