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Haan: Kitas fehlen: Eltern machen Druck

Haan : Kitas fehlen: Eltern machen Druck

Dass sie für ihre Kinder keine Betreuung finden, bringt viele Eltern auf die Barrikaden. Gestern wendeten sie sich im Jugendhilfeausschuss direkt an die Bürgervertreter. Die fassten daraufhin zwei Beschlüsse: einen günstigen und einen sehr teuren.

Großer Unmut schlug den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses in der Sitzung gestern entgegen. "Sie bauen schicke Wohnsiedlungen in Haan, um junge Familien zu holen, aber die Infrastruktur fehlt", kritisierte eine Mutter von der Elterninitiative für ein familienfreundliches Haan.

"Wie soll man ein Einfamilienhaus finanzieren, wenn nicht beide Eltern arbeiten können, weil man keinen Kindergartenplatz bekommt? Ohne das geht der Plan nicht auf." Man habe den Eindruck, dass Eltern mit Kleinprojekten beruhigt werden sollten, ergänzte Simona Grothkast, ebenfalls von der Initiative. "Es muss ein neuer Kindergarten her." Alles andere reiche nicht. Und es könne nicht sein, dass noch nicht einmal alle Geschwisterkinder einen Platz bekommen.

Rund 40 Gäste in Sitzung

Fast 40 Zuschauer waren in den Sitzungssaal im Haaner Rathaus gekommen. Familien mit ihren Kindern, aber auch Tagesmütter. Dort ging es um die Kindergartensituation in der Gartenstadt und die Kindergartenbedarsplanung. Die Verwaltung hatte errechnet, dass es bei den unter Dreijährigen (U3) 150 Plätze zu wenig gibt, die sie aber zum Teil mit Hilfe von Tagesmüttern und -vätern ausgleichen will.

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"Wir hängen zwischen den Seilen", beschwerte sich Beate Büse, die mit einer Kollegin die Großtagespflege "Plapperfrösche" in Gruiten betreibt. Sieben Kinder werden dort zurzeit betreut. "Wir sind kein Kindergarten, auch wenn manche Eltern von uns diesen Standard erwarten." Die Pluspunkte der Tagespflege seien eine häusliche Atmosphäre. "Man kann nicht zufriedenstellend arbeiten, wenn man das Gefühl hat, die Eltern kommen nur, weil sie nichts Besseres gefunden haben", ärgert sich die 49-jährige Tagesmutter.

Das Problem, erklärte Beigeordnete Dagmar Formella: Die Stadt hat kein Geld. Und die Landeszuschüsse seien so bürokratisch, dass man sie nicht kombinieren dürfe. "Wir sind in einem Nothaushalt", sagte Formella. "Die Finanzaufsicht genehmigt uns keine Maßnahmen, die mit einer Neuverschuldung finanziert werden müssten." Und aus den eigenen Mitteln könne Haan einen Kindergarten-Neubau erst bis 2015 stemmen.

Die Politiker verwehrten sich gegen die Vorwürfe der Eltern, zu wenig getan zu haben. "Haan steht viel besser da als andere Städte", sagte Thomas Kirchhoff (FDP). Die Probleme seien vor allem durch das neue Kindergartengesetz (Kibiz) und zusätzliche Vorschriften gekommen. "Die Träger haben ausgereizt, was mit den bestehenden Mitteln möglich war."

Um die Lage etwas zu entspannen, stimmte der Ausschuss dafür, für 15 250 Euro eine Wander- und Erlebnisgruppe bei der Arbeiterwohlfahrt in einem Bauwagen einzurichten, die neun neue Plätze für über Dreijähige (Ü3) sowie drei für unter Dreijährige bringe, und eine Waldkindergartengruppe in Gruiten in einer privaten Scheune, die vier zusätzliche U3-Plätze bringt, aber einen weniger für Ü3. Hier liegen die Umbaukosten bei 100 000 Euro plus jährlich 35 250 Euro und eine Kürzung des ursprünglich geplanten Spielplatzstandards im Hasenhaus um 32 150 Euro.

(RP/rl)