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Kreis Mettmann Polizei-Bewerberzahlen sind konstant hoch

Kreis Mettmann : Trotz Attacken bleibt die Polizei attraktiv

Kreis hat konstant hohe Bewerberzahlen. Kandidaten werden auf Intelligenz, körperliche Fitness, aber auch auf ihre neutrale Einstellung zu ihren Mitmenschen getestet.

Wer will denn heutzutage noch Polizist werden? Diese Frage stellten sich einige ratlose Kommentatoren angesichts der Stuttgarter Krawallnacht, die die Einsatzkräfte als „Kriegszustand“ empfanden, oder der fast täglichen Angriffe auf Polizisten oder Rettungskräfte und einzelnen Politikern, die die Polizei pauschal unter den Generalverdacht des Rassismus stellen. „Im Kreis Mettmann haben wir sehr konstant gute Zahlen“, erklärt Einstellungsberaterin Nicole Rehmann. 300 Bewerber nehmen zum 1. September ihr duales Studium auf. Polizisten sind nämlich heute Akademiker in Uniform. „Die Studierfähigkeit, also das Abitur oder die Fachhochschulreife, ist Voraussetzung“, sagt Rehmann. Es gebe aber auch Quereinsteiger, wie Banker oder Kfz-Mechaniker, die sich nach einer dreijährigen Berufstätigkeit bewerben können.

Was die ungebrochen hohe Attraktivität des Berufsbildes ausmacht, seien der zuverlässige Arbeitgeber, die sehr vielfältigen Arbeitsfelder und dass quasi jeder Tag neue Situationen und Herausforderungen bereithalte. Die Konfliktlagen, auf die man im Einsatz trifft, seien so unterschiedlich wie es verschiedene menschlichen Charaktere gebe. Deshalb müssten die Bewerber neben Teamfähigkeit, kommunikativem Geschick und Verantwortungsbewusstsein, Empathiefähigkeit und Stressresistenz auch eine „neutrale, offene Haltung gegenüber allen Bevölkerungsgruppen“ mitbringen: Die Geisteshaltung der Kandidaten versuche man auch im Assessmentcenter anhand von Rollenspielen abzuklären. „Wir wollen wissen, wie die ticken, ob sie sich in Konflikten tatsächlich neutral verhalten oder sich auf eine Seite schlagen“, so Rehmann. Wenn im Rahmen der Ausbildung offenbar werde, dass ein Polizei-Student nicht treu zur deutschen Verfassung steht, werde dieser ausgemustert, ergänzt Pressesprecherin Diana Dulischewski.

Zwar werden bei der Polizei nur Deutsche und EU-Bürger eingestellt, aber willkommen seien auch Nicht-EU-Bürger, die aber die Heimatsprache von großen hier lebenden ethnischen Gruppen sprechen und die kulturellen Hintergründe ihres Verhaltens erklären können. „Allerdings ist der sehr anspruchsvolle Einstellungstest da oft eine Hürde“, bedauert Rehmann.

Ein Tattoo oder Piercing ist indes kein Ausschlusskriterium mehr. „Sonst hätten wir kaum noch Kandidaten“, räumt Lehmann ein. Jedes Tattoo werde aber fotografiert und einer Kommission für Körperschmuck vorgelegt und von Experten bewertet. „Es darf natürlich nicht gewaltverherrlichend, frauenfeindlich sein oder eine rechtsradikale Haltung demonstrieren.“ Zur Not würden auch Dolmetscher hinzugezogen.

In ihren Beratungsgesprächen müsse sie nicht nur oft falsche, von Navy CIS oder Cobra 11 inspirierte Vorstellungen über den Polizeiberuf revidieren. Sie müsse auch darauf hinweisen, dass der Wach- und Wechseldienst gerade für junge Menschen sehr belastend sein kann. „Die Spät und Nachtdienste wirken sich auf Partner- und Freundschaften aus, letzten Endes hat man die meisten Freunde unter den Kollegen“, betont Rehmann. Wenn man aber die circa drei Jahre im Streifendienst oder in der Einsatzhundertschaft nach dem Studium beendet hat, könne man sich – je nach persönlicher Neigung – in verschiedene Behörden, Dienststellen oder Spezialeinheiten (SEK, Reiterstaffel) versetzen lassen. „Dann kann man seine Laufbahn so lenken, dass sie zum familiären Umfeld passt und auch den Stundenanteil selbst bestimmen“, fügt Diana Dulischewski hinzu. Um ihre körperliche Unversehrtheit machten sich die Bewerber meist weniger Sorgen als ihre Eltern, so Lehmann. „Wir bilden unsere Leute ja für bedrohliche Einsätze aus, man geht da nie allein hinein.“ Allerdings könne man nicht verhehlen, dass man es in den Einsätzen vermehrt mit bewaffneten Menschen zu tun hat, meist sei ein Messer im Spiel, so Dulischewski. „Selbst Schüler bringen Messer mit in die Schule.“

Auf jeden Fall warnt Lehmann davor, den dreitägigen Einstellungstest auf die leichte Schulter zu nehmen. „Unvorbereitet würde ich nicht in den PC-Test gehen,“ sagt sie. „Ein hoher Teil wird aber auch durch den Polizeiarzt aussortiert“, sagt sie. Der am dritten Tag die Kandidaten untersucht und dabei nicht selten mangelhafte Seh- oder Hörfähigkeiten aufdeckt. „Als Polizist muss man kerngesund sein.“