Itterbühne Hilden: chaotisch, rasant und amüsant

Itterbühne : Chaotisch, rasant und höchst amüsant

Das neue Stück der Itterbühne „Außer Spesen nichts gewesen“ ist wieder ein Knaller. Das Publikum amüsierte sich prächtig und erlebte eine gelungene Premiere. Christine Bracker brilliert gleich in zwei Rollen.

Mit einer rasanten Komödie meldete sich das Laien-Ensemble der Itterbühne wieder zurück: Die Premiere zu „Außer Spesen nichts gewesen“ gelang, das Stück kam beim Publikum gut an. Noch heute (19 Uhr) und Sonntag (15.30 Uhr) führt die Itterbühne das Lustspiel aus der Feder von Bernd Gombold im Alten Helmholtz auf. Monatelang hatte das Ensemble auf diesen Tag hin gearbeitet, unendliche Stunden geprobt, an der Kulisse und den Outfits gefeilt, vor allem am Timing. Denn das ist bei einer Komödie unerlässlich. Wenn die Pointe nicht auf den Punkt genau kommt, funktioniert sie nicht. Doch die saßen – da ist das Ensemble erprobt. Schließlich ist es nicht die erste Komödie, die das Laientheater auf die große Bühne bringt. Und dennoch: Ein wenig Aufregung schwang verständlicherweise mit. Der Heinrich-Strangmeier-Saal des alten Helmholtz war gut gefüllt, das Publikum schaute erwartungsvoll. Was hatte sich Regisseur Andreas Brieden mit seinem Team wohl diesmal wieder einfallen lassen?

Rund zweieinhalb Stunden lang verfolgten die Zuschauer gebannt und amüsiert das chaotische Treiben auf der Bühne: Familie Müller nämlich, ein scheinbar spießiges Exemplar, ist in Aufbruch-Stimmung. Vater Gottfried steht vor einer Fortbildungsreise, Mutter Elisabeth fährt zur Kur und Tochter Sabrina überraschend mit ihrem neuen Freund nach Tibet. Dem Großvater Gustav hatte die Familie bereits zu Weihnachten eine Seniorenreise nach Rom geschenkt. „Doch ob alle ihre Reise antreten werden?“, fragte Regisseur Breiden bei seiner Begrüßung. Es sollte spannend werden. Tatsächlich haben die beiden Schürzenjäger, Vater Gottfried (Wittold Fassbender) und Opa Gustav (Andreas Brieden), ganz andere Pläne im Sinn: In Abwesenheit von Elisabeth (Nina Bialkowski) und Sabrina (Christine Bracker) wollen sie es nämlich – unabhängig voneinander – richtig krachen lassen. Das wird deutlich, als noch vor der vermeintlichen Abreise jede Menge Expresslieferungen im Haus eintrudeln, Bestellungen von Erotikportalen. Vater und Sohn sind der Überzeugung, dass sie das Haus an diesem Wochenende für sich alleine haben und laden sich erotischen Damenbesuch ein. Die Geschichte nimmt ihren Lauf, das Verwirrspiel beginnt und natürlich treffen Vater Gottfried und Opa Gustav irgendwann im Haus aufeinander, wundern sich, warum der jeweils andere nicht auf seiner Reise ist und geraten in Erklärungsnot. Schlimmer wird es jedoch, als plötzlich auch Mutter Elisabeth und Tochter Sabrina in der Tür stehen und die Familie von Betrügern heimgesucht wird.

Chaotisch, rasant, vor allem amüsant ist das Stück, nicht zuletzt auch wegen der gewagten Outfits aus Lack und Leder, in die sich Opa Gustav, großartig verkörpert von Andreas Brieden, zwängt. Dass der Paketbote (Oliver Schäbitz) als lebendige Erklärung für alle seltsamen Vorgehen im Hause herhalten muss, sorgte beim Publikum ebenfalls für Lacher. Besonders hervorzuheben ist die schauspielerische Leistung von Christine Bracker. Gleich zwei Rollen (Tochter Sabrina und Nachbarin Henneliese) haucht sie in diesem Stück Leben ein, und zwar so gut, dass der Großteil des Publikums gar nicht erkannte, dass es sich bei beiden Figuren um dieselbe Darstellerin handelte. Wie das Stück am Ende ausgeht, wird an dieser Stelle nicht verraten. Hingehen und anschauen. Es lohnt sich.

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