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Prozess: Männer wegen „Loverboy“-Masche vor Gericht

Prozess : Männer wegen „Loverboy“-Masche vor Gericht

Wegen Zwangsprostitution und Zuhälterei müssen sich derzeit zwei Wuppertaler vor dem dortigen Landgericht verantworten. Die Angeklagten sollen eine 16-Jährige und eine 18-Jährige dazu gezwungen haben, für sie „anschaffen“ zu gehen, um von den Einnahmen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Dabei sollen sie nach der „Loverboy-Masche“ vorgegangen sein und den beiden jungen Frauen vorgegaukelt haben, eine Beziehung mit ihnen zu führen. Zur Kunden-Akquise sollen Fotos der Frauen gemacht worden sein, um sie auf einem der einschlägigen Portale einstellen zu können. Dafür soll einer der Angeklagten ein Zimmer in einem Haaner Hotel gebucht und einen Fotografen dorthin bestellt haben.

Die beiden Frauen sollen ihre Kunden später in Hotels in Haan, Hilden und Düsseldorf getroffen haben. Die Anklage wirft den beiden 23 und 27 Jahre alten Männern vor, den Opfern gegenüber von Liebe und einer gemeinsamen Zukunft gesprochen zu haben. Sie sollen den Frauen das durch Prostitution verdiente Geld abgenommen haben unter dem Vorwand, sie würden die Einnahmen für gemeinsame Anschaffungen sparen. In polizeilichen Vernehmungen sollen die Opfer gesagt haben, dass sie sich über Wochen hinweg hätten bereithalten müssen für mögliche „Termine“ mit Freiern.

Zuhälterei? Vorgegaukelte Liebe? Davon wollte der 23-Jährige, der das ganze „gemanagt“ haben will, nichts hören. Die 18-Jährige will er in einem Club kennengelernt haben und noch in der gleichen Nacht mit ihr „im Bett gelandet“ sein. Von Liebe könne aus seiner Sicht keine Rede sein – allenfalls von „Freundschaft plus“ oder auch von einem One-Night-Stand, und noch einem, und noch einem... Weil sie drogenabhängig gewesen sei und Geldprobleme gehabt habe, will er der Frau vorgeschlagen haben, ihr Geld doch mit Prostitution zu verdienen. Als Nutte auf den Strich geschickt? Eine solche Wortwahl lehne er ab: Die Frau sei eine „Sexworkerin“ und habe seinem Geschäftsmodell bereitwillig zugestimmt.

Die Kunden habe man gemeinsam ausgesucht und deren vermeintliche Vorlieben vor dem Date noch gegoogelt, um nicht plötzlich mit obskuren Sexpraktiken konfrontiert zu werden. Eine Stunde für 150 Euro oder auch schon mal länger für 900 Euro – von den Einnahmen hätten die Frauen ihren Anteil abbekommen. Und der Rest? Hotelzimmer bezahlt, Kosmetika gekauft, und dann habe auf dem Tisch immer noch eine Dose mit Marihuana gestanden, an der sich alle hätten bedienen können. Er habe allenfalls für die Sicherheit der Frauen bei der Sexarbeit gesorgt – es könne nun mal viel passieren „mit den Typen, die da so als Kunden auflaufen würden.“

Die 16-Jährige sei mit dem 18-jährigen Opfer befreundet gewesen und zum ersten Date mit den Angeklagten in einem der Hotels sogar mit einer Tüte voller Dessous gekommen. Liebe, Villa und teure Autos: Keinesfalls will man den beiden Frauen das versprochen haben. Die hätten sich in den Hotels vergnügt und seien lächelnd wieder rausgekommen – spätestens hier waren die Einlassungen eines der Angeklagten nur noch schwer auszuhalten. Der Prozess wird fortgesetzt – die beiden Opfer sollen unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehört werden.

(magu)