Italienische Avantgarde im Gewerbepark

Hilden : Italienische Avantgarde im Gewerbepark

Der Hildener Sammler Wolfgang Eilert entdeckte in den 1960er Jahren die „Arte Povera“ für sich. Das Ergebnis ist ab Sonntag, 8. September, zu sehen.

Der Titel der Ausstellung ist etwas sperrig: „Arte Povera e La Scuola di Piazza del Popolo.“ Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen. Die gezeigten sogenannten Ephemera, also Postkarten, Plakate, Anzeigen, Briefe und Flyer, aber auch Fotos, Skizzen, Grafiken und Künstlerbücher, haben überwiegend gut verständliche Botschaften.

Der damals noch junge Post-Gewerkschafter (und Hildener) Wolfgang Eilert besuchte in seiner Freizeit Kunstausstellungen und wurde zuerst in der Düsseldorfer Kunsthalle auf der „Prospect 69“ auf die italienischen Antikünstler aufmerksam. „Was die thematisiert haben, den Faschismus, die Shoa, den Tod, das hat auch uns damals beschäftigt.“ Er gibt ein Beispiel, das auch in Hilden zu sehen ist, wo ein Mann eine Lokomotive im Mund hat: „Kounellis erinnert mit dem Foto an die Uraufführung von „Beuys“ in der Rheinmetallhalle, wo drei Lokomotiven das Bühnenbild dominierten. Das Bild der Lokomotive ist für ihn mit vielen Gleichnissen besetzt: „Es steht für Krieg und Flucht, Deportation und Reise, Bewegung und Fortschritt.“

Fasziniert hat ihn auch das gerne genommene Thema Unsterblichkeit: In der Ausstellung gibt es witzige Fotos wie das des Schädels mit einer langen Nase, die aus dem venezianschen Karneval entsprungen zu sein scheint. „Es gab Künstler, die immer wieder öffentlich den eigenen Tod inszeniert haben und manche sind auch daran gestorben. Einer hat sich zum Beispiel aus Versehen mit seinen Schnürsenkeln erhängt. Er war wohl davon ausgegangen, dass sie reißen, aber das taten sie nicht“, berichtet der grauhaarige Ex-Gewerkschafter mit dem Pferdeschwanz lakonisch.

Jahrzehntelang ist er zu Ausstellungen in ganz Europa gereist und hat gesammelt, was man sammeln konnte: Flyer, Prospekte, Plakate. Er hat selbst Fotos von Ausstellungsobjekten oder Performances gemacht. Und er hat Kunstzeitschriften gesammelt, denen früher tatsächlich Drucke und Original-Grafiken beilagen. Auch das ein Versuch, den Kunstkonsum zu durchbrechen und Kunst für jeden Geldbeutel zu machen.

Über 60 Künstler haben so ihre Spuren in der ungewöhnlichen Sammlung hinterlassen. „Meine Sammlung ist quasi mein Tagebuch“, sagt Wolfgang Eilert dazu.

Die „Arte Povera“, wörtlich „arme Kunst“, erklärt Kunsthistorikerin und Kuratorin Jutta Saum, ist keine einheitliche Kunstrichtung. „Gemeinsam war den Künstlern nur, dass sie weg wollten von der herkömmlichen Betrachtungsweise: Hier das Kunstobjekt, da der Betrachter.“ Stattdessen gab es Happenings, Aktionen und Künstler, die Foto- und Videokunst, Body Art und vieles mehr ausprobierten.

Die Hildener Ausstellung vermittelt einen Eindruck von der Vielfalt der „Arte Povera“. Eröffnung ist am Sonntag um 11 Uhr. Sandra Abend, Teil der Doppelspitze des Hildener Kulturamts, bietet in der Museumsnacht am Freitag, 27. September um 18 und 19 Uhr Führungen zusammen mit Eilert und Saum an.

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