1. NRW
  2. Städte
  3. Hilden

Haan: Kinder arbeiten für Kinder

Haan : Kinder arbeiten für Kinder

Einmal im Jahr ist WOW-Day (Waldorf-One-World-Day) an den Waldorfschulen. Dann haben die Schüler keinen Unterricht, müssen aber zum Arbeitsansatz antreten. Das verdiente Geld wird für Hilfsprojekte gespendet.

Die 17-jährige Luisa pflegt bereits zum dritten Mal die empfindlichen Holzmöbel einer Wuppertaler Familie: "Die sind unbehandelt. Deswegen müssen wir die aufbereiten und neu ölen", erklärt die Schülerin. Die 16-jährige Nadja ist zum ersten Mal dabei, denn "im vergangenen Jahr habe ich auf einem Reiterhof ausgeholfen". Von zehn bis 16 Uhr wird gearbeitet, für acht Euro pro Stunde. So wurde es vereinbart. Viele Auftraggeber legen noch eine freiwillige Spende obendrauf. Nadja findet den WOW-Day gut: "Der Arbeitseinsatz ist für einen guten Zweck. Deswegen mache ich das gerne", beteuert sie.

Seit drei Jahren arbeiten die Schüler der Freien Waldorfschule Haan-Gruiten am WOW-Day für eine heilpädagogische Einrichtung in Kolumbien. Ihre Einkünfte spenden die 300 Schüler der Einrichtung "Arca Mundial" in Medellin. Dieses Heim für Menschen mit Behinderungen wurde den Waldorfschülern im vergangenen Jahr vorgestellt.

Demnach existiert die Einrichtung seit 1997. Jeden Tag werden dort etwa 40 Menschen zwischen anderthalb und 28 Jahren betreut. Sie erhalten ein wenig Bildung und lernen praktische Fähigkeiten wie Weben, Backen und Tischlern. Es gibt drei Gruppen, um den Bedürfnissen der verschiedenaltrigen Betreuten besser gerecht werden zu können: Kleinkinder bis 7 Jahre, Heranwachsende bis 13 Jahren sowie ältere Jugendliche und Erwachsene. So genau wissen die Gruitener Waldorfschüler das nicht. Die 12-jährige Jule Boehm arbeitet heute mit der 11-jährigen Katrin Fischer im Gruitener Waldorf-Kindergarten. Wie viel sie dort verdienen, wisse sie nicht, weil das Geld gleich im Spendentopf landet. Ihnen ist es wichtig, sagt Jule Boehm, "dass wir kolumbianischen Kindern helfen, die geistig und körperlich behindert sind." Für Katrin Fischer sind es einfach "arme Kinder, die sonst auf der Straße sitzen würden".

Die Arbeit in ihrem ehemaligen Kindergarten macht den Mädchen Spaß. Die Leiterin der Einrichtung, Eva Fritschi, beteuert, dass die beiden wirklich eine Hilfe sind: "Die kennen hier die Abläufe und heute war wirklich viel zu tun. Wir haben mit den Kleinen erst Korn gedroschen und dann Brot gebacken." Jule gefällt es, auf die Kinder aufzupassen, ihnen beim Anziehen zu helfen oder zu spielen: "Wenn ich später Mutter bin, ist es gut, hier Erfahrungen mit kleinen Kindern zu sammeln."

Schulleiterin Katrin Driesen-Glittenberg stellt es den Schülern frei, wo sie arbeiten gehen. "Insbesondere die Jüngeren arbeiten auch schon mal bei den eigenen Eltern oder Großeltern, häufig in der Nähe ihres Wohnorts, aber bezahlen tun die alle." Der Stundensatz ist nicht vorgegeben, aber offenbar sind die Auftraggeber nicht geizig.

Knapp 19 000 Euro haben die Schüler in den letzten drei Jahren am WOW-Day erarbeitet und in voller Höhe dem kolumbianischen Heim "Arca Mundial" zur Verfügung gestellt. Sie gärtnern und helfen in Geschäften aus oder machen Arbeiten, die sonst liegenbleiben. Katrin hat im vergangenen Jahr einen ungewöhnlichen Job bei ihrer Oma gehabt: "Ich musste die Steine aus dem Aquarium schrubben." Das fand sie nicht so toll, weiß aber: "Für meine Oma war das bestimmt eine Erleichterung, aber mir macht die Arbeit mit kleinen Kindern mehr Spaß."

(RP/ac)