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Hilden: Kritik an Polizei-Einsatz

Hilden : Kritik an Polizei-Einsatz

Die Beamten kontrollieren zurzeit verstärkt Radfahrer und Fußgänger in Hilden. Sollten sie sich nicht besser um Einbrecher und Autoknacker kümmern, fragen Bürger. Polizei-Gewerkschafter kritisiert die Organisationsstruktur.

Mit dem Projekt "Korrekt" will die Kreispolizei Fußgänger und Radfahrer in Hilden zur Einhaltung der Verkehrsregeln anhalten. Am Mittwoch waren 40 Beamte in Uniform und in Zivil im Einsatz. Bilanz: Sie stellten 180 Verstöße fest, davon wurden 39 von Radfahrern begangen.

Sollte sich die Polizei nicht um andere, wichtigere Probleme kümmern, fragen RP-Leser und erinnern an beinahe tägliche Meldungen über Wohnungseinbrüche und Auto-Aufbrüche. Die Aufklärungsquote liegt dafür in Hilden nur bei 5,8 beziehungsweise 8,3 Prozent.

Udo Kutsche, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) im Kreis Mettmann (sie vertritt nach eigenen Angaben rund 78 Prozent der Polizisten im Kreis), kann das nachvollziehen. Schwerpunkteinsätze wie der "Blitz-Marathon" würden der Kreispolizei vom Landesinnenministerium vorgegeben. Bei der Umorganisation der Kreispolizei sei Landrat Thomas Hendele von seinen Polizeiführern schlecht beraten worden, meint Kutsche. Die Beamten müssten dies nun ausbaden. Beispiel: Die fünf Kriminalkommissariate im Kreis wurden im vergangenen Jahr zu dreien zusammengelegt. Das Kriminalkommissariat 23 mit Sitz in Langenfeld sei für Hilden, Langenfeld, Monheim und Teile von Haan zuständig. Kutsche hat früher bei der Kripo in Haan gearbeitet: "Ich kannte dort jeden meiner Pappenheimer." Das sei bei den Kollegen heute nicht mehr unbedingt der Fall.

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Die Zahl der Beamten in den zivilen Einsatztrupps sei von 30 (vor 2007) auf heute 21 reduziert worden. Die Sollstärke der Kreispolizei existiere häufig nur auf dem Papier. Von den knapp 700 Beamten (hinzu kämen etwa 70 Tarifbeschäftigte für die innere Verwaltung) seien bis zu zehn Prozent wegen Mutterschutz oder Krankheit faktisch nicht im Dienst. Kutsche wünscht sich die alte Struktur vor der Reform zurück: "Ein Polizeichef in jeder kreisangehörigen Stadt, der für Wachdienst, Kripo und Verkehr zuständig ist."

Jede Polizeibehörde müsse selbst entscheiden, wie viele Kräfte sie wie und wo einsetze, stellte dazu Jörg Rademacher, Pressesprecher des Innenministeriums NRW, klar. Die Zahl der Toten und Schwerverletzten auf den Straßen im Land sei 2011 um 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Deshalb arbeite die Polizei landesweit daran, das Geschwindigkeitsniveau zu senken und die schwachen Verkehrsteilnehmer (darunter auch Fußgänger und Radfahrer) zu schützen. 40 Beamte seien nur am Mittwoch in Hilden im Einsatz gewesen, nahm Thomas Decken, Direktor Verkehr der Kreispolizei, Stellung: "Das war eine einmalige Aktion." Das Projekt "Korrekt" werde von Polizisten des Verkehrsdienstes im Rahmen ihres üblichen Dienstes weiter betreut. Einbrüche und Kfz-Aufbrüche bekämpfe die Polizei "verdeckt mit Zivilkräften": "Der Bürger sieht nicht alles, was wir machen." Die anderen Aufgaben dürften nicht durch Projekt leiden: "Das tut sie auch nicht."

"Die körperliche Unversehrtheit der Bürger ist das Wichtigste", sagte Landrat Thomas Hendele. Deshalb kümmere sich die Polizei in diesem Jahr schwerpunktmäßig um Radfahrer und Fußgänger. Die vier Menschen, die 2011 bei Verkehrsunfällen im Kreis getötet wurden, hätten dies durch ihr Fehlverhalten verursacht. Der Schreibtisch der für Hilden zuständigen Kripo stehe zwar jetzt in Langenfeld, ermittelt werde aber auch vor Ort. Die neu organisierten zivilen Einsatztrupps würden bald ihre Wirksamkeit entfalten, war sich der Landrat sicher: "Wir gehen gegen Einbrecher vor, machen das aber nicht offen."

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(RP)