1. NRW
  2. Städte
  3. Hilden

Haan: Johnson kommt, Kiebitze ziehen um

Haan : Johnson kommt, Kiebitze ziehen um

Das Areal, auf dem der Automobilausrüster seine neue Europazentrale errichten will, ist ein Brutplatz der bedrohten Vogelart. Ihr soll jetzt ein Ersatzgelände in Richtung Mettmann angeboten werden. Gelingt die Umsiedlung, steht dem Industrieprojekt wohl nichts mehr im Weg.

Den Schutz der Kiebitz-Population auf den Ackerflächen südlich der Millrather Straße hat sich die Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt (AGNU) Haan zum Ziel gesetzt. Bevor die vorgesehene Ansiedlung von Johnson Controls begonnen wird, sollte dem Feldvogel erfolgreich eine Ersatzfläche zur Verfügung gestellt werden, fordert AGNU-Sprecher Sven Kübler am Ende einer umfangreichen Stellungnahme zum Bebauungsplan "Technologiepark Haan" (Nr. 168). Spätestens im März sollte "eine geeignete Ausgleichsfläche noch vor dem Eintreffen der Vögel von etwaiger Einsaat befreit werden". Kiebitze bevorzugten "braune Äcker". Dann sollte beobachtet werden, ob die Vögel die neue Heimat annehmen. Bei Erfolg könne die Baumaßnahme beginnen.

 Sigrid van de Sande beobachtet seit vielen Jahren die Vogelwelt im Stadtgebiet. Besonders hält sie die Kiebitz-Population im Auge.
Sigrid van de Sande beobachtet seit vielen Jahren die Vogelwelt im Stadtgebiet. Besonders hält sie die Kiebitz-Population im Auge. Foto: Archiv/Staschik

Die Naturschützer wissen europäisches Recht auf ihrer Seite. Es verpflichtet nämlich zu erfolgreichem Ausgleich (CEF-Maßnahmen) vor einem Projekt. "Selbst eine Ausnahmegenehmigung würde die Stadt Haan nicht von der Anforderung entbinden, diese Maßnahme im Vorfeld des Bauprojektes unter Nachweis der Wirksamkeit auszuführen", stellt Sven Kübler fest.

"Wir werden nichts gegen gesetzlich Bestimmungen unternehmen", stellte Bürgermeister Knut vom Bovert auf Anfrage klar. Die Stadt stehe in Verhandlungen über Ackerflächen "in Richtung Mettmann". Diese Felder müssten dann im Idealfall mit einer bestimmten Fruchtfolge — Rüben, Bohnen, Mais — bestellt werden, die eben im März zur Ankunftszeit der Kiebitze aus dem Süden noch braun sind.

Im näheren Umfeld des Haaner Technologieparks gibt es keine Flächen mehr, die der Kiebitz vermutlich annehmen würde. Laut Sigrid van de Sande, die mit ihrem Mann Joop zu jeder Jahreszeit die Vogelwelt beobachtet, hält der Kiebitz bei der Auswahl seines Brutplatzes im Offenland in der Regel einen Abstand von 150 Meter zu Bebauung und hohen Baumreihen ein. Im halboffenen Land ist der Abstand eher höher. Die Vogelkennerin schätzt, dass ein Areal von etwa zehn Hektar nötig sei, um den Kiebitz zum Brüten zu veranlassen.

Im Bereich südwestlich von Mettmann oder im Gebiet Diepensiepen brütet der Kiebitz. Die Untere Landschaftsbehörde zählt die Haaner Kiebitze zu den dort vorkommenden Paaren hinzu, die Haaner sehen die Vögel von den Feldern oberhalb von Kriekhausen indes als lokale Population an. Sollte, so van de Sande, ein Kiebitz-Paar den langfristig gesicherten alternativen Brutplatz annehmen, dürften die CEF-Auflagen erfüllt worden sein, da die Vögel als recht ortstreu gelten.

Auf den Feldern südlich der Millrather Straße brüten seit vielen Jahren Kiebitze. Doch wird die Population kleiner, seit auf der Fläche der Technologiepark entwickelt wird. Sigrid van de Sande hat vor dem Jahre 2007 auf dem heutigen Amada-Gelände noch fünf Feldlerchenpaare, zwei bis drei Kiebitzpaare und ein bis zwei Paare Schafstelzen zählen können.

In diesen Tagen wird im Rathaus besprochen, wie das Bebauungsplan-Verfahren fortgeführt wird. Im vorigen Jahr war einmal davon gesprochen worden, dass Johnson Controls vielleicht schon Ende 2012 oder Anfang 2013 mit dem Bau beginnen könnte. Aktuell laufen auf mehreren Ebenen Verhandlungen. Die Öffentlichkeit wartet noch auf die ausführliche Information, die der Bürgermeister im Herbst für Anfang 2012 zugesagt hat.

(RP)