Hilden Juliane Rückriem zeigt „Passagen“

Hilden · Die Ausstellung wird am Donnerstag, 13. Januar, um 18.30 Uhr im Foyer der Stadthalle, Fritz-Gressard-Platz 1, von Bürgermeister Claus Pommer eröffnet. Die Einführung hält der Architekt Dr. Thomas Schriefers. Aufgrund der anhalten Corona-Pandemie wird um Anmeldung (kulturamt@hilden.de I 02103-72-1237) für die Teilnahme an der Eröffnung gebeten.

 Die Kölner Foto-Künstlerin Juliane Rückriem stellt in Hilden aus.

Die Kölner Foto-Künstlerin Juliane Rückriem stellt in Hilden aus.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

„Passagen“ ist die erste Ausstelllung im neuen Jahr, die das Kulturamt in der städtischen Galerie im Bürgerhaus Mittelstraße 40 mit Arbeiten der Kölner Künstlerin Juliane Rückriem präsentiert. Das betrachtende Publikum ist jedoch gut beraten, eben nicht zu passieren, sondern vielmehr zu verweilen, um den Zauber von Geometrie, Licht und einem Hauch Nostalgie der Passagen in Ruhe wirken zu lassen. 2007 faszinierten Juliane Rückriem noch „Unorte“ wie Parkhäuser, deren architektonische Wesenhaftigkeit sie in der Leere außerhalb der Öffnungszeiten bildnerisch zu erkunden versuchte und in der Serie „Entschleunigte Orte“ dokumentierte. Dem konzeptionellen Ansatz von „Entschleunigten Orten“ ist sie auch bei der 2012 begonnenen Serie „Passagen“ treu geblieben, die ebenfalls entschleunigt, also ohne das für sie typische Menschengewimmel aufgenommen wurden. Das Konzept von mehreren Läden unter einem Dach nach Vorbild des Bazars wurde erstmals in Europa in der Mitte des 18. Jahrhunderts realisiert. Erste Ladenpassagen entstanden in Paris und Bukarest. Der Siegeszug setzte sich dann über London, Mailand, Bordeaux, Cardiff bis hin nach Melbourne fort. Auch Hilden verfügt mit der Bismarck-Passage über eine Ladenpassage, die Juliane Rückriem exklusiv für die Ausstellung aufgenommen hat. Ohne Menschen besticht das Bild mit einer Ästhetik, bei der die kaleidoskopisch anmutende Dachkonstruktion mit der gerundeten Formen des Fußbodens eine organische Verbindung eingeht. Rückriem, deren Vater, der renommierte Bildhauer Ulrich Rückriem, Fotografie nicht als Kunst klassifiziert, geht bei der Entwicklung ihrer künstlerischen Idee einen sehr komplexen Weg. „Ich lasse zunächst den Raum auf mich wirken, und erst wenn ich mir sicher bin, das Gefühl, das ich beim Betrachten hatte, auch auf`s Bild bringen zu können, beginne ich mit der technischen Umsetzung, wobei die komplexe Technik nicht das Ideenkonstrukt dominieren darf.“ Rückriem erwähnt dabei aber auch den bisweilen enervierend langen Genehmigungsprozess mit Eigentümern, Verwaltungsgesellschaften und Ladenbesitzern, bis es überhaupt zu einer Aufnahme kommt. Um die Passagen mit ihren mitunter diffizilen Lichtverhältnissen im quadratischen Format optimal abzulichten zu können, nutzt sie eine Arca Swiss Mittelformat-Kamera. Jeweils zwei Digitalaufnahmen werden dann geshiftet, das heißt sie werden vertikal aneinander gefügt. Rückriem legt den Fokus nicht nur auf die Form, sondern auch auf die bemerkenswerten Lichtsituationen. So entstanden atmosphärisch dichte und ungewöhnlich komplexe Bilder in technisch superber Qualität. Die Ausstellung präsentiert insgesamt 33 Arbeiten, darunter klassische Passagen in Paris, Brüssel, Mailand und Turin, eine Passage in Weihnachtsdeko in Cleveland bis hin zu modernistischen Gängen der Metro von Lissabon. Mit viel Einfühlungsvermögen kombiniert Rückriem dokumentarische Aspekte des Städtebaus mit künstlerischem Gefühl für Licht und dessen Effekte und zeigt ganz nebenbei, dass Kaufen in alter Manier auch immer mit zwischenmenschlicher Kommunikation zu tun hat.

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