Hilden: Kippen und Kot: Hildener ärgert der Dreck

Hilden : Kippen und Kot: Hildener ärgert der Dreck

Der Strafenkatalog für das Wegwerfen von Unrat ist elf Jahre alt. Die Geldbußen schrecken nicht ab.

Gerade im Sommer ploppt das Thema regelmäßig auf: Die Stadtsauberkeit lässt für viele Hildener zu wünschen übrig; in den Sozialen Netzwerken ist die Empörung über weggeworfene Zigaretten-Enden oder klebenden Kaugummi groß. Der Vater eines Kindes, das im Rollstuhl sitzt, ist besonders wütend über Hundehaufen: "Es ist widerlich, wenn mein Sohn mit einem Reifen in den Kot gerät", sagt er verärgert. Fakt ist, dass die städtische Verordnung, die die Geldbußen fürs Kippenschnippen und das Hundehaufen-Liegenlassen regelt, aus dem Jahr 2004 stammt. Sie sieht folgende Strafen vor - immer vorausgesetzt, dass der Übeltäter erwischt wird:

Verstoß gegen die Anleinpflicht in der Innenstadt - 10 Euro Hunde auf Spielplätzen, Schulhöfen und Bolzplätzen mitführen - 20 Euro Hundekot auf Verkehrsflächen liegen lassen - 25 Euro Hundekot auf Spielplätzen - 35 Euro Rauchen auf Spielplätzen - 35 Euro Zigarettenkippen und Verpackungen fallen lassen, liegen lassen - 15 Euro Kaugummi auf Straßen und in Anlagen ausspucken - 10 Euro Füttern wildlebender Tiere (Tauben und Enten) - 10 Euro

Einen Vorstoß, die Straßenordnung zu aktualisieren und über die Geldbußen zu verhandeln, gibt es in der Politik nicht - dafür durchaus in der Bürgerschaft. RP-Leser, die schmuddelige Ecken monieren, sprechen sich immer wieder für höhere Strafen aus: Auch Claus Munsch, Chef der "Allianz für Hilden", ist dieser Meinung: "Ich halte sogar drakonische Strafgelder, auf die beispielsweise auf Schildern entsprechend hingewiesen wird, für sinnvoll, da sie meines Erachtens auch bereits bei geringer Durchsetzungsquote einen gewissen Abschreckungseffekt erzielen würden." Diese drakonischen Strafgelder gibt es in anderen Teilen der Welt seit langem, etwa in Australien und Mexiko. " Ich habe ja einige Jahre in Asien gelebt und habe quasi als Vorzeigestadt in Sachen Sauberkeit Singapur vor Augen", sagt CDU-Fraktionsvorsitzende Marion Buschmann. " Dort ist es blitzblank aber kleine Vergehen kosten auch richtig viel Strafe. Dies wird "von uns und anderen demokratischen Staaten" verpönt als Autoritarismus, aber es funktioniert. Unser System funktioniert zumindest hinsichtlich der Sauberkeit nicht." Auch Buschmann sieht ein Problem darin, die Strafen durchzusetzen, ganz ähnlich argumentiert Bürgermeisterin Birgit Alkenings (SPD).

(RP)