In städtischen Asylen wächst die Not

Hilden : In städtischen Asylen wächst die Not

Es wird immer schwieriger, Menschen beim drohenden Verlust der Wohnung zu helfen, berichtet die SPE Mühle.

Jeder Mensch braucht ein Zuhause, einen Ort, wo er sich geborgen fühlt. Der Verlust der eigenen Wohnung ist eine Katastrophe. Und davon sind immer mehr Menschen in Hilden bedroht. Das geht aus dem Bericht der Sozialpädagogischen Einrichtung Mühle (SPE Mühle) im Sozialausschuss hervor. Der Verein betreut schon seit vielen Jahren im Auftrag der Stadt Menschen in schwierigen Lebenslagen.

2018 hat sich die SPE Mühle um 950 Parteien gekümmert, 18,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Von den 1444 Klienten (+9 Prozent) waren 416 jünger als 18 Jahre. Das macht eine Zunahme von 12,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Die Probleme sind komplex, erläutert Siegfried Wagner im Jahresbericht der SPE Mühle. Krankheit, Sucht, Arbeitslosigkeit, Schulden: Die Betreuten haben häufig nicht nur ein, sondern gleich ein ganzes Bündel von Problemen.

Deshalb brauchen sie viel Zeit und Betreuung. Erstes Ziel der SPE Mühle: Verhindern, dass die Menschen ihre Wohnung verlieren und obdachlos werden. Das gelang 2018 in 93 Fällen. Die Betreuer verwalten beispielsweise die Konten ihrer Kunden und sorgen dafür, dass die Vermieter zuverlässig ihre Miete bekommen. Und sie sind sofort da, wenn es Probleme gibt.

Die SPE Mühle hat sich auf diese Weise über Jahre bei Vermietern einen guten Ruf als zuverlässiger Partner erarbeitet. Und der trage entscheidend dazu bei, dass es dem Verein trotz schwieriger Lage auf dem Wohnungsmarkt immer noch gelinge, Wohnungen für seine Klienten zu organisieren.

Im vergangenen Jahr konnte die SPE Mühle 24 Wohnungen anmieten und dort 46 Obdachlose unterbringen. Es gebe aber immer weniger geeignete Wohnungen in Hilden. Auch, weil die Stadt eigene Immobilien für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt hat. Deshalb müssten Obdachlose zunehmend in städtischen Notunterkünften untergebracht werden, erwartet Wagner. Immer mehr Klienten seien jedoch psychisch schwer erkrankt. Solche Menschen könnten nicht mehr in normalen Wohnungen leben. Aber auch nicht in den Notunterkünften mit anderen Obdachlosen und Flüchtlingen.

„Wir steuern auf eine Situation zu, die sehr bedauerlich ist“, kommentierte Marianne Münch (Grüne) den Bericht: „Wir müssen uns überlegen, wie wir aus dieser Falle herauskommen.“ Menschen in Notunterkünften brauchten dauerhaft Unterstützung. Und das schlage sich wiederum mit steigenden Kosten im Haushalt der Stadt nieder.

Kann die Stadt nicht in anderen Städten Wohnungen anmieten?, fragte Regina Brödenfeld (Allianz für Hilden). Sozialdezernent Sönke Eichner wirkte sichtlich verblüfft: „Das müssen wir klären. Warum sollten andere Städte das für uns tun?“ Vielleicht nicht andere Städte, aber Vermieter in anderen Städten, wenn die SPE Mühle die Miete garantiert und für Betreuung sorgt.

Es gibt in den städtischen Unterkünften keine Einzelzimmer mehr, stellt die Verwaltung fest. Die Komplexität der Probleme werde sich weiter verschärfen. Dem müssen man Rechnung tragen. Aber wie? Die Stadt hat dafür externe Berater engagiert, das Institut für Sozialplanung und Organisationsentwicklung.

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