Hilden: KZ-Überlebende spricht am Campus Holterhöfchen

Hilden: KZ-Überlebende spricht am Campus Holterhöfchen

Mathematik und Deutsch fallen von heute bis Freitag für die Neuntklässler der Marie-Colinet-Sekundarschule aus. Stattdessen stehen Toleranz und Zivilcourage auf dem Lehrplan. Im Rahmen der "Antirassismus- und Antidiskriminierungstage" finden am Bildungscampus Holterhöfchen und im Jugendtreff Area 51 sieben Veranstaltungen statt, darunter Lesungen, Filmvorführungen und Konzerte. An einigen nehmen auch Schüler der achten und neunten Klassen des Helmholtz-Gymnasiums Hilden teil. Organisiert und finanziert wird das Projekt durch das Amt für Jugend, Schule und Sport der Stadt Hilden.

Erstmals führte die städtische Jugendförderung die Aktion vor zwei Jahren durch. "Wir wollten zeigen, dass Diskriminierung viele Facetten hat", berichtet Kutlu Yurtseven, Koordinator des Ganztages am Bildungscampus. "Von Ausländerfeindlichkeit über Homophobie bis hin zu Sexismus."

Die Jugendlichen waren nachhaltig beeindruckt. Der damals 16-jährige Dustin schrieb beispielsweise: "Wir haben in dieser Woche mehr über Menschlichkeit erfahren, als in den Jahren zuvor!" Und auch Medina (15) war sich sicher: "Diese Woche wird mich noch Monate beschäftigen." Grund genug für die Jugendförderung, das Projekt mti der Sekundarschule und dem Helmholtz-Gymnasium fortzuführen. Die Schwerpunktthemen sind diesmal der nationalsozialistische Untergrund (NSU) und Salafismus. "Konkret geht es um Europas junge Salafisten, um den Holocaust und um den Bombenanschlag des NSU auf der Keupstraße", erklärt Kutlu Yurtseven.

Bei dem Attentat in Köln war er selbst Zeuge. "Wir wollen keine Betroffenheit auslösen, sondern bei den jungen Menschen ein Bewusstsein schaffen, sodass sie eigenverantwortliche Entscheidungen treffen können." Extreme Ideologien ähneln sich seiner Meinung nach stark. "Die Mechanismen funktionieren, weil die Mehrheit schweigt", unterstreicht Yurtseven. "Auch wenn in einer Schulklasse gemobbt wird, gibt es in der Regel ein Opfer, zwei Täterinnen oder Täter und 26 Menschen, die das billigend in Kauf nehmen."

Die Aktualität des Themas und den Bezug zum Schulalltag schätzt auch Sabine Klein-Mach. Als Leiterin der städtischen Sekundarschule ist es ihr ein großes Anliegen, "eine Gesellschaft der Vielfältigkeit" zu leben: "Unterrichtsstoff ist wichtig. Junge Menschen müssten aber auch Freiräume haben, um sich mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen. Klein-Mach wünscht sich, dass die Schüler lernen, "nicht wegzuschauen".

Besonders froh ist sie deshalb über den Besuch von Esther Bejarano. Die 93-jährige Deutsch-Jüdin hat das Vernichtungslager Auschwitz überlebt. Klein-Mach ist überzeugt: "Eine Zeugin des Holocausts zu treffen und ihre Geschichte zu hören, ist eine Erfahrung von unschätzbarem Wert."

Die Veranstaltungen während der Projekttage dauern zwischen 90 bis 120 Minuten, davor und danach gibt es Gesprächs- und Austauschmöglichkeiten. "In einigen Veranstaltungen sind noch ein paar Plätze frei", informiert Kutlu Yurtseven.

Anmeldung per Mail an kutlu.yurtseven@sek.hilden.de.

(cis)