Hilden: Kampf den "Felgenfressern"

Hilden: Kampf den "Felgenfressern"

ADFC-Antrag stieß im Stadtentwicklungsausschuss auf Zustimmung: Stadt will per Satzung Qualitätsstandards für Radabstellplätze auch vor Supermärkten und Discountern schaffen, um Hilden noch fahrradfreundlicher zu machen.

Georg Blanchot ist mit dem Fahrrad zu unserem Termin gekommen – natürlich. Schließlich hat er vor 20 Jahren den Hildener Ortsverein des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) mitgegründet. "Radfahren hält fit", schmunzelt der Düsseldorfer Landesbeamte, der sein Auto vor anderthalb Jahren verschenkt hat. Seine 61 Jahre sieht man ihm tatsächlich nicht an, als er sein City-Bike vorbildlich – mit Stange und Vorderrad – am Abstellplatz vor dem Rathaus abschließt.

Bei diesem Radständer handelt es sich übrigens um den Typ "Orion Beta" – in diesem Fall passend zu den Rathausfensterrahmen weinrot lackiert. Mit vorbildlichem Anlehnbügel wie das von Stadtplaner Lutz Groll entwickelte "Modell Hilden": "Da kippelt nichts, selbst wenn man den Fahrradkorb mit schweren Einkäufen belädt", demonstriert Blanchot. Im Gegensatz zu den sogenannten Bügelparkern, wie man sie vor Discountern, Einzelhändlern oder Apotheken findet. "Entweder der Reifen passt erst gar nicht in den schmalen Zwischenraum, oder die Felge wird verbogen", weiß der Fachmann.

Entwurf vielleicht zum Jahresende

Deshalb hat der ADFC im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss angeregt, eine Satzung über die Qualitätsstandards von Fahrradabstellanlagen aufzustellen, was einstimmig angenommen wurde. "Zur fahrradfreundlichen Stadt, die die Benutzung des Alltagsverkehrsmittels fördern möchte, gehört auch die Bereitstellung von Ständern, an denen Fahrräder jeder Größe stabil stehen und diebstahlsicher abgeschlossen werden können", hieß es in der Vorlage. Groll hofft, noch bis Ende des Jahres einen Entwurf vorlegen zu können, damit die Satzung bald rechtswirksam wird. Denn dann müssten sich auch Discounter an die Standards halten, deren oft instabile Radständer das Beladen mit Kindersitz oder Einkäufen zu einer Bewährungsprobe machen. "Gerade bei schönem Wetter fahren viele Kunden mit dem Rad zum Supermarkt", weiß Groll.

Die Landesbauordnung gibt vor, dass beispielsweise bei einem Discounter-Neubau auch Fahrradabstellplätze geschaffen werden müssen. Die angestrebten Qualitätsstandards könne man leider nicht rückwirkend geltend machen, bedauert der Stadtplaner, wohl aber für die Zukunft regeln. Der von Groll entwickelte, stabile und platzsparende Doppelständer "Modell Hilden" sei mit 90 Euro überdies kaum teurer als der "Felgenkiller", betont Peter Stuhlträger. Der Bauamtsleiter freut sich, dass sich dieses Modell bereits am Kronengarten und Warringtonplatz findet.

Radständer vor der Fußgängerzone

90 dieser Fahrradständer sollen nach Eröffnung des Neubaus vor der Sparkasse montiert werden. 70 weitere wurden bereits an den Zufahrtsstraßen zur Fußgängerzone wie Heiligen-, Schul- und Bismarckstraße installiert, so dass über 400 Abstellplätze allein in der Innenstadt die "lauffaulen Radfahrer" (Blanchot) zum bequemen Einkauf motivieren.

(RP)
Mehr von RP ONLINE