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Hilden: "Integration geht nicht von selbst"

Hilden : "Integration geht nicht von selbst"

Am 28. August soll es zum ersten Mal einen Runden Tisch zum Thema Integration in Haan geben. Bernd Stracke (SPD), Vorsitzender des Sozialausschusses, erklärt die Ziele dieses Treffens.

Was ist der Anlass des Runden Tischs?

 2011 gab es einen Runden Tisch der drei Hildener Moscheegemeinden (Marokkanischer Freundeskreis, Türkisch Islamische Gemeinde, Islamische Gemeinde) mit dem Integrationsrat und der Verwaltungsspitze gegen Extremismus.
2011 gab es einen Runden Tisch der drei Hildener Moscheegemeinden (Marokkanischer Freundeskreis, Türkisch Islamische Gemeinde, Islamische Gemeinde) mit dem Integrationsrat und der Verwaltungsspitze gegen Extremismus. Foto: Stadt

Stracke Im Jahr 2009 hatte Klaus Negro einen Bürgerantrag gestellt, einen Integrations- und Kooperationsrat zu schaffen, in dem die Interessen von Zuwanderern vertreten werden. Bislang gibt es in Haan kein solches Gremium. Daher wurde der Antrag begrüßt und diskutiert. Schließlich haben viele Städte um uns herum — beispielsweise Hilden, Wülfrath, Ratingen und Solingen — schon länger einen Ausländerbeirat oder ähnliches.

Wieso hat es so lange gedauert, bis nun ein Runder Tisch stattfindet?

Stracke Wir haben anfangs sehr intensiv über die Erfahrungen anderer Städte und über eine mögliche Organisationsform eines solchen Gremiums diskutiert. Ein Beirat müsste aufwändig gewählt werden, allerdings ist die Wahlbeteiligung in der Regel gering, wie sich in anderen Städten gezeigt hat. Eine Möglichkeit zur Vereinfachung wäre, einen Integrationsbeirat gleichzeitig mit einer Kommunalwahl wählen zu lassen. Oder ganz auf eine Wahl die Form eines Beirats zu verzichten und stattdessen nur ein Forum einzurichten, das sich regelmäßig trifft. Ich will aber nicht verhehlen, dass sich mir manchmal der Eindruck aufdrängt, dass einige Ratsmitglieder Schwierigkeiten haben, sich dem Thema zu nähern, und damit einen raschen Fortgang blockieren.

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Wie viele Zuwanderer leben in Haan?

Stracke Darüber haben wir leider keine genaue Kenntnis. Die Verwaltung hat in einer Ausschusssitzung einmal eine Zahl von etwas mehr als 2200 genannt. Wir wissen als Politik nicht, wie viele Ausländer wir haben, welche Vereine und welche Bedürfnisse sie haben. Wir haben die Verwaltung mehrfach gebeten, uns diese Zahlen im Zuge der Sammlung von Sozialdaten zur Verfügung zu stellen. Aber immer hieß es, man habe kein Geld oder keine Mitarbeiter, die die Daten zusammentragen könnten. Ohne eine fundierte Basis tappen wir aber im Dunkeln.

Ist denn bekannt, aus welchen Nationen die Ausländer in Haan stammen?

Stracke Wir haben viele Italiener und Spanier sowie eine große Gruppe Russlanddeutsche, außerdem viele deutschstämmige Polen und auch Polen, die weiterhin die polnische Staatsangehörigkeit haben. Hinzu kommen Türken, Afrikaner und Asiaten.

Gibt es eine Moschee in Haan?

Stracke Nicht, dass ich wüsste. Aber es gibt ja mehrere in Hilden und Solingen, so dass muslimische Mitbürger vermutlich dorthin fahren.

Sind Brennpunkte bekannt?

Stracke An der Flemingstraße und an der Straße Am Bandenfeld leben Migranten aus zahlreichen Nationen. Die dortigen Probleme sind bereits bei Stadtteilkonferenzen aufgegriffen worden. Aber das reicht nicht. Wir müssen ein Konzept für die ganze Stadt entwickeln. Denn Integration geht nicht von selbst. Wir wollen verhindern, dass Parallelgesellschaften entstehen. Sorgen bereitet mir hier die Situation an der Bruchermühlenstraße.

Was soll der Runde Tisch bringen?

Stracke Wir wollen Kontakte zu ausländischen Vereinen und Organisationen knüpfen, erfahren, welche Probleme, Bedürfnisse und Anregungen sie haben. Wir wünschen uns auch eine stärkere politische Beteiligung der Zuwanderer. Allerdings müssen wir jetzt erst einmal abwarten, wer überhaupt teilnehmen will. Die Stadt hat Schreiben an verschiedene Vereine und Institutionen verschickt, die Interesse an einem solchen Runden Tisch haben könnten.

Welche Erfolge haben andere Städte durch Integrationsgremien erzielt?

Stracke Sie betreiben Stadtteilprojekte zur Integration, Sprachförderung — und zwar Deutschkurse genauso wie muttersprachliche Kurse —, bringen die Bürger bei multikulturellen Festen zusammen, um Vorurteile abzubauen, und versuchen, Migranten für Sportvereine zu gewinnen. Grundsätzlich hat sich in anderen Städten gezeigt, dass EU-Ausländer durch ihre größeren Rechte sehr viel stärker integriert sind als Zuwanderer aus Nicht-EU-Staaten.

Susanne Genath führte das Gespräch.

(RP/ila)