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Hilden: Katholiken-Wirtschaftsverband ist der Urlaub heilig

Hilden : Katholiken-Wirtschaftsverband ist der Urlaub heilig

Die Urlaubszeit muss unter allen Umständen unangetastet bleiben, meint der Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung.

Reichlich Ausfälle, Engpässe und Verspätungen – die aktuelle Personalnot der Deutschen Bahn hat im Großraum Mainz erhebliche Auswirkungen auf den Zugverkehr. Schnell werden Rufe danach laut, Teile der Belegschaft aus dem Urlaub an ihren Arbeitsplatz zu zitieren, um den Bahnverkehr rund um die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt zu regeln. Der Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV) kritisiert diese Denkweise scharf und plädiert für eine neue "Kultur der Unerreichbarkeit". Der Urlaub müsse auch in Zeiten zunehmender wirtschaftlicher Zwänge unangetastet bleiben. "Kaum jemand ist so wichtig, dass er jeden Tag rund um die Uhr erreichbar sein muss", unterstreicht der Monheimer Bernd M. Wehner, Bundesvorsitzender des KKV. Der Verband macht sich schon lange für einen arbeitsfreien Sonntag stark. Was für den siebten Tag der Woche gelte, sei auch auf die Urlaubszeit übertragbar.

"Arbeitnehmer können im Grunde nur im Urlaub Zeit für sich und ihre Familien finden", meint Wehner. "Jeder Mensch braucht zwischendurch Phasen, in denen er ausspannen und seine Seele baumeln lassen kann – völlig zweckfrei und scheinbar nutzlos." Das Motto sei relativ einfach: "Offline gehen und es auch bleiben". Es gebe schließlich noch ein Leben außerhalb der Arbeit.

Ein Grundsatz, der auch bei den Bahnen der Stadt Monheim (BSM) eingehalten wird. Allerdings kann es bei dem städtischen Tochterunternehmen dazu kommen, dass sich die Urlaubsplanung nach der jeweiligen Situation richten muss. "Wir sind Dienstleister und haben eine Beförderungspflicht, die wir ausführen müssen", sagt Betriebsleiter Michael Hamann. "Wenn sich personelle Engpässe abzeichnen, fragen wir im Kollegium, ob Urlaube nicht eventuell umgeplant oder verschoben werden können." Wer allerdings schon im Urlaub sei, werde nicht ans Lenkrad zitiert. "Eher fallen einzelne Fahrten aus", meint Hamann. Busfahrer, die nach Dienstplan regulär frei haben, werden hingegen ab und an eingespannt, um den normalen Betrieb aufrecht zu erhalten. "Darüber hinaus haben wir Reservedienste und die Möglichkeit, kurzfristig externe Kräfte einzusetzen." Der Urlaub bleibe daher unangetastet. Insgesamt arbeiten rund 60 Busfahrer für die BSM. Da in den Sommerferien nur ein eingeschränkter Fahrplan gilt, nutzen viele Fahrer die Zeit zwischen Ende Juli und Anfang September für ihren Jahresurlaub.

Im Richrather St. Martinus-Krankenhaus werden personelle Engpässe ebenfalls in aller Regel nicht mit im Urlaub befindlichen Pflegern und Ärzten gelöst. Laut Pflegedienstleiterin Maria Wittke passiert das nur, wenn "wirklich alle Stricke reißen".

In einem Krankenhaus kann Unterbesetzung schwerwiegende Folgen haben. Den letzten Notstand gab es im März, als eine große Grippewelle durch NRW rollte. "Die Stationen waren sehr voll und große Teile der Belegschaft krankgemeldet", erinnert sich die 49-Jährige. "In einer Woche mussten wir 85 Dienste neu besetzen. Wir können ja den Laden nicht einfach dichtmachen."

Ähnlich wie bei den Busfahrern wurden zunächst Kollegen zum Dienst gerufen, die regulär frei hatten. Zudem gebe es inzwischen viele Zeitarbeitsfirmen, die kurzfristig auch medizinisches Personal bereitstellen können, sagt Wittke. "Wenn das immer noch nicht ausreicht, verschieben wir Personal innerhalb unserer Abteilungen", erklärt die Pflegedienstleiterin, "aber auch uns ist der Urlaub erst einmal heilig". Sollte es in Ausnahmefällen doch mal dazu kommen, gibt es immerhin einen entsprechenden Ausgleich – finanziell oder mit zusätzlichen freien Tagen.

Die Unternehmerschaft Rhein-Wupper betont ebenfalls, dass die Urlaubszeit unangetastet bleiben sollte. "Das ist ja auch eine rechtliche Frage", sagt der Geschäftsführer Andreas Tressin. "Dass Angestellte den Urlaub abbrechen müssen, kommt nur sehr vereinzelt vor." Insgesamt seien die Prozesse in den Firmen gut koordiniert, um etwaige Vakanzen auszugleichen. Aber eines ist auch klar, wie Tressin betont: "Die Betriebe müssen flexibel sein und schnell reagieren können – vor allem in klein- und mittelständischen Unternehmen."

(RP)