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Hilden/Mettmann: Junger Liberaler will schöneren Schulhof

Hilden/Mettmann : Junger Liberaler will schöneren Schulhof

Der 23-jährige Student Moritz Körner tritt bei der Bundestagswahl im Südkreis Mettmann für die FDP an.

Der Schulhof des Konrad-Adenauer-Gymnasiums bietet ein trostloses, ungepflegtes Bild: betonierte Weite, in der man sich verliert, Grünflächen, auf denen kaum ein Grashalm steht, überall zersplitterte Flaschen. Dennoch hat Moritz Körner, der 23-jährige Bundestagskandidat der FDP für den Wahlkreis 104 (Mettmann I), diesen Ort als "Lieblingsplatz" für das Interview vorgeschlagen. Denn die Verschönerung des Schulhofes war das erste kommunalpolitische Anliegen, das er verfolgte, - und ist es noch. "Wir haben immer wieder gefordert, dass der Schulhof eingezäunt werden müsste, um diesen Vandalismus einzudämmen." Dann wäre auch die dringend erforderliche Neugestaltung der Fläche, möglichst unter Mitwirkung der Schüler, zu verantworten. "Nachdem die Stadt viel Geld für die zweite Gesamtschule ausgegeben hat, sollte sie auch etwas fürs Gymnasium tun", sagt Körner.

Dem KAG verdankt er nicht weniger als seine politische "Menschwerdung". Als er sich im Geschichtsunterricht der Oberstufe immer wieder herausgefordert sah, liberale Positionen und die Äußerungen Westerwelles zu verteidigen, entschied er mit 18, dass er genauso gut direkt bei den Liberalen mitmischen könne und trat der Jugendorganisation der FDP bei. War der Geschichtslehrer sein politischer Antagonist, so ist seine SoWi-Lehrerin sein großes Vorbild gewesen. Sie habe sein Interesse für gesellschaftliche Fragen so zu fördern und zu festigen vermocht, dass er einen Studiengang wählte, der Sozial- mit Politik- und Medienwissenschaft verknüpft. Kein FDP-typisches Brot- und Butterstudium also, wie Jura oder Medizin, sondern eines, "das mir einfach Spaß macht. Das ist der beste Garant, auch Erfolg zu haben", ist Körner überzeugt. Überhaupt: selber entscheiden zu können ist eine Freiheit, die er nicht nur für sich selbst beansprucht, da sehe er sich auch mit der Ideengeschichte des Liberalismus eins: Nicht zum Wehrdienst gepresst worden zu sein, obwohl er noch gemustert wurde. Deshalb empfindet er die Aussetzung der Wehrpflicht als eine der wichtigsten Errungenschaften der schwarz-gelben Regierung.

Er leistete ein Freiwilliges Soziales Jahr ab, für den Landessportbund war er beim RTHC Leverkusen, seinem Hockeyverein. "Ich habe in Grundschulen Hausaufgabenbetreuung und Sportangebote gemacht." Als Schüler hatte er bereits Jugendmannschaften trainiert. "Herumsitzen ist nichts für mich. Ich kann nur jedem empfehlen, sich sozial zu engagieren, aber es sollte eben freiwillig sein."

Eine kleine Partei wie die FDP bietet für ihn den Vorteil, dass ihm die übliche Ochsentour, der mühsame, Durchhaltevermögen fordernde, lange Lauf durch die untersten Ebenen erspart blieb. 2008 beigetreten wurde er noch im gleichen Jahr Kreisvorsitzender der JuLis, 2010 wurde er Beisitzer im Landesvorstand, seit April diesen Jahres ist er Landesvorsitzender. Dass die Entscheidungsfindung, der Prozess, Menschen zusammenzubringen, auf sie zuzugehen, viel zureden, um sie zu überzeugen, oft mühsam ist, das empfinde er nicht als entmutigend, sondern als spannend. "Ich war immer schon extrovertiert." In der FDP machte er die positive Erfahrung, auch als noch junger Mensch intensiv und gleichberechtigt eingebunden zu werden. Und seine Jugend ist sein Kapital. Nicht nur er selbst ist davon überzeugt, auch im Wahlkampf signalisierten ihm die Bürger immer wieder, wie wichtig es sei, dass die Jugend mitmischt, für ihre Interessen eintritt. Deshalb sind seine Forderungen auf die Entscheidungen gerichtet, deren Folgen die nachfolgenden Generationen betreffen, wie etwa die Verschuldung. "Die Zinslasten im Bundeshaushalt sind schon höher als unserer Ausgaben für die Bildung", sagt der Student. Das werde er ab Oktober sicherlich hautnah erleben, wenn der Doppeljahrgang über die Uni Düsseldorf hereinbricht. Er tritt für Generationengerechtigkeit ein: Die jetzige Generation dürfe nicht auf Kosten der nachfolgenden so mit dem Geld asen. Die Eurokrise, die Energiewende, der demografische Wandel - "alles sieht schrecklich aus", so Körner. Er hoffe, dass die jetzigen sehr Investitionen in die Energiewende sich irgendwann auszahlen, so dass Strom in Zukunft billiger zu haben ist. Seine Partei trete für das Mengenmodell nach schwedischem Vorbild ein, das den Energieversorgern vorschreibe, einen festgelegten Anteil des Stroms aus erneuerbarer Energie zu erzeugen oder zu beziehen. "Woher sie ihn beziehen, ist ihnen überlassen."

Auch wen die Stimmung an den Ständen sehr gut sei, Körner rechnet sich natürlich keine großen Chancen aus, nach dem 22. September in den Bundestag einzuziehen. Statt dessen werde er seinen Bachelor machen. Er könne sich aber vorstellen, zeitlich befristet, in die Politik zu gehen. "Auf der Politik sollte man seine Lebensplanung nicht aufbauen", findet er. Dennoch würde er sich wünschen, wenn die Menschen Politikern mehr Respekt für ihre aufopferungsvolle Arbeit zollten. "Sie wollen nur das Beste."

(RP)