Hilden/Haan: Legionellen: Hier lauert die Gesundheitsgefahr

Hilden/Haan : Legionellen: Hier lauert die Gesundheitsgefahr

Warmwasserbehälter sind der Hauptbrutherd für die Keime – in Turnhallen, aber auch Wohnhäusern.

Warmwasserbehälter sind der Hauptbrutherd für die Keime — in Turnhallen, aber auch Wohnhäusern.

In Warstein sind über 110 Menschen an Legionellen erkrankt — Keimen, die hauptsächlich über das Trinkwasser übertragen werden. Mindestens zwei starben daran. Eine Großveranstaltung, die Montgolfiade, wurde deswegen abgesagt. Eine Legionellen-Epidemie diesen Ausmaßes hat es im Kreis Mettmann nach Auskunft des Kreisgesundheitsamtes bislang nicht gegeben.

Dennoch wurden auch in Hilden und Haan bis in die jüngere Vergangenheit hinein schon Turnhallen gesperrt, weil die Wasserleitungen kontaminiert waren — beispielsweise an der Schützenstraße in Hilden und an der Walder Straße in Haan. Zum Teil mussten die Sanitäranlagen aus diesem Grund sogar umgebaut werden.

"Legionellen befinden sich immer in geringen Mengen im Wasser", berichtet Dr. Rudolf Lange, der Leiter des Kreisgesundheitsamtes. In kaltem Wasser seien sie auch nicht gefährlich. "Aber in warmem Wasser zwischen etwa 30 und 45 Grad vermehren sie sich explosionsartig und können dann beim Menschen eine fiebrige Lungenentzündung, die Legionärskrankheit, hervorrufen." Allerdings nur, wenn sie über Tröpfchen in die Lunge gelangen, also eingeatmet werden. "Das passiert hauptsächlich beim Duschen. Oder über Klimaanlagen und Luftbefeuchter." Warmes Wasser aus dem Kran, das nicht in Nebelschwaden austrete, sei ungefährlich.

Hauptbrutherd: große Warmwasserbehälter, wie sie zum einen in Turnhallen, Hotels, Krankenhäusern und Altenheimen verwendet würden, zum anderen in Mehrfamilienhäusern, bei denen die Parteien ihr Wasser nicht über einen Durchlauferhitzer erwärmen. "Bei Krankenhaus- und Heimbegehungen fragen wir regelmäßig danach, ob eine Kontrolle auf Legionellen erfolgt sei", sagt Lange. Denn die Betreiber seien dazu verpflichtet. Ebenso die Stadt bei ihren Hallen.

Die neueste Trinkwasserverordnung holt aber auch Privatleute mit ins Boot: Besitzer von Mehrfamilienhäusern müssen bei ihren vermieteten Gebäuden — sofern noch nicht geschehen — spätestens bis Ende dieses Jahres die Warmwasserbehälter von öffentlich zugelassenen Untersuchungsstellen auf Legionellen kontrollieren lassen, dann alle drei Jahre. "Erfolgt dies nicht, ist es eine Ordnungswidrigkeit", erklärt der Amtsarzt. "Und erkrankt ein Mieter nachweislich daran, kann es sogar ein Straftatbestand sein." Denn eine Erkrankung an Legionellose sei meldepflichtig, die Ursache werde gesucht. "Es ist aber auch schon vorgekommen, dass sich Bürger aus dem Kreis Mettmann die Keime nicht hier, sondern im Urlaubshotel geholt haben."

Die Hildener Stadtwerke weisen im Rahmen ihrer Energieberatungen auf mögliche Missstände hin. "Manchmal sehen wir vor Ort, dass die Wasserfilter schwarz und zugesetzt sind oder Waschbecken abmontiert wurden und jetzt nur noch ungenutzte Leitungen aus der Wand kommen", berichtet Energieberater Jens Müller. "Oder in Häusern, in denen früher fünf, sechs Leute gelebt haben, lebt nur noch einer und nutzt nicht mehr alle Wasserhähne." Hier sei Abhilfe erforderlich. Stehendes Wasser in den Rohren berge die Gefahr, dass sich die Legionellen darin vermehren und sich von dort im gesamten Trinkwassersystem ausbreiten. Moderne Technik helfe jedoch, den Keimen das Leben schwer zu machen. Dies sei aber nicht Sache der Stadtwerke: Denn sie übergebe das — täglich kontrollierte — Wasser am Hausanschluss in die private Hand.

"Stagnation in den Rohren ist zu vermeiden", rät Müller. Doch Stillstand in den Leitungen gebe es schon, wenn man länger in Urlaub fahre. "Nach der Rückkehr sollte man deshalb alle Hähne einmal öffnen und gründlich durchspülen."

(RP)
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