Haan: Jugendarbeit ist im Umbruch

Haan : Jugendarbeit ist im Umbruch

Rund 40 Haaner nutzten die Gelegenheit, sich gestern bei der Mobilen Redaktion über den strukturellen Wandel der Jugendarbeit zu informieren. Die wichtigste Botschaft des Bürgermeisters: Die Jugendhilfeplaner-Stelle wird ausgeschrieben, das Jugendhaus soll bestehen bleiben.

Dass die Haaner Jugendarbeit im Umbruch ist, erhitzte bei kühlen Außentemperaturen die Gemüter: Trotz Dauerregen fanden sich gestern Nachmittag rund 40 Bürger, Politiker, Verwaltungsvertreter und vor allem Jugendliche am gelben Pavillon der Mobilen RP-Redaktion auf dem Alten Markt ein. Die wichtigste Botschaft für die anwesenden Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Jugendparlament: "Dass wir das Jugendhaus schließen, steht nicht zur Diskussion", erklärte die jugendpolitische Sprecherin der CDU, Marlies Goetze.

Die Jugendparlamentarier Marie Sobing (l.) und Franziska Schlich äußerten Wünsche der Jugend an die Jugendarbeit. Rechts Jugendparlaments-Koordinator Daniel Oelbracht. Foto: Olaf Staschik

Jugendreferent in Altersteilzeit

Auch Knut vom Bovert lehnte sich weit aus dem Fenster: "Die Stadtranderholung muss bestehen bleiben", betonte der Bürgermeister – war doch die erste Hälfte bereits im Februar ausgebucht, wie Dieter Köhler berichtete. Doch wer organisiert das Ferien-Angebot ab 2013, wenn der städtische Jugendreferent im Sommer nächsten Jahres in Altersteilzeit geht? Nur eine von vielen Fragen, die RP-Redakteur Ralf Geraedts den Diskussionsteilnehmern stellte.

Dass zumindest die seit Dezember vakante Stelle des Jugendhilfe-planers derzeit ausgeschrieben wird, befriedigte Jochen Sack (GAL) nicht: "Eine befristete Teilzeitstelle ist keine gute Ausgangsposition", stellte der Vorsitzende des Jugendhilfeausschussses klar. Auch in den vergangenen zwei Dienstjahren sei es dem Amts-Vorgänger nicht gelungen, ein mit verlässlichen Zahlen gespicktes Konzept für die Kinder- und Jugendarbeit vorzulegen, das die Angebote von städtischen, kirchlichen und freien Trägern bündelt. Die Angebote des Jugendhauses beispielsweise "waren an unserer Schule überhaupt nicht bekannt", berichtete Marie Sobing.

Samstags lieber nach Düsseldorf

Auch die Haaner Gymnasiastin zieht es am Wochenende eher nach Düsseldorf. "Wenn wir uns in Haan treffen, dann bei jemandem zu Hause", ergänzte ihre Freundin Franziska Schlick. Ein Grund mehr für AG-Mitglied Jan Sievers, mit dem Jugendparlament derzeit eine Party für nach den Sommerferien zu planen: "Unsere Altersgruppe erwartet einfach mehr Angebote."

Und erwachsene Partner, von denen sie wahr- und ernstgenommen wird. Dass die aufsuchende Jugend- in erster Linie Beziehungsarbeit war, klang gestern immer wieder an. "Geschäftsleute, die hofften, dass allein die Präsenz von Antje Bemm die Jugendlichen zur Raison bringen würde, müssen lernen, dass Streetwork auf Langfristigkeit angelegt ist", so Köhler. Um so tragischer aus Sicht vieler Anwesenden, dass die Sozialarbeiterin vor wenigen Wochen zum Allgemeinen Sozialen Dienst versetzt wurde und aufsuchende Jugendarbeit auf Grund des Nothaushaltes nun ein Jahr unbesetzt bleibt.

In zwei Sitzungen des nichtöffentlich tagenden Arbeitskreises Personal werde es im August auch um die Streetwork-Stelle gehen, erklärte AK-Mitglied Meike Lukat (CDU): "Die Struktur der Dezernate wird verändert. Da müssen wir auch die Jugendarbeit neu einbinden." Wilfried Pohler (SPD) forderte denn auch, dass der Jugendhilfeausschuss Forderungen an den Arbeitskreis stellen muss: "Es geht um Nachhaltigkeit!"

Hintergründe im Internet unter www.rp-online.de/Hilden

(RP)
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