Hilden: Kirche ist jetzt Firmenzentrale

Hilden: Kirche ist jetzt Firmenzentrale

Am 6. Januar 2008 gab die Evangelische Gemeinde die Jesus-Christus-Kirche auf. Dort ist die IBS Immobiliengruppe AG eingezogen. Sie hat sich auf die Umnutzung von Kirchengebäuden spezialisiert.

Die Architektur des Gebäudes an der Ecke Rembrandtweg/Clarenbachweg fällt auf, erinnert aber auf den ersten Blick nicht an eine Kirche. Nur die Kirchenfenster über dem Eingang verraten die frühere Nutzung. Die IBS Immobilien AG hat den entwidmeten Sakralbau vor eineinhalb Jahren gekauft und zu ihrer Firmenzentrale gemacht.

Multifunktionsgebäude

Als Erstes hat Geschäftsführer Mario Temmink die hohen dunklen, zeltartigen Decken weiß streichen lassen. Im Kirchensaal ist ein 500 Quadratmeter großer Veranstaltungsraum für Kunden entstanden, die Orgelempore wurde in einen Besprechungsraum verwandelt. Temmink hat im Erdgeschoss ein großes, repräsentatives Büro bezogen.

Im Untergeschoss sind sechs neu eingestellte Mitarbeiter dabei, ihre Büros einzurichten. Heizung und Fenster müssen noch für rund 300 000 Euro erneuert werden, erzählt Temmink. Die 1975 gebaute Jesus-Christus-Kirche sei als modernes Multifunktionsgebäude mit Schiebewänden konzipiert worden, erläutert der Geschäftsführer.

Das habe die Umnutzung erleichtert. Für den Kauf hätten die außergewöhnliche Architektur, die verkehrsgünstige Lage und die zur Verfügung stehenden Flächen gesprochen. Das Pfarrhaus nebenan hat die IBS ebenfalls gekauft und an die Kirche vermietet. Das Küsterhaus wurde als Mehrfamilienhaus umgebaut.

Die IBS Immobiliengruppe umfasst sieben GmbHs. Nach dem Kauf der ehemaligen Jesus-Christus-Kirche wurde der Hauptsitz von Wuppertal nach Hilden verlegt. Die 42 Mitarbeiter verwalten rund 4000 Wohn- und Gewerbeeinheiten in ganz Nordrhein-Westfalen, seit zwei Jahren unter anderem auch rund 150 Gebäude für den evangelischen Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann.

  • Hilden : Unternehmen hofft auf Segen

Das Unternehmen hat für sich eine Marktlücke entdeckt: die Umnutzung von kirchlichen Immobilien. Wie das funktioniert, zeigt Temmink am Beispiel des evangelischen Gemeindezentrums der Friedenskirche am Molzhausweg. Das über 40 Jahre alte Gemeindezentrum sei sanierungsbedürftig und viel zu groß gewesen. Die Planer bauten dort einen dreigruppigen Kindergarten ein. Das alte Kita-Gebäude sowie die Bediensteten-Häuser wurden abgerissen.

Gemeindezentrum saniert

Das Grundstück wurde geteilt, der freie Teil an die IBS verkauft. Mit dem Erlös sanierte die Gemeinde ihr Zentrum und spart Unterhaltskosten. Die IBS errichtete neben dem Gemeindezentrum 14 Reihenhäuser für Familien.

Alle seien bereits verkauft, die ersten Familien werden im August einziehen — und die Kita nebenan nutzen. In Kürze will die IBS noch sieben Seniorenwohnungen auf dem Gelände errichten. Die Diakonie im Gemeindezentrum bietet Pflegemöglichkeiten.

"Die neuen Bewohner stärken den Standort und helfen der Gemeinde ihn zu erhalten", erläutert Temmink: "Das ist die Zukunft für Gemeindezentren." Die IBS entwickle solche integrierte Lösungen — zurzeit in Altenessen oder in Remscheid. Temmink: "Ein wachsendes Geschäftsfeld."

(RP)
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