Hilden: Kastanienhof ist "schwarmfinanziert"

Hilden: Kastanienhof ist "schwarmfinanziert"

Die Baufirma Tecklenburg hat in Hilden erstmals erfolgreich Crowdinvestoren genutzt.

Der "Kastanienhof" an der Ecke Am Kronengarten/Heiligenstraße wächst in die Höhe. Die Baufirma Tecklenburg zieht dort einen Neubau mit 16 Eigentumswohnungen, 21 Tiefgaragenplätzen und Ladenlokalen im Erdgeschoss hoch. Im Spätsommer 2016 soll alles fertig sein. "Elf der 16 Eigentumswohnungen sind schon verkauft", berichtet Mitarbeiterin Anke Müller.

Tecklenburg hat sich bei dem 7-Millionen-Euro-Projekt erstmals einer so genannten Schwarmfinanzierung bedient. Die Crowdinvesting-Plattform "Zinsland" hat bei Anlegern 657.800 Euro eingesammelt. 92.200 Euro stellten Kapitalpartner zur Verfügung. Sie stellen sicher, dass jedes Projekt-Funding zustande kommt und investieren zu den gleichen Bedingungen wie die Crowd.

"Wir können so einen Teil unseres Eigenkapitals refinanzieren", erläutert Geschäftsführer Philipp Tecklenburg die Vorzüge aus seiner Sicht. "Das ist eine moderne Finanzierungsform. Auch wir wollen mit der Zeit gehen. Wir haben für unser Engagement positive Resonanz bekommen." Eine Crowdfinanzierung eigene sich jedoch nicht für alle Bau-Projekt. Die Investoren bekommen Monatsberichte. "Das bedeutet auch für uns mehr Aufwand", meint Tecklenburg: "Grundsätzlich sind wir für so eine Finanzierungsform auch weiter offen." Der "Kastanienhof" in Hilden ist das erste Projekt der Plattform "Zinsland", die erst im Oktober 2014 an den Start gegangen ist. Sie firmiert unter Civium GmbH mit Sitz in Hamburg.

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Das Start-up-Unternehmen bietet Anlegern die Möglichkeit, schon ab 500 Euro in Immobilienprojekte zu investieren. Und das geht so: Die Anleger geben der Projektgesellschaft ein "endfällig verzinstes Nachrangdarlehen". Beim Kastanienhof wurden 6,5 Prozent Zinsen für 18 Monate geboten. Warum die kurze Laufzeit? In zwölf Monaten seien die Eigentumswohnungen in der Regel verkauft, erläutert Zinsland-Mitgründer Carl von Stechow: Die Zinsen stünden im "Verhältnis zum Risiko". "Theoretisch ist ein Totalausfall möglich", räumt von Stechow ein. Darauf weist Zinsland auch auf seiner Internetseite hin. Die Kreditnehmer dürfen im Krisenfall Zahlungen aussetzen, um eine Insolvenz zu vermeiden. Kommt es zur Pleite, werden zunächst alle anderen Gläubiger abgefunden. Das bedeutet "nachrangig".

Zinsland tritt als Vermittler auf. Kosten für die Anleger entstünden nicht, so von Stechow: "Wir lassen uns von den Entwicklern bezahlen." Vor Ablauf der Mindestlaufzeit kommen die Anleger nicht an ihr Geld. Die Zinseinnahmen zählen bei der Steuererklärung als Einkünfte aus Kapitalvermögen. Es fallen 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag an.

(RP)
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