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Haan: Kalte Dusche für die CDU

Haan : Kalte Dusche für die CDU

Durch "erdrutschartige Stimmverluste" verlor Harald Giebels sein Landtagsmandat. Die FDP sammelte fast 14 Prozent der Stimmen und erreichte in einem Wahlbezirk sogar 26,1 Prozent. Den Wahlsieg hielt mancher SPD-Wahlkämpfer für "noch unwirklich".

Harald Giebels (CDU) gehört nicht mehr dem Landtag an. Der Haaner musste sich mit 35,8 Prozent der Erststimmen seinem SPD-Herausforderer Manfred Krick (38,1 Prozent) geschlagen geben. Bei den Zweitstimmen blieb die CDU mit 26,4 Prozent in Haan um 10,3 Prozentpunkte hinter dem Ergebnis von 2010 zurück, während die SPD (35,2 Prozent) 6,2 Punkte zulegte. Das Ergebnis für die FDP (13,7 Prozent; 2010: 10,2 Prozent) bewies einmal mehr, dass Haan eine Hochburg der Liberalen ist.

 Die Entwicklung der Wahlergebnisse im Land, vor Ort und im Kreis wurden in der CDU-Geschäftsstelle gespannt verfolgt. Traurig stimmte die Wahlkämpfer, dass der örtliche Kandidat Harald Giebels (4.v.r.) seinem Herausforderer Manfred Krick unterlag und nicht wieder in den Landtag einziehen wird.
Die Entwicklung der Wahlergebnisse im Land, vor Ort und im Kreis wurden in der CDU-Geschäftsstelle gespannt verfolgt. Traurig stimmte die Wahlkämpfer, dass der örtliche Kandidat Harald Giebels (4.v.r.) seinem Herausforderer Manfred Krick unterlag und nicht wieder in den Landtag einziehen wird. Foto: Anja Tinter

Die erste Reaktion des CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Wolfram Lohmar, als um 18 Uhr die Prognose über den Bildschirm flimmerte, war nicht druckreif. Ein "Schlag ins Kontor" sei das Wahlergebnis, fand er nach dem ersten Schlucken. Und fragte gleich: "Bleibt der jetzt Landesvorsitzender?" Die Antwort lieferte Norbert Röttgen wenig später mit der Ankündigung seines Rücktritts. Schon bevor das erste Haaner Ergebnis bekannt wurde, schwante den wenigen in der CDU-Geschäftsstelle, dass Harald Giebels der dritte Einzug in den Landtag nicht gelingen könnte.

 Die Auszählung kann beginnen: Krzysztof Borysz und Nadine Sobisch schütten eine Wahlurne aus. Hinten wartet Linda Köllen.
Die Auszählung kann beginnen: Krzysztof Borysz und Nadine Sobisch schütten eine Wahlurne aus. Hinten wartet Linda Köllen. Foto: Tinter, Anja
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"So erdrutschartige Stimmenverluste der Landespartei bei gleichzeitigem Zugewinn für die SPD kann ein Kandidat vor Ort nicht auffangen", nahm Giebels das Ergebnis nüchtern auf. Es sei natürlich bitter, nach sieben Jahren fleißiger und auch erfolgreicher Arbeit im Landtag nicht mehr im Landesparlament arbeiten zu können. Dass der Landestrend stärker war als die Honorierung der Arbeit im Wahlkreis fand CDU-Ratsherr Udo Greeff frustrierend. In einem Haaner Wahlbezirk — 1170, Wahllokal Grundschule Steinkulle — blieb die CDU bei den Zweitstimmen mit 19,1 Prozent sogar deutlich unter der 20-Prozent-Marke.

In der SPD-Geschäftsstelle herrschte auch gedämpfte Stimmung. "Das ist alles so unwirklich", bemerkte die stellvertretende Vorsitzende Sabine Haesen. "Sehr angetan vom Ergebnis in Haan" zeigte sich Fraktionsvorsitzender Wilfried Pohler. Landtagskandidat Manfred Krick liege in den meisten Stimmbezirk vor Giebels. Die Verluste beim Zweitstimmen-Ergebnis für die CDU in Haan wertete Pohler auch als Quittung für manchen in der Ratspolitik gefassten Beschluss. GAL-Vorsitzender Jochen Sack freute sich über das gute Ergebnis für Rot-Grün. "Ich hatte schon Angst vor einer großen Koalition."

Schon nach 28 Minuten lag im Rathaus das erste Ergebnis aus einem Stimmbezirk vor: Das Team im Gruitener Wahlkreis 1010 hatte diesmal den internen Wettbewerb gewonnen. Bürgermeister Knut vom Bovert saß kurz nach 18 Uhr allein im Sitzungssaal und verfolgte die Wahlsendung im Fernsehen. "Für mich bleibt auch weiterhin das A und O — wie die Finanzkrise bewältigt wird. Denn am Ende muss doch alles der Steuerzahler aufbringen." Für Harald Giebels sei das Ausscheiden aus dem Landtag bitter, fand der Verwaltungschef.

FDP-Ortsverbandschef Michael Ruppert schaute nur kurz im Rathaussaal vorbei. Als er um 18.53 Uhr einen Anruf erhielt, wonach der örtliche FDP-Kandidat Dirk Wedel in den Landtag einziehen werde, kehrte er zur internen Wahlfeier ins Hotel Savoy zurück. "Acht Prozent im Land — davon haben wir nicht zu träumen gewagt", sagte er noch. In Haan gab es einen Rekord — 26,1 Prozent im Wahlkreis 1130 (Wahllokal Haus am Park).Die Wahlbeteiligung lag am Ende mit 67 Prozent geringfügig höher als 2010 (66,8). Allerdings gab es einzelne Bezirke, in denen gerade die Hälfte der Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben. Arnulf Schmitz, der als einfacher Bürger im Rathaussaal das Haaner Ergebnis verfolgte, hatte dafür kein Verständnis: "In anderen Ländern kämpfen Menschen zum Teil unter Lebensgefahr um ihr Wahlrecht und in unserer Demokratie gibt es so viele Nichtwähler!

(RP)