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Haan: Kampa GmbH zieht nach Vohwinkel um

Haan : Kampa GmbH zieht nach Vohwinkel um

Die Kampa GmbH verlässt Haan und siedelt im Sommer in den Wuppertaler Mittelstandspark "VohRang". Die Stadt konnte dem Traditionsunternehmen kein geeignetes Grundstück bieten. "Haan hat kein Interesse an uns", sagt Kampa-Geschäftsführer Jürgen Krabs enttäuscht über die Arbeit der Wirtschaftsförderung.

Am 30. Juni muss die Kampa GmbH ihr heutiges Firmengelände zwischen Düsseldorfer- und Ohligser Straße geräumt haben. Vorgesehen war ein Umzug in einen Neubau wenige hundert Meter weiter. Doch daraus wird nichts, weil es Probleme gibt, das Wunschgelände — eine Koppel, die an das Gelände des ehemaligen Containerdienstes Hagemann angrenzt — zu entwässern. Es habe Gespräche und mehrere Nachfragen wegen Alternativen bei der Wirtschaftsförderung gegeben. Doch ein ernstliches Angebot habe er nicht erhalten, sagt Krabs. Ein ehemaliges Speditionsgelände an der Rheinischen Straße sei wegen der benötigten Platzverhältnisse nicht in Frage gekommen. Auf seine Nachfrage, ein Grundstück im Technologiepark zu erwerben, habe die Wirtschaftsförderung erklärt, dieses Terrain sei für Betriebe von auswärts vorgesehen.

Sogar selbst gesetzte Termine seien vom städtischen Mitarbeiter nicht eingehalten worden, erhebt der Kampa-Geschäftsführer Vorwürfe: "Wir waren mehr als hundert Jahre mit dem Standort Haan verbunden. Jetzt hat die Stadt kein Interesse mehr an uns." Die Wirtschaftsförderungen der Nachbarstädte Solingen und Wuppertal hätten dagegen alle Hebel in Bewegung gesetzt.

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Im Wuppertaler Mittelstandspark "VohRang" auf dem ehemaligen Vohwinkeler Güterbahnhofs-Areal gleich an der Stadtgrenze zu Haan hat die Kampa GmbH ein Grundstück von 5858 Quadratmeter Größe ins Auge gefasst. Am Dienstag gaben die Banken ihre Finanzierungszusagen. Jetzt kann das 3,2 Millionen-Euro-Projekt anrollen. "Unser Architekt sieht es als noch machbar an, dass wir Ende Juni tatsächlich umziehen können", erklärte Jürgen Krabs, der "mit großem Bedauern aus Haan weggeht". Sein Urteil über die Arbeit der Wirtschaftsförderung ist vernichtend: "Das ist wirtschaftsfeindlich, was hier stattfindet!"

Die Kampa GmbH hat 22 Mitarbeiter und ist spezialisiert auf den Bau von Anhängern für den Industriebereich. Die Produkte für den Werksverkehr können bis zu 150 Tonnen Last tragen. Viele renommierte deutsche Industrieunternehmen stehen bei der Kampa GmbH in der Kundendatei und setzen immer wieder auf die maßgeschneiderten Lösungen.

Das Verhalten der Haaner Stadtverwaltung kann Krabs auch aus finanziellen Gründen nicht nachvollziehen. "Immerhin zahlen wir mehr als 30 000 Euro an Gewerbesteuern im Jahr — ein Betrag, der für eine Stadt mit Haushaltssicherungskonzept doch nicht uninteressant sein dürfte." Die Steuersätze in Wuppertal — in 2012 Gewerbesteuer 460 Prozentpunkte und Grundsteuer 510 Punkte — liegen höher als in Haan (jeweils 398 Punkte).

Die Bitte um eine Stellungnahme zur Abwanderung der Kampa GmbH verwies Bürgermeister Knut vom Bovert an Wirtschaftsförderer Elmar Jünemann, der erst heute wieder im Dienst sein wird.

Friedhelm Kohl (FDP), Vorsitzender des Wirtschaftsförderungsausschusses, war betroffen von der Nachricht über den Kampa-Umzug. "Jedes Unternehmen, das Haan verlässt, ist ein Verlust." Bisher habe er den Eindruck gehabt, die Verwaltung kümmere sich um die Bedürfnisse der Firmen. Er werde dem Fall Kampa nachgehen, sagte er zu. Natürlich müsse die Stadt froh sein über Unternehmen, die von auswärts nach Haan kommen. Aber genauso gelte es Bedürfnisse von Haaner Betrieben zu beachten.

Auf dem heutigen Kampa-Gelände wird ein Aldi-Markt errichtet. "Im Frühjahr 2014 soll die Eröffnung sein", erklärt Investor Christoph Nöcker, der davon ausgeht, dass die Kampa GmbH zum vertraglich vereinbarten Zeitpunkt Ende Juni das Gelände verlässt. Die Abbruchgenehmigung für die Kampa-Bauten, die zum Teil noch aus der Zeit der Unternehmensgründung stammen, liege bereits vor, ebenso die Baugenehmigung für den Aldi-Markt.

(RP/ac/top)