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Hilden: Mehr als 900 Hildener sind dement

Hilden : Mehr als 900 Hildener sind dement

Bis 2030 wird sich die Zahl verdoppeln. Der "Demenz-Info-Tag" am 20. April will vor allem Angehörige aufklären.

Das Thema Demenz beschäftigt immer mehr Menschen — unaufhaltsam. Unter dem Oberbegriff sind Krankheiten zusammengefasst, die zum Abbau der Leistung des Gehirns führen. Die Alzheimer-Krankheit ist die bekannteste, durchaus aber nicht die einzige: "Demenz hat verschiedene Erscheinungsformen und Ursachen", erklärt Claudia Meves von den Seniorendiensten "Stadt Hilden". Sie gehört zu den Veranstaltern, die für den 20. April zum dritten "Demenz-Info-Tag" in Hilden einladen. "Über diese Formen und Ursachen möchten wir gerne mehr mitteilen."

Angesprochen sind vor allem Angehörige: 13 231 Hildener sind derzeit über 65 Jahre alt, das ist schon jetzt jeder Vierte. 3400 sind älter als 80 Jahre. Derzeit gibt es in Hilden mehr als 900 Demenzkranke. In 2030 wird sich deren Anteil an der Gesamtbevölkerung verdoppelt haben — und damit verbunden die Zahl derer, die dementiell erkranken. "Weil wir das wissen, wollen wir für unsere Stadt darauf reagieren", sagt Sozialdezernent Reinhard Gatzke. "Es gibt bereits viele Angebote für Demenzkranke und ihre Familien, doch sie müssen noch bekannter werden."

Denn noch immer ist es so, dass pflegende Angehörige erst zur Beratung gehen, wenn sie selbst fast krank sind — Demenz kann bedeuten, dass jemand nahezu rund um die Uhr betreut werden muss. "Wir wissen inzwischen, dass Stress Demenz verstärkt", sagt Adelheid Reiners vom Seniorenzentrum Dorotheenpark. "Und Stress entsteht auch durch Vorwürfe wie den Satz: ,Das habe ich dir doch schon tausend Mal gesagt'. Sich verstehen, das ist entscheidend." Daher ist der Info-Tag zugleich Auftakt zum Projekt "Verstehen und verstanden werden — Miteinander leben mit Demenz". Zum Leben mit Demenz gehört der Mut zu einer frühen Diagnose.

"Jeder denkt von sich, dass er ein bisschen vergesslich ist", sagt Ingrid Benecke von der Nachbarschaftshilfe, "aber niemand deutet die ersten Anzeichen richtig." Auch dies ist also eine Aufgabe der Angehörigen. Die frühe Erkenntnis sei enorm wichtig, sagt Claudia Meves, denn dann könne man auch medizinisch noch etwas zum Erhalt der Lebensqualität tun. Ein gutes Netzwerk sei ein weiteres Standbein für die Bewältigung des Alltags: "Jeder sollte sich so früh wie möglich informieren und Hilfe suchen." Denn: Besser wird der Zustand eines Demenzkranken nicht. Lediglich Patienten, bei denen die Demenz durch extremen Stress ausgelöst wurde, können geheilt werden.

Neu bei diesem dritten Hildener Demenz-Info-Tag ist eine Ausstellung im gesamten Bürgerhaus. Sie heißt "Stimme der Demenz" und trägt Aussagen von mehr als 30 Kranken zusammen, die helfen, sich ein Bild von ihrem seelischen Zustand zu machen. Neu ist auch der "Zirkus für alle", eine Mitmach-Aktion vor dem Bürgerhaus, die vom Verein Demenz-Info-Center organisiert wird. "Wir wollen zeigen", sagt Sina Buhrmester vom städtischen Seniorenbüro, "dass es ein Miteinander trotz Demenz gibt und niemand sich in die Isolation zurückziehen sollte."

Apropos Isolation: Der Rückzug aus der Gesellschaft sowie schnell aufflammender Streit mit der Familien und einst engen Freunden ist eines der ersten Anzeichen für eine beginnende Demenz. "Erkrankte trauen sich immer weniger zu, wollen dies aber verbergen", erklärt Hedwig Braun vom Demenz-Info-Center. "Das führt dazu, dass sie andere für Fehler verantwortlich machen und beschimpfen."

www.rp-online.de/hilden

(RP/rl)