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Hilden: Mehr Hildener sind auf Sozialhilfe angewiesen

Hilden : Mehr Hildener sind auf Sozialhilfe angewiesen

Die Zahl der Empfänger ist von 2011 auf 2012 um 81 Prozent gestiegen. Mehr Senioren sind auf Grundsicherung im Alter angewiesen.

Seit drei Jahren steigt in Hilden die Zahl der Sozialhilfe-Empfänger kontinuierlich an: von 114 (2010) über 143 (2011) und 260 (2012) auf 224 (Stand 30. September 2013). Besondere Gründe dafür kann Sozialdezernent Reinhard Gatzke nicht ausmachen: "Wir sind Teil der allgemeinen Entwicklung in Deutschland."

Seinen Mitarbeitern ist aufgefallen, dass zunehmend junge Menschen psychisch erkranken und damit zeitweise oder auf Dauer dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen. Das sei richtig, wenn man die reellen Zahlen betrachte, erläutert Gatzke: 2010 waren drei Heranwachsende zwischen 18 und 25 Jahren psychisch erkrankt, 2013 bereits 17. Wenn man allerdings den prozentualen Anteil dieser Hilfeempfänger an der Gesamtzahl betrachte, relativiere sich die Beobachtung bereits wieder.

Sozialhilfe erhält, wer länger als sechs Monate erwerbsunfähig ist. Wer kürzer als ein halbes Jahr ohne Arbeit ist, um den kümmert sich das Jobcenter. Die Stadt Hilden unternimmt einiges, um die Menschen wieder aus der Sozialhilfe herauszuführen. Gemeinsam mit der Stadt Haan hat das Sozialamt eigens dafür eine Sozialarbeiterin eingestellt, die vom Kreis finanziert wird. Sie hat zwischen Februar 2006 und 2008 acht Empfänger aus der Sozialhilfe herausgeführt, zwischen 2009 und 2013 weitere 14 Personen. 22 Erfolge in sechs Jahren: Das ist auf den ersten Blick nicht besonders viel. "Ein großer Teil der Klienten weist so erhebliche Einschränkungen auf, dass kurzfristige Erfolge schwierig sind", betont der Sozialdezernent. Aktuell werden 17 Sozialhilfe-Empfänger in einem Programm betreut. Der Kreis Mettmann motiviert die Kreisstädte seit 2011 mit einem Bonus-System. Für jeden Sozialhilfe-Empfänger, der für mindestens zwölf Monate nicht mehr auf die staatliche Stütze angewiesen ist, gibt es einen Bonus in Höhe von rund 2500 Euro. Für 2012 erwartet die Stadt Hilden einen Bonus von 10 000 Euro — bei Aufwendungen für die Sozialhilfe in Höhe von 1,2 Millionen Euro.

Auch die Zahl der Hildener, die auf Grundsicherung im Alter angewiesen sind, oder "voll erwerbsgeminderte Personen", wie es im Amtsdeutsch heißt, steigt seit vier Jahren kontinuierlich an: von 542 (2010) über 571 (2011) und 627 (2011) auf 634 (Stand 30. September 2013). Gatzke geht davon aus, dass sich die Kosten für 2013 auf mehr als drei Millionen Euro belaufen werden. Glück für die Stadt, dass der Bund ab 2013 75 Prozent dieser Kosten übernimmt. Kinder müssen ihre verarmten Eltern im Alter erst dann finanziell unterstützen, wenn ihr jährliches Gesamteinkommen mehr als 100 000 Euro beträgt.

Von 2011 (34) auf 2012 (67) und auf 2013 (Stand: 30. September) hat sich die Zahl der Hildener, die Hilfe zur Pflege benötigen, praktisch verdoppelt. Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt nicht den tatsächlichen Bedarf ab, stellte der Sozialdezernent fest. Deshalb sei die Hilfe zur Pflege notwendig. Für Hilden machte das 2012 knapp 290 000Euro aus. Die Kosten werden über den Haushalt finanziert, in den die Stadt Hilden über eine Umlage einzahlt.

Weiter rückläufig ist dagegen die Zahl der Hildener, die Wohngeld erhalten: von 506 (2010) auf 301(Stand: 30. September 2013). Die Zahlungen haben sich in dem genannten Zeitraum von gut 930 000 Euro auf 485 000 Euro nahezu halbiert. Auch damit liegt Hilden im Bundestrend. Ein Grund sei der Wegfall der Heizkostenkomponente, so die Fachleute.

Wenn Väter oder Mütter ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber ihren Kindern nicht nachkommen, springt das Jugendamt mit einem Unterhaltszuschuss ein, damit die Alleinstehenden und ihre Kinder nicht in Not geraten. Dies geschah 2012 in 327 Fällen, bis 30. September 2013 musste 282 mal ein Unterhaltsvorschuss in Anspruch genommen werden.

Bund und Land erstatten der Stadt Hilden noch nicht einmal die Hälfte der Aufwendungen, sondern nur exakt 46,667 Prozent. 2012 musste die Kommune für den Unterhaltsvorschuss gut 237 000 Euro aus eigener Tasche ausgeben. Die Fallzahlen schwankten, stellt das Jugendamt fest. Eine kontinuierliche Entwicklung sei nicht zu erkennen und auch nicht vorhersehbar.

(RP)