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Kreisgesundheitsamt Mettmann bilanziert Corona-Sachstand

Kreisgesundheitsamt Mettmann : Amt korrigiert Zahl der Corona-Toten

Obwohl in den vergangenen Tagen kein weiterer Covid-19-Patient gestorben ist, erhöht sich die Zahl der Todesopfer auf 79. Trotzdem spricht der Leiter des Gesundheitsamts von einem verhältnismäßig ruhigen Pandemie-Verlauf. Bisher.

Seit einigen Tagen ist laut Gesundheitsamt kein Mensch in Hilden, Haan und dem restlichen Kreis Mettmann an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Dennoch korrigiert der Kreis die Zahl der Covid-19-Opfer nach oben. Grund dafür sei eine uneinheitliche Zählweise, die der Kreis nun angepasst habe, erklärt Sprecherin Daniela Hitzemann. Die Zahl steigt deshalb von 73 auf nun 79 Corona-Todesfälle.

Wie kann es dazu kommen? Das Landeszentrum Gesundheit (LZG) habe schon seit einiger Zeit andere Zahlen vermeldet als das Kreisgesundheitsamt. Das LZG nutzt dafür laut Hitzemann lediglich den Nachweis, dass ein Toter das Coronavirus in sich trug. „Das Kreisgesundheitsamt ist aber dagegen verpflichtet, jeden einzelnen Fall zu überprüfen. Dazu wird zum Beispiel durch Beiziehung von Krankenhausberichten oder offiziellen Todesbescheinigungen der konkrete Zusammenhang zwischen Infektion und Todesfall hinterfragt“, erklärt Hitzemann. Dabei zeige sich gelegentlich, dass sich Betroffene beispielsweise wegen schwerster Vorerkrankungen bereits im palliativen Spätstadium oder in Hospizbetreuung befunden haben. „In solchen Fällen muss kritisch abgewogen werden, ob die Betroffenen erkennbar vorrangig an der Corona-Infektion verstorben sind oder ob die Infektion eher als Nebendiagnose zu gewichten ist. Diese Erkenntnisse übermittelt das Kreisgesundheitsamt zwar pflichtgemäß ebenfalls an das LZG. Dort bleiben diese Angaben aber unberücksichtigt“, berichtet die Kreissprecherin. Ab sofort nutze das Gesundheitsamt daher die Zählweise des LZG.

Wie stehen Hilden und Haan in der Corona-Krise da? Falls keine „Zweite Welle“ mehr kommt, hat der Kreis Mettmann die Pandemie verhältnismäßig gut überstanden. Das erklärte Gesundheitsamtsleiter Rudolf Lange. Ein verstärktes Aufflammen der Fallzahlen habe es dann durch die Reiserückkehrer, vor allem aus Italien und dem berüchtigten Ischgl, gegeben. Die Krise zu managen sei nur dank verschiedener Maßnahmen möglich gewesen: Auf der einen Seite die Einstellung des allgemeinen Verwaltungsbetriebs, auf der anderen Seite die Unterstützung durch den medizinischen Dienst der Krankenversicherungen. Allein die Corona-Hotline habe zeitweise rund 35 Telefonplätze der Kreisverwaltung belegt und bis zu 1500 Telefonate am Tag geführt.

Welche Herausforderungen galt und gilt es zu meistern? In Spitzenzeiten habe der Kreis bis zu 200 Krankheitsfälle gleichzeitig zu betreuen gehabt. „Auf jeden Krankheitsfall kommen durchschnittlich 20 bis 30 Personen, mit denen der Infizierte Kontakt hatte“, erklärt Lange. So musste der Kreis Mettmann für tausende Menschen häusliche Quarantäne anordnen, die von den kommunalen Ordnungsämtern durchgesetzt wurden. Wegen der Behandlung von Covid-19-Patienten und der Kontaktbeschränkungen sei die allgemeine medizinische Versorgung weitgehend zusammengebrochen. „Wir haben die Krankenhäuser früh aufgefordert, den Betrieb herunterzufahren“, berichtet Lange. So habe man die Pandemie im Kreis Mettmann relativ gut in den Griff bekommen.

Dr. Rudolf Lange, Leiter des Kreis-Gesundheitsamtes. Foto: teph/Köhlen, Stephan (teph)

Warum liegen die Todeszahlen im Kreis höher als beispielsweise in Düsseldorf? Das liegt vor allem an der Altersstruktur. „Der Kreis Mettmann hat den höchsten Anteil an älteren Einwohnern in NRW“, sagt Kreissprecherin Daniela Hitzemann. „Wenn Sie Pech haben, schleppt jemand das Virus in ein Seniorenheim ein, dann entstehen sogenannte Cluster“, erklärt Lange. Aktuell besteht die Verordnung, dass örtliche Beschränkungen nur wiedereingeführt werden müssen, wenn die Zahl der Neuerkrankungen 50 Fälle pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschreitet – im Kreis Mettmann sind es momentan 5,6 (Infokasten). Bis auf weiteres sollen die zwei Probeentnahmestellen und die beiden Corona-Praxen in Hilden und Ratingen aufrechterhalten werden, auch wenn die Nachfrage gesunken sei. „Wir warten jetzt, ob die ‚Zweite Welle‘ kommt“, so Lange.