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Langer Weg vom „Angstraum“ zum „Waldweg“ in Hilden

Sicherheit und Kriminalität in Hilden : Langer Weg vom Angstraum zum Waldweg

2009 hatte der Stadtrat beschlossen, den Fußgängertunnel im Hildener Bahnhof auf eigene Kosten für 363.000 Euro zu sanieren. Weil die Bahn als Eigentümer das einfach ablehnte. Heute ist der Durchgang kein „Angstraum“ mehr. Probleme gibt es aber immer noch.

Viermal im Jahr erfassen Profitester den Zustand aller Bahnhöfe und Haltepunkte im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. Der Bahnhof Hilden erhielt in diesem Jahr die Gesamtbewertung „noch akzeptabel“. Und hat sich damit in den vergangenen drei Jahren nicht verschlechtert – allerdings auch nicht verbessert. Rot sahen die Tester bei Graffiti und Sauberkeit. Immer wieder fällt der Aufzug aus. Vandalismusschäden, sagt die Deutsche Bahn. Das sei schon viermal in den vergangenen fünf Jahren passiert.

Um hier einen Fortschritt zu erkennen, muss man länger zurückblicken. Vor mehr als zehn Jahren war die Bahnhofsunterführung zu den Gleisen ein stadtbekannter „Angstraum“. Er konnte schließlich beseitigt werden. Das hatte aber einen hohen Preis.

2009 hatte der Stadtrat beschlossen, den Tunnel auf eigene Kosten für 363.000 Euro (!) zu sanieren. Weil die Bahn als Eigentümer das einfach ablehnte. Und es in den Augen des Stadtrates keine Sinn machte, das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude für 3,3 Millionen Euro zu sanieren und die Fahrgäste dann durch ein stinkendes Dreckloch zu schicken.

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Die Seitenwände wurden verglast – um Graffiti leichter entfernen zu können. Eine wechselnde Beleuchtung simuliert einen Waldweg aus Licht. „Fünf bis sechs Jahre war auch alles okay“, sagt Tiefbauamtsleiter Harald Mittmann. Dann begannen die Probleme.

Problem Nr. 1: „Durch den Bahndamm der DB dringt von oben Wasser ein“, berichtet Mittmann: „Wasser und Elektrik vertragen sich nicht. Den Bahndamm abzudichten, würde richtig viel Geld kosten. Deshalb haben wir die Beleuchtung an den feuchten Stellen stillgelegt.“

Problem Nr. 2: Die Wand-Beleuchtung ist zwar schick und ausgefallen. Die gesamte Anlage ist aber nicht feuchteraum-geeignet. Sie verbraucht dazu viel Strom (für mehr als 10.000 Euro im Jahr). Und ist überdies sehr wartungsaufwendig: Wenn eine Leuchtstoffröhre ausgetauscht werden muss, muss der Glaser kommen und eine Glasscheibe demontieren.

Die Zuständigkeiten sind und bleiben kompliziert. Eigentümer ist zwar die Bahn. Für die Verkehrssicherungspflicht und die Reinigung ist jedoch die Stadt Hilden zuständig. Auch für die Videokamera, die den Fußgängertunnel überwacht. Die Anlage hat auch die Stadt Hilden bezahlt. Die Bahnpolizei habe Zugriff auf die Bilder.

Fazit: Niemand muss heute mehr Angst haben, wenn er die Unterführung benutzt. Das hatte und hat allerdings seinen Preis. „Der Rat hat die Anlage beschlossen“, sagt Mittmann: „Unsere Aufgabe ist es, sie instand zu halten.“

Viele Städte tun sich mit Unterführungen schwer, weil sie häufig verdreckt und vermüllt werden und für viele Bürger zu einem „Angstraum“ verkommen. Was tun? Patentrezepte gibt es nicht. Aber Beispiele, die Mut machen: In Kiel hat die Stadt in einer Ostring-Unterführung preiswert die Beleuchtung verbessert und die Wände von Sprayern in eine Street-Art-Gallery verwandeln lassen. Vom Angstraum zum Kunstraum.