Klettern mit und ohne Handicap in der Bergstation Hilden

Hilden : Klettern mit und ohne Handicap

Der neue Verein Andersklettern stellt sich am Samstag, 22. September, ab 14 Uhr in der Bergstation Hilden, Bahnhofsallee 35 vor.

Ein Mann, der an den Rollstuhl gebunden ist, doch sich frei an einer Kletterwand bewegen kann- für Uwe Tomaschko ist das heute Normalität. Er selbst ist bereits seit seiner Jugend begeisterter Kletterer. Dass er im Rollstuhl sitzt, ist für ihn keine Hürde. „Einige Jahre nach meinem Unfall wollte meine Tochter unbedingt mit mir klettern gehen. In einem Verein in Köln konnte ich mein Hobby trotz des Handicaps wieder aufnehmen“, erzählt er. Bis heute besteht ein enger Kontakt zu der Gruppe in Köln. „Wir arbeiten zusammen und tauschen uns stetig aus“, berichtet Tomaschko.

Die Bergstation am Bahnhof Hilden ist ein beeindruckendes Kletterparadies. Foto: Christoph Schmidt

Mit neun anderen begeisterten Kletterern hat er nun den Verein „Andersklettern“ in Hilden gegründet – für Kletterer mit und ohne Handicap. Sein Ziel:  gegen Vorurteile arbeiten und das eigene Wertgefühl der Sportler steigern. „Bei uns steht niemand unter Leistungsdruck, der Mensch gibt soviel wie er kann“, erklärt Tomaschko. Er betont, dass Erfolg subjektiv empfunden wird, und der Verein nur Anreize und Unterstützung vermitteln kann. Ob dann ein oder fünf Meter der Wand erklommen werden ist egal: stolz auf sich sein können alle. Dieses Gefühl soll gehandicapten, sowie nicht gehandicapten Menschen vermittelt werden. Getreu dem Motto „ Jeder hilft jedem“, unterstützen sie sich hier gegenseitig und bilden gemeinsame Klettergruppen. Bevorzugt wird hier niemand.

Uwe Tomaschko (r.) hat mit anderen den Verein Andersklettern in Hilden gegründet. Foto: Uwe Tomaschko

Dass sie mit diesem Konzept offene Türen einrennen, hätte Tomaschko nicht erwartet. „Dass ein so großes Interesse an der Inklusionsgruppe besteht und die begeisterten uns direkt beitreten wollen, ist überwältigend. Das Interesse erreicht uns von gehandicapten und nicht- gehandicapten Personen jeden Alters“, erzählt er stolz. Trotz des großen Andrangs möchten die Gründer kein Geld mit dem Verein verdienen. „Wir sind bewusst ein e.V.“, erklärt er. „Unsere offenen Klettertage jeden 2. und 4. Samstag im Monat sind kostenfrei. Nur unsere Kursangebote werden nicht kostenfrei sein.“ ergänzt Tomaschko. Spendengelder und Zuwendungen, von denen der Verein ausschließlich lebt, kommen dem Verein direkt als Investitionen zu gute. „Mit ihnen möchten wir in die Aus- und Fortbildung unserer Trainer investieren, oder Menschen aus sozial schwachen Schichten ermöglichen, an unserem Kursangebot teil zunehmen. Wenn am Ende des Jahres Geld übrig bleibt, wird in Ausflüge mit der Jugend investiert“, führt er aus. Der neue Verein stellt sich am Samstag, 22. September,  ab 14 Uhr in der Kletterhalle Bergstation (Bahnhofsallee 35) in Hilden vor. „Das Programm ist bunt gemischt, die Kletterwand kann getestet, oder bei der Liveband mit gefeiert werden“, sagt Uwe Tomaschko. Dort können auch  Mitgliedsanträge ausgefüllt werden. Tomaschko berichtet von mehr als 50 Interessenten, Tendenz steigend. Willkommen ist jeder, egal ob mit geistigem, körperlichen oder gar keinem Handicap,  „Andersklettern e.V.“ macht keine Unterschiede. „Das ist gelebte Inklusion“, sagt Klaus Dupke, Vorsitzender des Behindertenbeirats der Stadt. Deshalb unterstütze der Behindertenbeirat den neuen Verein – auch weil so ein Angebot in Hilden noch nicht gibt.Andersklettern ist Mitglied im Stadtsportverband Hilden,  gehört damit auch zum Kreissportbund Mettmann und dem Landessportbund NRW an. „Unser Fachverband ist der Landesverband für Modernen Fünfkampf“, erläutert Tomaschko: „Damit sind wir und alle aktiven und passiven Mitglieder versichert. Sicher ist sicher.“

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