Sieben Fakten zu Diskos und Tanzlokalen Hier tanzte die Region bis zum Morgengrauen

Hilden · Heutzutage gibt es kaum noch Möglichkeiten für junge Menschen, abends in eine Disco zu gehen und zu tanzen. Das war früher einmal anders. Eine Zeitreise in sieben Fakten.

Diskos: So sahen Jwd, Tanzcasino Jansen, Getaway und Exit aus
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So sahen Jwd, Tanzcasino Jansen, Getaway und Exit aus

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Foto: Uwe Müller

Wer jetzt jung ist, findet in Hilden keinen Ort mehr, an dem er oder sie am Wochenende tanzen gehen kann. Das war früher anders. Sei es der Oldtimer, das Studio 54, das Tanzlokal Jansen oder das Jwd – hier tanze Hildens Jugend bis zum Morgengrauen, hier lernten sich Paare kennen, hier konnten sich junge Menschen ihre Hörner abstoßen. Wir blicken in die Geschichte der Disco in Hilden (und ein wenig darüber hinaus) und haben sieben Fakten dazu zusammengestellt.

1. Haus Erika/Tanzcasino Jansen/Houston-Club

Am Erikaweg im Hildener Süden bahnten sich ab 1953 Beziehungen an, die teilweise bis heute halten – und ohne die wahrscheinlich ein großer Teil der Hildener Bevölkerung nicht existieren würde. Im Oktober eröffnete Haus Erika, später wurde die Disco in Tanzcasino Jansen umbenannt. 1970 hieß das Etablissement Houston-Club, ab 1976 dann Insider. Der stand schon länger leer, als das Haus 1985 brannte. In den 60er-Jahren spielten dort regelmäßig Beat-Bands, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen schwoften noch zu Livemusik. Ein Zeitzeuge erinnert sich: Die Jahre dort von 1966-1969 seien darüber hinaus eine wilde Zeit gewesen. „Es sind schon manches Mal auf der Tanzfläche die Fäuste geflogen, wobei sich Herr Jansen jedes Mal mutig eingeschaltet hat und den Streit auf seine Art (Knüppel) geschlichtet hat – aber alles immer im vertretbaren Rahmen.“ Neben den Beat-Bands fanden aber auch immer Stars der Branche den Weg nach Hilden. Chris Andrews und Drafi Deutscher kamen vorbei, auch Howard Carpendale und Heino traten em Erikaweg auf. Den Houston-Club besuchten später unter anderem Graham Bonney, Costa Cordalis, Tina York, Percy Sledge und eine „Oben-ohne-Band, was zu dieser Zeit spektakulär war“, wie Betreiber Gerd Bliefernick erklärt.

2. Jwd/Oldtimer

„Janz weit draußen“ lag früher der Jägerhof an der Hochdahler Straße 401. Das war eine Kneipe mit Tanzveranstaltungen. Auch da ging es heiß her. 1969 wurde daraus die Disco „Oldtimer“. Erst vor Kurzem haben sich ehemalige Oldtimer-Besucher zu einem Stammtisch auf dem alten Markt in Hilden getroffen. 1983/84 pachteten die Brüder Uwe und Axel Müller das Lokal und nannten es „Jwd“. 1991 kauften sie das Gebäude mit Grundstück. 1996 übernahm eine Gesellschaft mit zunächst sechs, später fünf Partnern den Betrieb. Dazu zählten neben den Brüdern Müller auch Peter und Thomas Plötzer sowie Guido Breitenbach und am Anfang noch Bernd Manning. Wer ins Jwd ging, wollte aber nicht nur feiern und tanzen, im angeschlossenen Biergarten vergingen manche Nächte bei guten Gesprächen und dem einen oder anderen Bier wie im Fluge. Zeitweise gab es dort, wo später die Jacken abgegeben werden konnten (am Eingang rechts), die beste Pizza Hildens. Wer lange genug durchhielt, hatte manchmal dabei helfen dürfen, den letzten Rest aus dem letzten Fass des Wochenendes auszutrinken, während draußen die Sonne aufging. Am 29. Juni 2008 endete nicht nur die Fußball-EM in Österreich und in der Schweiz, an diesem Tag endete auch die Zeit des Jwds in Hilden: „Die Disco läuft nicht so schlecht, dass wir aufhören müssen, aber auch nicht so gut, dass wir unbedingt weitermachen wollen“, sagte Uwe Müller damals. Das Jwd wurde später abgerissen, heute steht das Hotel Anna auf dem Grundstück.

Fotos: So sah Hilden in den 90er-Jahren aus​
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So sah Hilden in den 90er-Jahren aus

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Foto: stadtarchiv hilden

3. Studio 54

So richtig viel ist über das Studio 54 in Hilden nicht herauszufinden. Die WDR-Sendung „Hier & heute“ hat die Diskothek in Hilden 1979 besucht, um zu erklären, warum plötzlich alle tanzen wollten wie John Travolta. Herausgekommen ist eine wundervoll bunte Reportage mit vielen Gesprächen und tollen Bildern aus dem Hildener Nachtleben. Am Ende steht sogar der junge Nachwuchsreporter Ulrich Deppendorf auf der Tanzfläche – gekleidet in ein rosafarbenes Sakko, das er aus dem Kostümfundus des WDR mitgebracht hat. Das Studio 54 müsste am Kronengarten gelegen haben.

4 Tanzmühle/Neue Liebe

Anfang der 2000er-Jahre hat am Kronengarten die Diskothek „Tanzmühle“ geöffnet. Vor allem an den Wochenenden tanzten hier viele Hildener, es wurden Partys veranstaltet und sogar die Miss Hilden gewählt. 2012 dann schloss die Tanzmühle. Ab Ende August hieß die Disco „Neue Liebe“ und wollte vor allem ein „„anspruchsvolles, aber ausgelassenes Publikum ab 30 Jahre“ ansprechen. Bereits im Oktober 2012 trat Michael Wendler dort auf. Auf der Facebookseite der Disco wurde zuletzt im Februar 2014 etwas gepostet.

Fotos aus Hilden: So sah es hier in den 60er-Jahren aus
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So sah Hilden in den 60er-Jahren aus

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Foto: Stadtarchiv Hilden

5. Musik

Eine der Discos, die es heute noch in der Region gibt, ist das Musik in Langenfeld. Für nächsten Samstag beispielsweise laden die Veranstalter zu einer Schaumparty ein, es gibt Ü30-Partys und andere Veranstaltungen an der Schneiderstraße 20 in Langenfeld. Es gibt VIP-Lounges und eine Cocktail-Bar.

6. Getaway

Stimmt, das Getaway oder auch schlicht Get, lag in Ohligs – aber auch dort traf sich halb Hilden, um mittwochs, freitags oder samstags, später auch donnerstags zu tanzen. Fast 40 Jahre lang gab es die Disco an der Kottendorfer Straße, zwischen den S-Bahnhöfen Vogelpark und Solingen-Hauptbahnhof gelegen. 2018, Ende Februar, feierten die Besucher ein letztes Mal. m Frühjahr 1980 hatte die damalige Rock-Disco unweit der Wupper erstmals ihre Pforten geöffnet – und sich schnell zu einer Institution entwickelt. Auch nachdem der Pachtvertrag am Ursprungsort nicht verlängert worden war, schrieb das „Get“ ab 1992 am neuen Standort in der ehemaligen Beckmann-Brauerei an der Kottendorfer Straße weiter Party-Geschichte. Livemusik gehörte immer zum Get dazu: H-Blockx für 12 Mark, Clawfinger vor gefühlt zehn Leuten und Auftritte von Funk-Legende Maceo Parker, Fettes Brot, Gentleman, Leningrad Cowboys oder Bosshoss – und das ist nur ein winzig kleiner Ausschnitt aus dem Konzertprogramm. Wer zwischen 16 und 18 Jahre alt war, musste seinen Ausweis an der Tür bei Bubak abgeben und bis 24 Uhr wieder raus – Ältere konnten bis tief in die Nacht weiterfeiern.

7. Exit

Ebenfalls Solingen, aber eine Weltreise weit entfernt, stand das Exit. Bis zu 600 Menschen kamen samstagsabends in die Rockdisco unterhalb der Müngstener Brücke. Früher hieß die Disko „Riverside“, es lief andere Musik. Doch als sie Wolfgang Hilbrich übernahm, wurden schnell härtere Stilrichtungen gespielt. Auch viele Hildenerinnen und Hildener fuhren nach Solingen, um dort abzurocken. In den 90er-Jahren hatte das Exit zeitweise sechs Tage pro Woche geöffnet. 2005 schloss die Rockdisco. Ende 2008 wurde das Exit abgerissen, dort steht heute das „Haus Müngsten“ – ein Restaurant und inklusiver Gastronomiebetrieb der Lebenshilfe Solingen. Aber bis heute werden Exit-Partys mit den DJs von damals gefeiert. Die nächste steht am Samstag, 28. September, 20 Uhr, an. Dann treffen sich die Exit-Fans in der Solinger Cobra an der Merscheider Straße.

1959: Der Jägerhof (später Jwd) an der Hochdahler Straße.

1959: Der Jägerhof (später Jwd) an der Hochdahler Straße.

Foto: Stadtarchiv Hilden

Hinweis: Die Auswahl der Diskotheken in der Region ist willkürlich erfolgt. Es gibt noch viele weitere Clubs, in denen Hilden und Umgebung gefeiert haben – vor allem in Düsseldorf. Manche sind aber auch bis in die Rheinrockhallen nach Köln oder sogar nach Dortmund in den Soundgarden. Wenn Sie Ihre Erinnerungen mit uns und unseren Lesern teilen möchten, schicken Sie uns am besten einen kurzen Text und – wenn möglich – auch ein Foto an die Adresse hilden@rheinische-post.de.