Haan: Leichtsinnige Gleis-Mutprobe

Haan: Leichtsinnige Gleis-Mutprobe

Präventive Weichen stellte gestern Polizeihauptmeister Stefan Leven in der Klasse 7c der Hauptschule Zum Diek. Der Bundespolizist zeigte den Schülern die zuweilen tödlichen Gefahren rund um die Bahnanlagen auf.

Als Stefan Leven den Klassenraum der 7c in der Hauptschule Zum Diek betritt, begegnen die Schüler dem Polizeihauptmeister überwiegend aufgedreht und mit vorwitzigen Fragen. "Was tragen Sie für eine Waffe?", will ein Junge in der letzten Reihe wissen. Auf die Frage nach seinem Beruf antwortet ein Schüler in der ersten Reihe: "Sie sind bestimmt Krankenschwester." Leven lässt mit sich scherzen, kommt aber zielstrebig zum Punkt.

Bremsweg von zehn Fußballfeldern

Denn wenn es um die Sicherheit rund um die Bahnschienen geht, versteht der Bundespolizist keinen Spaß. "Wir machen uns Sorgen um verletzte oder sogar tote Kinder und Jugendliche an den Bahnanlagen", erklärt Stefan Leven. Als er den Hauptschülern den Bremsweg eines 700 Meter langen Güterzuges vorrechnet, machen sie große Augen. "Bei einer Vollbremsung hat ein solcher Zug einen Bremsweg von fast zehn Fußballfeldern hintereinander – und bis dahin nimmt er alles mit, was dazwischen liegt", sagt Leven.

Doch nicht nur die Züge bergen Gefahren. Anhand von Bildern demonstriert der Polizist, was an Hochspannungsleitungen passiert. "Bei 230 Volt aus der Steckdose kann ein Mensch schon sterben. Durch die Bahnleitungen fließen 15 000 Volt", warnt Stefan Leven. Danach zeigt er auf einem Bild den verkohlten Schuh eines Zwölfjährigen, der auf einen Güterwaggon kletterte und an einem Stromstoß starb. "Ist das der Schuh des Jungen?", fragt einer der Schüler ungläubig. Im Anschluss zeigt Stefan Leven der Klasse den Animationsfilm "Olis Chance." Ein Junge hat, nachdem ihn ein Zug beim Spielen an den Gleisen gestreift hat, ein Nahtoderlebnis. In dieser Vision trifft er verstorbene Kinder, die ihm von ihren Unglücksfällen erzählen. Danach herrscht betretenes Schweigen im Klassenraum.

Ein 14-Jähriger scheint dem Polizisten aber noch immer uneinsichtig. "Wenn du schon nicht an deinem Leben hängst, dann vielleicht an deinem Portemonnaie", vermutet Leven. "Wenn ein Zug eine Vollbremsung hinlegen muss und du solltest überleben, zahlst du die entstehenden Kosten", ermahnt der Beamte den gerade strafmündig gewordenen Teenager.

Lebenslang für Schaden zahlen

Dazu gehöre ein Rattenschwanz an Kosten für Verspätungen, Behandlungen für Verletzte und den Feuerwehreinsatz in Höhe von bis zu mehreren tausend Euro. "Einen Sportwagen kannst du dir dann in deinem Leben nicht mehr leisten", schätzt Stefan Leven. Für Birgit Schnitzler passte Levens Vortrag gut in ihren Unterricht.

Die Klassenlehrerin liest gerade mit der 7c das Buch "Die Mutprobe" von Carolin Philipps, in dem es um das so genannte "S-Bahn-Surfen" geht. "Im Alter von 13 und 14 Jahren will einer cooler als der andere sein. Und wir haben in Haan und Gruiten viele Züge, die durch die Bahnhöfe einfach durchdonnern", begründet Schnitzler. Nach dem RP-Bericht über die tödliche Gefahr, in die sich spielende Kinder an Bahnübergängen begeben, lud die Lehrerin Polizeihauptmeister Leven in ihre Klasse ein. Kommende Woche ist er erneut zu Gast – diesmal in der Parallelklasse.

(RP)