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Kreis Mettmann: Arbeitsmarkt-Nachfrage gleicht Flaute aus.

Arbeitsmarkt-Bilanz : Nachfrage gleicht Flaute aus

Der Chef der Arbeitsagentur Mettmann, Karl Tymister, rechnet für 2020 mit einer Konjunkturdelle.

Nach Einschätzung von Karl Tymister, Chef der Arbeitsagentur, ist für das kommende Jahr mit einer Konjunkturdelle zu rechnen. Allerdings zeigt er sich zuversichtlich, dass es nicht zu einer dauerhaften konjunkturellen Eintrübung kommt. „Die Erwartung ist berechtigt, dass es nächstes Jahr schnell wieder zu einer Stabilisierung kommt“, sagte er am Dienstagmorgen, als er gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Jobcenters, Franz Heuel, eine Bilanz für das ablaufende Jahr zog und die Prognosen für 2020 erläuterte.

Der Grund für seine optimistische Sicht ist, dass aufgrund des demographischen Wandels und des Fachkräftemangels auf dem Arbeitsmarkt auch im kommenden Jahr trotz Konjunkturdelle mit einer weiterhin hohen Nachfrage nach Arbeitskräften zu rechnen ist.

Wie lief das Jahr 2019 auf dem Arbeitsmarkt? Mit 193.000 im Kreis Mettmann hat die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ein neues Allzeithoch erreicht. Zugleich hat die Arbeitslosenquote mit 5,6 Prozent einen neuen Tiefstand seit Gründung der Agentur für Arbeit Mettmann im Jahr 2013 erreicht.

Wie sieht die Lage in den Städten aus? Allerdings hat sich die Beschäftigung in den einzelnen Städten sehr unterschiedlich entwickelt. Spitzenreiter der positiven Entwicklung ist Erkrath. Hier stieg die Beschäftigtenzahl von 2018 auf 2019 um 9,1 Prozent auf 12.864. Auch Wülfrath hat eine glänzende Wachstumsrate um 7,8 Prozent auf 6396 zu verzeichnen. Die Entwicklung in Erkrath führt Tymister auf statistische Effekte zurück; nennenswerte Ereignisse wie die Neugründung oder den Zuzug eines Unternehmens oder dessen Erweiterung habe es nicht gegeben. Wohl aber lässt sich der schlechte Wert von Heiligenhaus in Höhe von minus 4,5 Prozent erklären: Die dort ansässige Firma August Küpper hat ihre Produktion eingestellt, rund 200 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. Gute Quoten weisen mit 5 Prozent auch Monheim, mit 3,4 Prozent Hilden und mit 3,3 Prozent Ratingen auf. Mettmann liegt mit 2,7 Prozent genau im Kreis-Durchschnitt, während in Langenfeld (plus 1,1 Prozent) und Haan (0,9 Prozent) das Wachstum nur noch marginal zu nennen ist.

Und jetzt eine Konjunkturdelle? Was bedeutet das? Das bedeutet, dass sich das Wirtschaftsklima eintrübt. Tymister rechnet jedoch nicht damit, dass sich das – ähnlich wie beispielsweise bei der Wirtschaftskrise 2008 – drastisch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar macht. „Wir sind weit davon entfernt, daraus irgendwelche Katastrophen-Botschaften abzuleiten“, sagt Tymister.

Aber die Kurzarbeit steigt. Müssen wir dann nicht Angst vor erhöhter Arbeitslosigkeit haben? Nein, beruhigt Tymister, denn der Arbeitsmarkt habe sich gedreht: Nicht mehr ein hohes Angebot bestimmt das Geschehen, sondern eine große Nachfrage. Ausgelöst wird sie durch den demographischen Wandel. In den kommenden 20 Jahren wird laut Arbeitsagentur mit 50,7 Prozent mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer im Kreis Mettmann das 65. Lebensjahr vollenden und damit reif fürs Rentenalter sein. In den nächsten zehn Jahren sind es immerhin noch 21,3 Prozent. Das betrifft vor allem Fachkräfte und Spezialisten – sie gilt es zu ersetzen. Daher bleibt die Nachfrage nach Arbeitskräften auf hohem Niveau.

Karl Tymister (l.), Chef der Arbeitsagentur Mettmann, und Franz Heuel, Geschäftsführer des Jobcenters. Foto: Alexandra Rüttgen

Es gibt also auch positive Signale? Ja. Für das kommende Jahr erwartet die Arbeitsagentur zwar einen weiteren Anstieg an Kurzarbeit – und bereits jetzt gibt es über einen Überstundenabbau in einigen Unternehmen der Region frühe Betriebsferien, um eine Auftragsflaute abzufangen. „Aber wenn die Zahl der Arbeitslosen stabil bleibt, ist das okay.“ Und genau damit rechnet der Arbeitsmarktexperte. Auch der breite Branchenmix und die Großzahl der mittelständischen Unternehmen stärke die Wirtschaft in der Region. Zudem sei der Kreis Mettmann ein Einpendlerkreis, es kommen also mehr Menschen von außerhalb in die Region, um hier zu arbeiten, als Menschen aus dem Kreis wegfahren, um woanders eine Beschäftigung zu finden – „und das ist ein sehr, sehr starkes Zeichen“, sagt Tymister.