Landesverband der Spanisch-Lehrer tagt in Hilden

Hilden : Mehr Schüler lernen Fremdsprache Spanisch

Landeskongress der Deutschen Spanisch-Lehrer im evangelischen Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Hilden.

Rund 120 Spanischlehrer aus ganz NRW kamen am Samstag zum Landeskongress des Deutschen Spanischlehrer Verbands (DSV) erstmals in Hilden zusammen. Sie diskutierten über Unterrichtsthemen, Vermittlungsmethoden und Herausforderungen modernen Sprachunterrichts. Als schwierig erweist sich der konstruktive Umgang mit Online-Übersetzern.

Durch Programme wie „Google Translator“ oder „DeepL“ sind schriftliche Hausaufgaben zur Sprachmittlung bei Schülern obsolet geworden, bemerkte Juliane Krüger, Fachdezernentin der Bezirksregierung Düsseldorf, die auf Einladung des DSV ein Impulsreferat zu den neuen Entwicklungen im Spanischunterricht hielt. Der Deutsche Spanischlehrer Verband NRW (rund 750 Mitglieder) versteht sich als Bindeglied zwischen Ministerium und Lehrerschaft und lädt alle zwei Jahre zum Kongress ein, um über neuste Entwicklungen und Praxisprobleme zu sprechen.

Dieses Jahr stand unter anderem die Frage im Raum, warum sich Schüler mit einem analogen Wörterbuch hinsetzen und einen mittelmäßigen Text auf Spanisch verfassen sollten, wenn es auf Deutsch viel besser klappt und per Mausklick schnell und gut übersetzt wird? „Auf diese Frage sind wir unseren Schülern noch eine Antwort schuldig“, sagte Krüger, die den Anwesenden zugleich Mut machte, offensiv mit dem Thema umzugehen: „Verbieten können wir die Programme nicht und nutzen werden die Schüler sie eh, also sollten wir sinnvoll mit ihnen umgehen und versuchen sie in den Unterricht zu integrieren.“ Eine Patentlösung gebe es für dieses Problem aber nicht.

Erfreulicher für die Fachschaft sei hingegen der anhaltende Trend, dass immer mehr Schüler Spanisch als zweite Fremdsprache wählen und es immer häufiger mit ins Abitur nehmen. Doch die Beliebtheit des Faches bei Schülern zeige auch eine deutliche Auswirkung an den Universitäten. Entgegen dem allgemeinen Lehrermangel, vorzugsweise in den Mint-Fächern, herrscht bei Spanisch bereits jetzt ein fachspezifischer Überhang. „In den letzten Jahren wurden viele junge Lehrkräfte eingestellt, sodass der Bedarf für die nächsten Jahre eigentlich gedeckt ist“, äußerte Krüger.

Warum Spanisch als Fremdsprache solch hohen Zuspruch erfährt, sieht Lastenia Arencibia Guerra, Spanischlehrern am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Hilden an der Präsenz der Sprache in der aktuellen Musik- und Filmbranche begründet und darin, dass sich Schüler für die Zukunft anders aufstellen: „In US-amerikanischen Filmen wird Spanisch gesprochen, die Charts sind voll mit Liedern wie ‚Despacito‘ und viele Schüler wollen nach der Schule ein soziales Jahr in Lateinamerika absolvieren. Da macht es einfach mehr Sinn sich eher für Spanisch als für Französisch zu entscheiden“, sagt Arencibia Guerra, die beides unterrichtet.

Überhaupt eröffnen sich durch die Vielzahl an Spanisch-Sprechern – geschätzt rund 577 Millionen Menschen auf der ganzen Welt – ganz andere Jobperspektiven, an ganz anderen Orten, sagen Thomas Döring und Ursula Vences, Vorstandsvorsitzende des nordrhein westfälischen DSV.

Spanien genieße nach wie vor einen hohen Zuspruch als attraktiver und sicherer Urlaubsort. Und auch Lateinamerika wird inzwischen von Touristen neu entdeckt. Doch auch für Unternehmen wird die Großregion in Mittel- und Südamerika wirtschaftlich immer interessanter.

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