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Hilden/Haan: Mehr Anzeigen wegen häuslicher Gewalt

Hilden/Haan : Mehr Anzeigen wegen häuslicher Gewalt

In den meisten Fällen erstatten nicht die betroffenen Frauen, sondern Nachbarn Anzeige, so Karin Peglau, Opferschutzbeauftragte der Polizei.

Wenn der Liebste zum Feind wird und die eigene Wohnung nicht mehr sicher ist: Das ist einer der schlimmsten Alpträume, die Menschen erleben können. Frauen und Kinder sind die Opfer. Sie werden von ihren Männern und Partnern bedroht, geschlagen, verletzt, vergewaltigt. Die Polizei fasst das unter dem Begriff "häusliche Gewalt" zusammen. Die Zahl dieser Anzeigen ist in den vergangenen Jahren im Kreis Mettmann drastisch gestiegen: von 389 (2010) über 478 (2011) auf 543 (2012). Das geht aus einem Bericht für den am 23. Mai tagenden Kreissozialausschuss hervor. Über die Ursachen sind sich selbst Fachleute wie Rita Rüttger von Sozialdienst katholischer Frauen und Männer nicht sicher. Sie leitet das Frauenhaus des Kreises und die Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt.

Das Thema "häusliche Gewalt" sei heute im öffentlichen Bewusstsein angekommen: "Das ermutigt viele Frauen, Gewalt auch anzuzeigen." Die Polizei im Kreis sei auf solche Fälle "sehr gut" vorbereitet, lobt Rüttger. Häusliche Gewalt werde deshalb auch "deutlicher gesehen". Ob es tatsächlich mehr häusliche Gewalt gebe oder ob nur mehr Anzeigen, lasse sich nicht klären, weil man über die Dunkelziffer in den vergangenen Jahren nur spekulieren könne. Auch Karin Peglau, Opferschutzbeauftragte der Kreispolizei, tut sich mit einer einfachen Erklärung schwer. "Die Männer sind nicht gewalttätiger geworden. Damit ist der Anstieg nicht zu erklären." Sie glaubt, dass das Umfeld der betroffenen Familien sensibler geworden sei: "In den meisten Fällen erstatten aufmerksame Nachbarn Anzeige, in den wenigsten Fällen die Opfer selbst."

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Weil sich viele Frauen aus Angst nicht als Zeugen zur Verfügung stellen, werden nur die wenigsten Schläger bestraft, weiß Rüttger: "Die Täter laufen meist frei herum." Die Staatsanwaltschaft sei "rechtlich zwingend" auf die Opfer als Zeuginnen angewiesen, erläutert Staatsanwalt Christoph Kumpa, einer der Sprecher der Staatsanwaltschaft Düsseldorf. Viele geschlagene Frauen zögen ihre Anzeigen wieder zurück — aus Angst vor dem Täter, wegen gemeinsamer Kinder oder weil sich das Paar wieder versöhnt habe.

Im Kreis gibt es ein Gewaltschutzkonzept. Das Frauenhaus nahm im vergangenen Jahr 54 Frauen und 56 Kinder auf. Sie blieben im Durchschnitt 45 Tage. 70 Prozent konnten sich aus der Gewaltbeziehung lösen, berichtet Rüttger. In der Interventionsstelle suchten 2012 436 Frauen mit 501 Kindern Hilfe. 38 Prozent trennten sich vom Gewalttäter, zwölf Prozent kehrten zu ihm zurück. Eine Frau wurde von ihrem Mann umgebracht. In den ersten drei Monaten dieses Jahres gingen bereits über 100 Anfragen ein. 2010 wurden nur 301 Fälle dokumentiert.

(RP/ac)