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Haan: Kröten und Frösche sind jetzt im Eimer

Haan : Kröten und Frösche sind jetzt im Eimer

Naturschützer in Haan helfen zurzeit jeder Menge Tiere über die Straße. Autofahrer müssen sich auf rutschige Straßen einstellen.

Beate Wolfermann und Ute Zentgraf hatten gestern Vormittag alle Hände voll zu tun. Eimerweise konnten sie Kröten und Frösche in der Nähe des Reiterhofes Gut Hermgesberg in Gruiten über die Straße tragen. "Seit Dienstag, als es milder wurde, sind die Tiere wieder unterwegs", berichtet Wolfermann von der Haaner Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt (AGNU).

 Naturschützer haben am Hermgesberg einen Krötenzaun errichtet. Beate Wolfermann (r.) hilft nun dabei, die Eimer täglich zu kontrollieren.
Naturschützer haben am Hermgesberg einen Krötenzaun errichtet. Beate Wolfermann (r.) hilft nun dabei, die Eimer täglich zu kontrollieren. Foto: AGNU/Archiv ola

Der Landesbetrieb Straßenbau warnt Autofahrer deshalb vor erhöhter Rutschgefahr durch überfahrene Tiere. Die Straßenmeistereien errichten Warnschilder mit dem Zusatzzeichen "Krötenwanderung" und stellen Krötenzäune und Sammelbehälter auf, berichtet der Landesbetrieb. Die fest installierten Amphibientunnel unter den Straßen würden gereinigt, einige Straßen zeitweise in den Abend- und Nachtstunden gesperrt.

Der AGNU hat am Hermgesberg einen rund 200 Meter langen Krötenschutzzaun errichtet, der Kreis Mettmann nicht weit davon entfernt, am Hahnenfurther Weg, einen etwa 400 Meter langen Zaun. Die Gittergeflechte schützen die Tiere davor, über die Straße zu wandern und dort überfahren zu werden. Statt dessen werden sie in Eimer geleitet und dann von Naturschützern über die Straße getragen. Bis gestern wurden am Hahnenfurther Weg 129 Kröten (50 Weibchen, 79 Männchen), 1 Grasfrosch sowei am Hermgesberg 268 Kröten (73 Weibchen, 195 Männchen), 3 Molche und 1 Grasfrosch gerettet.

Ute Zentgraf aus Solingen hat gestern zum ersten Mal dabei geholfen. "Ich hatte gehört, dass Helfer gesucht werden", erzählt die 43-Jährige. Also habe sie sich spontan entschieden mitzumachen. "Es ist ein schönes Erlebnis und ein reizender Umgang mit den Tieren", sagt sie. Kröten und Frösche anzufassen, mache ihr nichts aus.

Beate Wolfermann kümmert sich seit über 20 Jahren um Amphibien. "Kröten und Frösche wollen immer zurück zu dem Teich, in dem sie geboren wurden, um zu laichen", berichtet die 67-Jährige. "Weil sie in die entsprechende Richtung ziehen, wandern sie sogar auf dem Reiterhof durch die Ställe." Allerdings seien sie auch an ihrem Heimatteich nicht unbedingt sicher, meint sie mit Hinweis auf den Grauweiher.

Wolfermann wünscht sich, dass Autofahrer zwischen Gruiten und Schöller höchstens Tempo 20 fahren, um Tiere, aber auch Naturschützer nicht zu gefährden. "Frösche und Kröten wandern abends oder am frühen Morgen, nicht aber bei Tage", erklärt sie.

Es komme auch schon mal vor, dass ein Tier fälschlicherweise übergesetzt werde. Denn am Hermgesberg gebe es drei Tümpel, von denen zwei allerdings nicht so gut für die Amphibien geeignet seien. "Trotzdem wollen einige, da auch wieder hin." Diese wandertennach dem Transport über die Straße schnurstracks zurück. "Zum Glück passiert das nur selten."

(RP/rl)