Haan: Kreisleitstelle ausgebremst

Haan: Kreisleitstelle ausgebremst

Eigentlich wollte die Kreisverwaltung darüber beraten, wie alle Notrufe aus den zehn Kreiskommunen künftig über eine Zentrale abgewickelt werden können. Nun stellen sich vier Städte quer. Sie wollen eigenständig bleiben.

Es hätte alles so einfach sein können. Der Gutachter war bestellt, er sollte im Ausschuss für Ordnungsangelegenheiten und Verbraucherschutz die Kreistagsmitglieder darüber informieren, wie ein Ausbau der Kreisleitstelle aussehen könnte.

Doch Verwaltung und Politik hatten ihre Rechnung ohne die vier Kommunen und ihre Wehren gemacht, die bisher nicht über die Kreisleitstelle geschaltet sind. Die Städte Haan, Velbert, Langenfeld und Monheim wollen ihre Eigenständigkeit behalten und nicht über eine Zentrale in Mettmann geschaltet werden. Sie legten der Verwaltung nun einen Gegenentwurf vor, in dem sie auf stärkere Vernetzung setzen.

"Klarer Überblick"

Wer momentan in Erkrath unter 112 einen Notruf absetzt, landet zunächst bei der Kreisleitstelle in Mettmann. Die koordiniert alle Einsätze dieser Stadt mit denen aus Heiligenhaus, Hilden, Ratingen, Wülfrath und Mettmann. "So gibt es einen klaren Überblick, welche Einsatzwagen und Einsatzkräfte aktuell wo unterwegs sind", sagt Rechts- und Ordnungsdezernent Nils Hanheide.

Diese Zentralisierung hat eine Rechtsgrundlage: Nach dem Rettungsgesetz (RettG NRW) sowie dem Gesetz über den Feuerschutz und die Hilfeleistung (FSHG) ist der Kreis Mettmann verpflichtet, eine einheitliche Leitstelle zu errichten und zu unterhalten. Im Bereich des Rettungswesen ist diese Leitstelle sogar zwingend das zentrale Steuerungsorgan.

  • Monheim : Kreisleitstelle: Monheim moniert Kosten

Anders ist es mit dem Feuerschutzgesetz. Der Kreis kann keine Kommune zwingen, sich auf die Leitstelle aufschalten zu lassen. Die Städte Haan, Langenfeld, Monheim und Velbert machen von dieser freien Entscheidung momentan Gebrauch. Und die zuständigen Feuerwehrchefs wollen an dieser Eigenständigkeit festhalten. Doch auch das Konzept zur "vernetzten Kreisleitstelle", das sie als Alternativangebot eingereicht haben, würde den Kreis viel Geld kosten. "Wir müssten eine ganz neue Technik installieren, die die Zentralen verlässlich miteinander verbindet", sagt Hanheide. Die Datennetze müssten für viel Geld ausgebaut werden.

Veraltete Anlage

Aber auch die Aufstockung der Leitstelle, in der künftig alle zehn Städte geschaltet werden könnten, kostet Geld. Seit 1996 befindet sie sich in den Räumen der Feuerwache Mettmann, die jedoch schon jetzt an ihre Kapazitätsgrenzen stößt. Weil die Einsatzzahlen in den vergangenen Jahre stetig angestiegen sind, muss personell, räumlich und technisch aufgestockt werden. Zumindest was die Technik betrifft, hat die Kreisverwaltung schon gehandelt. Momentan wird das Kommunikationssystem erneuert. Wegen Überlastung konnte in Engpässen bislang nicht jeder Notruf im ersten Durchgang abgewickelt werden. "Das alte Telefonsystem war mit seinen 16 Jahren veraltet", sagt Hanheide.

Alle weiteren Ausbauten sind vorläufig jedoch auf Eis gelegt. "Unser Gutachter hat bisher klar den Weg einer zentralen Kreisleitstelle empfohlen. Nun prüfen wir den Vorschlag der vernetzten Leitstellen und halten ihn dagegen", sagt Hanheide. Der Rechtsdezernent geht davon aus, dass eine Entscheidung frühestens in einigen Monaten fallen werde. "Der Einwand hat uns vorläufig ausgebremst."

(RP/rl)
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