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Karnevalistische Monarchie ist gesichert

Hilden : Karnevalistische Monarchie ist gesichert

Beim Prinzenempfang im rheinischen Karnevalsmuseum Hilden herrschte beste rheinländisch royale Stimmung.

In Zeiten, in denen gekrönte Häupter -  besonders die in Großbritannien - mit ernsthaften Problemen beim Nachwuchs zu kämpfen haben, geben sich Prinzen und Prinzessinnen aus dem Kreis Mettmann völlig entspannt. Einmal mehr hatte das Organisationsteam des Karneval-Museums in Hilden zum traditionellen Empfang gebeten. Zugegeben, mit dem Buckingham-Palace können sich die Räumlichkeiten des Museums nicht vergleichen und ein Gala-Dinner gab es auch nicht, dafür herrschte an der Grabenstraße beste Laune! Rund 200 Gäste amüsierten sich königlich bei Häppchen, Sekt und Selters. Die Prinzenpaare aus Langenfeld, Monheim, Unterbach, Velbert, Ratingen und Erkrath, außerdem das Dreigestirn aus Berches gaben nebst Adjudantur den amtierenden Hildener Hoheiten, Prinzessin Hildania Mareike I. und ihrem Prinz Hildanus Stefan I. die karnevalistische Ehre.

Beide empfinden ihr Ehrenamt schon jetzt als „Familientreffen“, zumal Tochter Dominique diesjährige Kinder-Prinzessin ist, Töchterchen Patricia bei den CCH-Flöhen tanzt und Oma Brigitte quasi als Queen Mum immer als Begleitung dabei ist. So trifft man sich in der Session häufig auch in der Öffentlichkeit. Da könnten sich die Royals mal ein Beispiel nehmen. Bei vielen Auftritten wirbt die Familie für das jecke Jubiläum „Sechs mal elf Jahre“ der Narrenakademie. Nicht nur mit dem generationsübergreifenden und gender-neutralen Motto: „Närrisch Sein mit Groß und Klein“, sondern auch mit ihrem Orden „Trabant am Band“, der fröhlich über mögliche Auto-Umwelt-Diskussionen hinweg blinkt.

Überhaupt tragen Tollitäten ziemlich viel Blech vor der Brust. Bei den vielen Sessions-Treffen kommen da schon ein paar Kilos zusammen. Manchmal stammen die auch von den Bierchen oder den Knabbereien, denen man bei den Empfängen ständig ausgesetzt ist. Zum Glück sind die Hofschneider erfahren: Meist wird maßgefertigt, was nicht ganz preiswert ist. Samt muss fast immer sein - in klassischen Königsfarben wie Royal-Blau oder Karmesin-Rot. Dazu jede Menge weiße Rüschen und Gold- oder Silber-Litzen.

Mit ihrer Lieblichkeit, Prinzessin Sabi aus Monheim, kann man ganz bürgerlich über Mode plaudern. Sie ist 36 Jahre jung und verrät, dass sie die Stickerei aussuchen durfte und ihr Prinz Alex (mit 26 der jüngste Prinz der Stadt) diese auch an der Pumphose, Weste und Umhang mit Stehkragen tragen muss. Die Füße stecken in roten Lackschuhen mit Schnalle: „Die machen einen schmalen Fuß“ lacht er. Weiße Strumpfhosen sind für ihn kein Thema: „Hatte ich ja schon als Kind an.“ Hauptsache: Das Kostüm ist für Auftritte tauglich, weil nichts verrutscht. Es gibt nämlich Hosenträger und Sicherheitsknöpfe unterm Wams. Die fünf 1.50 Meter langen Federn an der Kappe, die männliche Hoheiten ausmachen, werden in einem Abwasserrohr aus dem Baumarkt transportiert und erst vor Ort montiert. Die Prinzessin trägt unter ihrem Kleid, das nach unten hin auch Schlitze haben kann, einen modernen Reifrock, der „sich prima raffen lässt.“ Auch wenn es sie zu inoffiziellen Terminen in entsprechende Örtlichkeiten drängt. Dahin wird sie dann von der Hofdame begleitet, „aber nur bis vor die Klotür.“

Ein ganz privates Täschchen wird den Würdenträgern sowie direkt ans Gewand genäht. „Da ist mein Handy drin und aktuell Nasentropfen“, verrät Hildania über den Inhalt des kleinen dunkel-violetten Samt-Rechtecks mit Hildener Wappen an ihrer Taille.

Ganz anders hat sich Prinzessin Sabine I. aus Erkrath eingekleidet: Sechs verschiedenen Outfits hängen im Kleiderschrank der stellvertretenden Bürgermeisterin, die zusammen mit Prinz Udo in dieser Session die Große Erkrather Karnevalsgesellschaft und die „Letzten Hänger“ vertritt. Sie trägt trägerloses, elegantes blaues Abendkleid unterm Silber-Pailletten-Jäckchen und Strass-Diadem: „Wir kommen gerade aus einer Düsseldorfer Brauerei. Da kommt man mit Reifrock nicht weiter.“ Armbanduhr und Tasche sind offiziell nicht gestattet. Ab März werde ihr der Karneval bestimmt fehlen. „Dann beginnt offiziell die Fastenzeit, aber ich nehme jetzt schon ab.“

Monheims Prinzenpaar Prinz Alex I. (Alexander Iffland) und Prinzessin Sabi (Sabrina Stock) mit Gefolge. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Wenn man als Hofberichterstatter dann noch der zauberhaften 24jährigen Prinzessin Saskia I. „von Velbert“, ihren bildhübschen Hofdamen sowie dem schmucken männlichen Gefolge der „KG Urgemütlich“ am Büfett begegnet, wird klar, dass zumindest die Zukunft der Rheinländisch-Karnevalistischen-Monarchie Mettmann noch gesichert ist.