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Hilden/Langenfeld: Jäger: Katzen richten großen Schaden an

Hilden/Langenfeld : Jäger: Katzen richten großen Schaden an

Neues NRW-Jagdgesetz soll Abschuss wildernder Katzen verbieten. Tierschützer und Jäger urteilen unterschiedlich.

Am Entwurf des neuen (ökologischen) Jagdgesetzes scheiden sich die Geister. Umstritten ist insbesondere die Frage, ob Jäger auch künftig wildernde Katzen abschießen dürfen. "Wildernde Katzen zu schießen, die sich mehr als 200 Meter von Wohngebäuden aufhalten, dient letztlich dem Natur- und Tierschutz", argumentiert Stefan Sühs, Leiter des Hegerings Langenfeld. Dagegen hofft Tierärztin Dr. Gisela Hartmann auf die für Juli 2015 vorgesehene Gesetzesänderung: "Es ist ein Unding, ein verwildertes Tier ohne vernünftigen Grund einfach abzuschießen."

Bereits bei den Beratungen zum Gesetz hatte die Jägerschaft auf die Probleme einer unkontrollierten Vermehrung von früheren Hauskatzen hingewiesen, die ausgesetzt oder entlaufen, in der freien Natur verwildern. Es sollen geschätzt zwei Millionen Tiere in ganz Deutschland sein.

"Eine Katze kann zweimal jährlich bis zu sechs Junge bekommen." Auch die Zahl von 1400 durch Jäger erschossene Katzen im Vorjahr allein im Regierungsbezirk Düsseldorf lässt die Dimension des Problems erahnen. "Eine drohende Plage" sehen die Waidmänner; denn für die Katze gibt es als natürliche Feinde nur noch Füchse und Wildschweine. "Viele der entlaufenen oder ausgesetzten Tiere enden elendig", sagt Sühs. "Wir finden immer wieder Katzen, die von 1000 Flöhen besetzt sind oder an der Räude zugrunde gehen."

Der Jäger gibt zu bedenken, dass die Katze kein in der europäischen Natur ursprünglich beheimatetes Tier sei, sondern ein Einwanderer ("Neozoen") wie der amerikanische Waschbär. Sühs verweist auf die Natur der Katze, die "nicht nur einfach spazieren geht, sondern sie ist immer auf der Jagd, tötet, was sich bewegt". Dabei erwischt sie Kaninchen, reißt Jungvögel, bedroht Bodenbrüter und raubt Nester aus. Eine streunende Katze kann pro Jahr bis zu 1000 Vögel, Kleinsäuger und Amphibien erbeuten.

Zahlen, die Tierfreunde nicht überzeugen. Nach Meinung von Gisela Hartmann fressen Katzen "nur Mäuse, bestenfalls mal ein kleines Kaninchen". Nach Meinung der Tierärztin ist der Schwund an Vögeln nicht auf streunende Katzen, sondern eher auf zu ordentliche Hausgärten zurückzuführen, in denen diese keine Nahrung mehr finden. Hartmann sieht einen Widerspruch darin, dass sich die Tiermedizin mit großem medizinischem Aufwand um kranke Katzen kümmere, die andererseits "einfach abgeschossen werden dürfen".

Jedes geschossene Wirbeltier muss der unteren Jagdbehörde gemeldet werden. Daher weiß Sühs, dass in Langenfeld bisher nur sehr selten wildernde Katzen geschossen wurden. Der Jäger sympathisiert mit der Idee, Katzen eher kastrieren zu lassen, allerdings weiß er um den finanziellen Aufwand. Anderenorts scheinen die Fronten zwischen Jägern und Katzenfreunden nicht so verhärtet.

Tierärztin Dr. Josefine Starke, Präsidentin der Tierärztekammer Nordrhein-Westfalen, räumte gegenüber unserer Zeitung ein, dass es zu viele Hauskatzen gibt, deren Besitzer nicht in der Lage sind, diese tiergerecht zu halten. "Das Aussetzen von Tieren nimmt zu. Doch wissen nur wenige, dass es sich dabei um einen Straftatbestand handelt", sagt Starke.

Im Tierheim Hilden, das auch für Langenfeld und Monheim zuständig ist, wurde gerade ein neues Katzenhaus eröffnet. Nach den Worten der stellvertretenden Leiterin Saskia Bautz wird "die Diskussion um die Befugnisse der Jäger nicht das eigentliche Problem lösen", auch wenn man dort Sympathie für die geplante Änderung hegt. "Es gibt schon jetzt eigentlich zu viele Katzen. Und erkrankte, verwilderte Katzen bilden eine Ansteckungsgefahr." Helfen würde nach Ansicht des Tierschutzvereins Hilden nur eine konsequente Kastration der Tiere: "Nur so könnte man das Übel an der Wurzel packen." Auch ein Melderegister für Haustiere wäre denkbar, um die bestehende Fürsorgepflicht des Tierhalters deutlich zu machen. Nachbesserungsbedarf im Gesetzgebungsverfahren sieht Sühs auch bei der geplanten Wiedereinführung der Jagdsteuer. Die Steuer entfiel damals als Gegenleistung für Naturschutzaufgaben, die Jäger übernehmen - vom Greifvogelschutz über die Pflege von Streuobstwiesen, das (Winter)Füttern nicht jagdbarer Tiere bis zur Entsorgung von angefahrenem Wild. "Häufig schellt nachts um 3 Uhr die Polizei, und wir müssen los."

(RP)