Hilden: Mehr Hartz-IV-Empfänger

Hilden: Mehr Hartz-IV-Empfänger

2009 betreute die Arge ME aktiv in Hilden 1830 Bedarfsgemeinschaften. 452 Kunden konnte sie in eine Arbeitsstelle vermitteln. 402 sind so genannte Aufstocker. Für 2010 rechnet die Arge mit zehn Prozent mehr Fällen.

Die Arge ME aktiv hat 2009 insgesamt 1830 Bedarfsgemeinschaften betreut. Das waren 1,5 Prozent mehr als im Jahr davor. Damit liege Hilden noch gut im Rennen, sagte Arge-Geschäftsführer Klaus Przybilla im Gespräch mit der RP. Bundesweit sei die Zahl der Fälle um 3,5 Prozent gestiegen. 452 Kunden konnten im vergangenen Jahr wieder ins Arbeitsleben integriert werden.

402 von 2936 Kunden, die im Februar 2010 bei der Arge gemeldet waren, sind so genannte Aufstocker, das heißt Menschen, deren Einkommen aus eigener Arbeit nicht ausreicht, ihren Lebenunterhalt zu bestreiten. Das seien vor allem Männer und Frauen, die von der Arge zwar in Arbeit vermittelt worden seien, allerdings auf Stellen im unteren Lohnsegment, sagt der Arge-Geschäftsführer. Für 13,7 Prozent dieser Aufstocker könne die Arge nicht mehr tun, als den Differenzbetrag auszuzahlen.

Jugendliche mit Abschluss

934 Personen galten als nicht vermittelbar. "Sie haben meist in der Person oder in der Umwelt begründete Probleme, aufgrund derer eine Vermittlung innerhalb von sechs Monaten nicht zu erwarten ist", erläuterte Przybilla. Dazu kämen Menschen, für die die Arge "nichts tun darf". Alleinerziehende Mütter etwa können erst (wieder) in Arbeit vermittelt werden, wenn ihre Kinder älter als drei Jahre alt sind. Zu dieser Gruppe von Kunden zählen auch die Jugendlichen über 15 Jahren, bis der Schulabschluss geschafft ist. Eine Kontaktaufnahme erfolgt aber bereits in der vorletzten oder spätestens in der letzten Klasse.

Beide Gruppen zusammen waren 792 Personen. "Rechnet man die Aufstocker dazu, bekommt mehr als die Hälfte unserer Kunden nur Finanzmittel", sagt Przybilla. Den in der Öffentlichkeit oft erhobenen Vorwurf, viele Hartz-IV-Empfänger wollten gar nicht arbeiten, hält der Arge-Chef für nicht gerechtfertigt: "Ausnutzer hat es immer gegeben. Aber man darf die Einzelfälle nicht zum Maßstab für alle machen." Erfreulich ist für Przybilla, dass die Zahl der arbeitslosen Hildener Jugendlichen, die wieder in eine Stelle vermittelt werden konnten, relativ groß ist. Ein Grund dafür sei die hohe Quote derer, die einen Schulabschluss haben. Außerdem funktioniere in der Itterstadt der Übergang von der Schule in den Beruf besser als in anderen Kommunen des Kreises, sagte Przybilla – und lobte die Stadt Hilden und die Schulen für ihre Angebote, die dies fördern. "Schulen müssen arbeitsnah orientiert arbeiten. Das macht die Integrations-Chancen in den Arbeitsmarkt besser", so der Arge-Chef.

Weiter steigende Fallzahlen

Przybilla geht davon aus, dass die Zahl der Bedarfsgemeinschaften in diesem Jahr um zehn Prozent steigt. Zudem werde sich die vom Bundesverwaltungsgericht verfügte Neuberechnung der Hartz IV-Sätze auf den Etat niederschlagen. Die Hartz-IV-Kosten machen mit rund 90 Millionen Euro jährlich heute bereits mehr als 20 Prozent des Kreis-Etats aus. Der Anteil für Hilden lag 2009 bei rund 8,4 Millionen Euro, davon 8,3 Millionen für Unterkunft und Heizung, 87731 Euro für einmalige Leistungen.

(RP)