In Hilden entsteht ein Leuchtturmprojekt für Demenzkranke

Hilden : In Hilden entsteht Leuchtturmprojekt für Demenzkranke

Die Graf-Recke-Stiftung baut im Hildener Westen für 19 Millionen Euro ein Wohnquartier für demenzkranke Menschen, das bundesweit einzigartig ist.

Ein deutschlandweit einzigartiges Projekt entsteht momentan am Rande Hildens an der Horster Allee. Im Dorotheenviertel baut die Graf-Recke-Stiftung auf rund vier Hektar für rund 19 Millionen Euro ein Wohnquartier für demenzkranke Menschen. Am Freitag feierte die Stiftung mit vielen Ehrengästen Richtfest des Ahorn-Karrees. Anfang 2020 sollen die ersten der 119 Bewohner einziehen können.

„Wir benötigen neue Wege im Umgang mit demenzkranken Menschen“, erklärt der ehemalige Bürgermeister Günter Scheib, der im Aufsichtsrat der Graf-Recke-Stiftung sitzt. Die Architekten haben das Ahorn-Karree daher so geplant, dass die Bewohner und ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen, nicht die Pflege. Dazu muss das Pflegekonzept angepasst werden, aber auch die Gebäudestruktur.

„Demenzkranke Menschen haben einen starken Bewegungsdrang“, erklärt Joachim Köhn von der Graf-Recke-Stiftung. Der Grundriss beschäftigt sich daher schon mit der Krankheit – statt eines langen Flures mit den Zimmern rechts und links führen die Wege im Kreis herum. „Die Bewohner können ihrem Bewegungsdrang so freien Lauf lassen“, erklärt Köhn weiter. Außerdem werde in vier verschiedenen Lebensstilen eingerichtet. Das beginnt beim Bodenbelag geht über die Möbel bis hin zu den Gardinen. Unterschieden wird beispielsweise in traditionell gehoben und bürgerlich. Auf diese Weise bleibt das gewohnte Umfeld auch beim Umzug ins Ahorn-Karree erhalten.

Vor einem Jahr hat die Graf-Recke-Stiftung den Grundstein für das Leuchtturm-Projekt an der Horster Allee gelegt. Die Bewohner leben in vier Häusern mit zehn Wohngemeinschaften. Jede besteht aus zehn bis zwölf Einzelappartements mit eigenem Badezimmer. Der Dorotheenboulevard wird die Häuser miteinander verbinden. Im Graf-Recke-Saal feiern die Bewohner gemeinsam, es gibt einen Mini-Supermarkt, ein Bistro, einen Friseursalon, innen liegende Gärten und ein weitläufiges Außengelände. „Teilhabe, Inklusion, Lebensqualität und Wohlbefinden – das sind aus unserer Sicht unverzichtbare Bestandteile im würde- und respektvollen Umgang, wenn es um menschen mit schwerer Demenz geht“, erklärt der theologische Vorstand der Stiftung, Pfarrer Markus Eisele. Die ersten Bauabschnitte werden bereits im kommenden Jahr fertiggestellt, die weiteren sowie der Feinschliff bis 2022.

Präsenzkräfte sollen in Zukunft bei der Betreuung der demenzkranken Menschen helfen. Die Graf-Recke-Stiftung hat extra dafür eine neue Ausbildung konzipiert. In 14 Monaten werden die Mitarbeiter auf ihre neuen Aufgaben vorbereitet. Bisher gab es eine strikte Trennung zwischen Pflege, Hauswirtschaft und sozialtherapeutischem Dienst. Die Präsenzkraft hebt diese Grenzen auf. Sie soll die Bewohner im Alltag begleiten und auch daran teilnehmen. Das kann Geschirr spülen sein, Kochen oder auch Karten spielen. Vor einem Jahr haben die ersten Mitarbeiter mit der Ausbildung begonnen.

„Wir bieten deutlich mehr, als die Kostenträger übernehmen“, erklärt Günter Scheib. Aus diesem Grund sucht die Graf-Recke-Stiftung Unterstützer. „Menschenfreunde“, wie Scheib sagt. Weitere Infos dazu gibt es unter www.graf-recke-stiftung.de im Netz.

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