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Hilden: Kleine Modefotografen im Museum

Hilden : Kleine Modefotografen im Museum

Die historische Kornbrennerei des Wilhelm-Fabry-Museums war die Location für einen besonderen Workshop.

Juna ist elf Jahre alt und möchte als Erwachsene in den Kunstbereich einsteigen - am liebsten als Fotografin. Mit der Spiegelreflexkamera ihrer Mutter kann sie gut umgehen: "Ich fotografiere seit zwei Jahren mit ihr", sagt die Schülerin aus Hilden, "und mir gefällt die Möglichkeit, vielfältige Einstellungen vorzunehmen". Juna schießt am liebsten Fotos von abstrakten Formen. Hauptsache, man kann die Gegenstände nicht auf Anrieb identifizieren. Und ist der Hintergrund verschwommen und nur ein Detail im Vordergrund scharf gestellt, dringt ihr kreatives Wesen nach außen.

"Kinder haben meistens keine Angst, große teure Kameras in die Hände zu nehmen", erklärt Michael Ebert. Gemeinsam mit seiner Frau Sandra Abend hält er Workshops in Fotodidaktik ab. Besonders gerne für Kinder, besonders gerne an interessanten Schauplätzen. Im Rahmen des Landesprogramms "Kulturrucksack" hat sich das Künstlerpaar eine besondere Fotosession ausgedacht: Modefotografie in der alten Brennerei des Wilhelm-Fabry-Museums. Zu dem Fotoworkshop sind neben Juna auch Lotta und Madeleine (beide 11) und die zehnjährige Hilma hergekommen. Die vier Mädels haben Kameras mitgebracht und aus ihren Kleiderschränken die besten Stücke rausgesucht. Doch bevor es losgeht, bauen Sandra Abend und Michael Ebert einen Beamer auf und zeigen eine Präsentation. In ihr wird deutlich gemacht, wir uralt das Phänomen der Mode eigentlich ist. Michael Ebert zeigt historische Fotos und Gemälde. Sie heben hervor, wie Kleidung für politische Zwecke eingesetzt wurde, wie der freie Markt Mode für sich entdecke und wie aus Kleidung allmählich mehr wurde, als Stücke aus Stoff: Markenkleidung mit identitätsstiftendem Wert, immer ein Spagat zwischen Selbstverwirklichung und Kommerzdruck. Eberts Fazit nach der Bilderstrecke: "Modefotografie gibt es, seit die Fotografie an sich existiert. Sie sind kaum voneinander zu trennen". Jetzt geht es hinüber in die historische Brennerei. Die Session ist so vorgesehen, dass die Mädchen sich gegenseitig fotografieren und sich in der abwechslungsreichen und verwinkelten Brennerei gekonnt in Szene setzen. Einzeln stellen sie sich zwischen zwei der grünen Holzfässer oder sitzen lässig auf der engen Treppe, die ins Dachgeschoss führt. Ein sehr gelungenes Motiv zeigt Lotta, wie sie im Erdgeschoss in der Verwaltungsecke mit den Karteien und Papieren steht und für die Kamera über die Schulter blickt. "Wie eine Wissenschaftlerin", lacht Sandra Abend. Das passt gut, denn Lotta möchte einmal Ärztin werden. Sie trägt gerne Kleidungsstücke mit Blumenmustern, die einen ländlichen Charme versprühen.

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"Diese Brennerei ist einfach eine wunderbare Location", meint Sandra Abend: "All die Maschinen, das Kesselhaus, die Backsteinwände und draußen die efeubewachsenen Fassaden machen Laune zum Fotografieren". Die Brennerei bietet auch viele Motive, an denen Juna Gefallen findet: Handkurbeln und Eisenstangen. Aber der Kontrast von Düsternis und einem weiß-pink gestreiftem Sommerkleid gibt auch sehr viel her. Madeleine hat sich in Schale geworfen und posiert für Juna vor der Kamera. Fotograf Michael Ebert steht in der Nähe, gibt Tipps und erklärt die eine oder andere Finesse der Spiegelreflexkamera. Sandra Abend hat mit ihrem Mann schon einmal einen Fotoworkshop mit Kindern in der Brennerei veranstaltet, mit Kinderarbeit zum Thema: "Die Kinderarbeit wurde Anfang des 20. Jahrhunderts mitunter darum beendet, weil der Fotograf Lewis Hine dagegen kämpfte, indem er Kinder an ihren unmenschlichen Arbeitsstätten fotografiert hatte."

(aca)