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Langenfeld Hildener Fall vor Gericht: Verfahren wegen Betrugs ins 16 Fällen

Langenfeld/Hilden : Ebay-Betrüger bleibt auf freiem Fuß

Ein spielsüchtiger Hildener wurde jetzt – trotz Vorstrafe – vom Amtsgericht nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Ja, lässt die Anwältin des Angeklagten zu Beginn der Verhandlung den Vorsitzenden Richter Martin Bösen, die beiden Schöffen und die Staatsanwältin wissen, ihr Mandant bekenne sich in vollem Umfang schuldig und wolle sich auch später äußern, nur jetzt gerade sei er dazu noch nicht in der Lage. Und so nimmt seine rechtliche Vertreterin erst einmal Stellung zu den Betrugsvorwürfen in insgesamt 16 Fällen, die die Staatsanwältin zuvor verlesen hatte. Demnach soll der Anlagenfahrer zwischen April und Oktober 2018 bei Ebay Gegenstände zum Schein angeboten und verkauft haben: Graphikkarten, Mobiltelefone, Turnschuhe, Spielekonsolen, Softwarepakete, Wert: jeweils zwischen 80 und 500 Euro. Das Geld der bundesweiten Käufer habe er erhalten, auf die Ware warteten sie vergeblich, erstatteten Anzeigen.

Mit gesenktem Kopf folgt der Angeklagte den Erklärungen seiner Anwältin, die ausführlich den Werdegang ihres Mandanten beschreibt. Seit Jahren sei er schwer spielsüchtig. Obwohl der Vater zweier Kinder (die bei ihrer Mutter leben) ein gutes Einkommen habe (rund 3500 Euro netto), reiche das Geld nicht aus. Er habe hohe Schulden bei Freunden, Familie und Bekannten und sei schließlich auf die Idee mit dem gewerblichen Internetbetrug gekommen. Zweimal ist er bereits einschlägig vorbestraft, bislang immer zur Bewährung. Der junge Mann kämpft zumindest in den letzten zwei Jahren verzweifelt gegen die Sucht an: Mehrere Monate wird er 2017 auf eigenen Wunsch in einer Fachklinik behandelt. Dann aber, nach kurzer Zeit, der Rückfall. Der 35-Jährige verfällt in schwerste Depressionen, hat Suizidgedanken, lässt sich im März 2018 erneut akut einweisen, er muss lange auf einen stationären Therapieplatz warten, in diese Zeit fallen die vorgeworfenen Taten. Den Richter wundert, dass der Angeklagte stets seinen tatsächlichen Namen und seine Kontonummer angeben hat. „Das muss Ihnen doch klar gewesen sein, dass Sie auffliegen“, sagt der Richter zum Angeklagten. „Ich wollte eigentlich gar nicht das Geld einsacken“, erklärt der Beschuldigte, „ich wollte das Geld eigentlich nur bei den Sportwetten einsetzen und dachte, dass ich es dann direkt zurück überweise, denn als Süchtiger denkt man ja, dass man gewinnt, obwohl letztlich immer die Bank gewinnt.“

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Seit Ende seiner zweiten Langzeittherapie wird der Angeklagte ambulant betreut, ist seit zwei Monaten spielfrei, hat eine Bewährungshelferin. Die schildert ihren Eindruck: „Er ist immer offen und ehrlich, er arbeitet sehr zuverlässig mit, seine Sucht ist eine Krankheit, die bei Unterbringung im Gefängnis ganz sicher nicht geheilt wird.“ Und auch die klaren Schilderungen der schwangeren Lebensgefährtin wirken sich positiv auf das Gesamtbild aus. Seit zwei Jahren ist sie an seiner Seite, hilft bei der Abtragung der Schulden. Letztlich fordert die Staatsanwältin eine zweijährige Haftstrafe auf Bewährung, das Gericht folgt diesem Strafmaß. „Sie haben eine gute Sozialprognose, Sie hatten eine wunderbar vorbereitete Anwältin und eine Lebensgefährtin, die hinter Ihnen steht. Aber es muss Ihnen bewusst sein: passiert in den kommenden vier Jahren irgendetwas, dann war es das mit der Bewährung.“