Hilden: Kinder lernen Baderegeln im Trockenen

Hilden : Kinder lernen Baderegeln im Trockenen

Die DLRG hatte zum ersten Kindergartentag ins Mäusenest eingeladen, um Kinder auf das Schwimmen vorzubereiten.

"Ich kann noch gar nicht schwimmen", sagt die fünfjährige Janina aus der Regenbogengruppe der Kindertagesstätte Mäusenest. Gemeinsam mit ihren Freundinnen und Freunden sitzt sie im Kreis auf dem bunten Schwungtuch — und auch Vorschulkinder aus der Kindertagesstätte Holterhöfchen sind dabei. Dann trauen sich die anderen Kinder auch und müssen zugeben, dass sie auch "nur ein bisschen" schwimmen können — obwohl einige von ihnen Wasserratten sind.

Die Badesaison hat begonnen oder steht zumindest vor der Tür, und damit ist die Sicherheit im und am Wasser wieder ein aktuelles Thema. Um die Ertrinkungszahlen bei Mädchen und Jungen im Kindergartenalter auf Dauer zu senken, hat die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) in Kooperation mit der Marke Nivea das Projekt "Kindergartentag" entwickelt.

Die Rettungsschwimmer Thomas Schulte-Holtey und Julia Grünendahl führten den "trockenen" Kindergartentag durch und begeisterten die Vorschüler mit viel Aktion und Spaß rund um das kühle Nass, wenn auch ohne Wasser. "Ich habe selbst erst im Alter von 30 Jahren Schwimmen gelernt — also sehr spät", berichtet Schulte-Holtey. "Jetzt unterrichte ich Erwachsene, die nicht schwimmen können, aber auch Kinder. Außerdem bin ich Rettungsschwimmer am Essener Baldeney-See." Mit großen Augen hörten die 17 Kinder der beiden städtischen Kindertageseinrichtungen Mäusenest und Holterhöfchen zu.

"Wir nehmen zum ersten Mal an dem Projekt teil", sagt Mäusenest-Leiterin Ursula Blasius. "Bisher haben wir die Kinder mit der Aktion ,QuietschFidel — Schwimmen lernen in...' an das Wasser gewöhnt. Der Kindergartentag ist ein weiterer Baustein unseres Konzepts." Einige Vorschüler hätten großen Respekt vor dem flüssigen Element, doch: "Manchmal macht ein Kind dann auch sein Seepferdchen — das sind die Sternstunden für alle Mitarbeiter", sagt sie. Umso mehr begrüße sie jetzt das Projekt der DLRG, das anschauliche und möglicherweise auch lebensrettende Tipps gibt. "Den praktischen Unterricht kann der Kindergartentag nicht ersetzen. Aber er ist eine gute Vorbereitung auf die ersten Schwimmzüge", so Blasius.

Auf spielerische und altersgerechte Weise mit Tanz und Gesang zum eigens für das Projekt von Martin Rumprecht produzierten "Baderegellied" lernen die Kinder die Baderegeln kennen und erfahren, worauf sie aufpassen müssen: Vor dem Schwimmen sollte man sich abkühlen, nach dem Essen für eine Weile nicht ins Wasser gehen und bei Gewitter auf dem schnellsten Weg wieder hinaus. "Wir singen das Baderegellied und lösen ein Baderegelpuzzle", verrät Julia Grünendahl, Grundschullehrerin und Mitglied der DLRG. "Da viele Kinder ja mit ihren Eltern im Sommer ans Meer reisen, erläutern wir die Flaggen, die anzeigen, wer wann baden darf."

Mit von der Partie war auch die Robbe Nobbi (in dem Kostüm steckte Rike Schulte-Holtey) — der Star des Tages zum Kuscheln und Anfassen. In einer Bewegungsgeschichte mit der DLRG-Handpuppe Piet erleben die Kinder den Tag eines Rettungsschwimmers vom Aufstehen und Frühstücken über angeschlagene Knie, verlorene Mütter und Kinder in Not. "Wie ein echter Rettungsschwimmer schreiben die Kinder auch ein Wachbuch, in dem sie ihren Tag reflektieren und noch einmal rückwärts durchleben", erklärt Julia Grünendahl. "Natürlich wollen wir die Kinder auch für unsere Arbeit interessieren und sie animieren, frühzeitig schwimmen zu lernen." Denn selbst ein Gartenteich kann unter Umständen eine tödliche Falle sein — von jährlich etwa 400 ertrunkenen Deutschen seien drei Prozent Kleinkinder.

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(RP/rl)