Haan: Langer Weg zum Stadtrecht

Haan: Langer Weg zum Stadtrecht

Am 15. Februar ist Haan seit genau 90 Jahren Stadt. Vom Wunsch bis zum Erlass der preußischen Staatsregierung gingen mehr als 30 Jahre ins Land. Am Dienstag zeichnet der Stadtrat in einer Sondersitzung verdiente Bürger aus.

Alle fünf Jahre am 15. Februar tritt der Stadtrat zu einer Sondersitzung zusammen, um des Tages der Verleihung der Stadtrechte zu gedenken. Das ist zum 90. Stadt-Geburtstag auch am kommenden Dienstag der Fall. Im historischen Rathaussaal werden zu diesem besonderen Anlass zehn Frauen und Männer, die sich um Haan besondere Verdienste erworben haben, mit der Ehrengabe der Stadt ausgezeichnet.

Es war ein langer Kampf, bis aus der Gemeinde die Stadt Haan wurde. Der Haaner Historiker Dr. Reinhard Koll, hatte zum 80. Geburtstag intensiv in den Archiven geforscht und dieses Kapitel der Geschichte aufgearbeitet. Am 20. Dezember 1889 beschloss der Gemeinderat mit 15 gegen vier Stimmen, die Stadtrechte anzustreben. Bürgermeister Gottwald Hirsch zögerte den Schritt aber heraus.

Querelen beim ersten Versuch

  • Haan : Politische Zäsur bei der Wahl

Mitte Oktober 1890 beschloss die Bürgermeistereiversammlung der Sammtgemeinde Haan – Haan, Gruiten, Obgruiten, Millrath und Schöller – dass Haan allein die Stadtrechte beantragen solle und die restlichen Gemeinden eine neue unter dem Namen Gruiten bilden sollten. Meinungsverschiedenheiten gab es über die Zugehörigkeit von Ellscheid und dem steuerkräftigen Oberhaan. Beide wollten sich im Falle der Stadterhebung Haans von Haan trennen. Die Querelen zögerten das Verfahren hinaus. Am 6. Dezember 1892 beschloss der Rat, eine Petition beim Provinziallandtag zu überreichen und zu bitten "sich für die Verleihung der Städte-Ordnung auszusprechen und bei der Königlichen Regierung die Verleihung der selben beantragen zu wollen". Die Bewerbung war unterfüttert: "Haan trägt ein städtisches Gepräge und macht auf alle fremden Besucher durch seine hohe schöne Lage mit freiem Überblick über die ganze Rheingegend von Düsseldorf zum Siebengebirge, durch seine lange breite Hauptstraße mit Allee, seine breiten Nebenstraßen, seine properen Häuser – vielfach mit Trottoir – einen vorzüglichen Eindruck." Dass damals noch Rathaus und Bahnhof, Güterladestelle an der bedeutenden Bahnstrecke Köln-Elberfeld, Geburts- und Krankenstation, Gas- und Stromversorgung, Telefonnetz und eine weiterführende Schule fehlten, wurde nicht gesagt. Damals gab es nur eine Apotheke und zwei Ärzte. Am 26. Mai 1893 wurde die Samtgemeinde durch königlichen Erlass geteilt, der Haaner Wunsch nach Stadtrechten blieb aber unerfüllt. Daran änderte auch eine Fahrt nach Berlin nichts, bei der Kaufmann Wilhelm Birschel und Brennereibesitzer Wilhelm Hoppenhaus im Leihfrack zum preußischen Innenminister Graf Botho zu Eulenburg gingen und um Überdenken der Entscheidung baten.

Nachricht kam sehr spät

Fast drei Jahrzehnte später, am 12. Mai 1919, fasste der Gemeinderat einstimmig den Beschluss, die Stadtrechte zu beantragen, zumal alles, was 1893 noch gefehlt hatte, jetzt vorhanden war. Im Juni 1920 unterstützte der Kreistag den Haaner Wunsch. Am 12. Februar 1921 verlieh die preußische Staatsregierung per Erlass Haan endlich die Stadtrechte. Fast zwei Wochen später erfuhren die Bewohner davon lapidar aus den Zeitungen. Am 28. Februar wurde der Gemeinderat darüber offiziell vom kommissarischen Bürgermeister Ernst Heßmann informiert – unter dem Punkt "Personalsachen". Zwei Wochen vorher war von der Regierungs-Entscheidung offenbar noch nichts bekannt – trotz Telegraph und Telefon.

(RP)
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