Im Campus-Treff Hilden fühlen sich Kinder wohl

Treffpunkt : Im Campus-Treff fühlen sich Kinder wohl

Die Stadt hat auf dem Schulcampus Holterhöfchen einen Jugendtreff eingerichtet, weil viele Heranwachsende nach der Schule nicht direkt nach Hause gehen.

 Die Grünanlage Holterhöfchen machte vor einigen Monaten Schlagzeilen, weil die Polizei ihn zum „Gefährdungsort“ erklärte. Grund: Dort trafen sich bis zu 100 Jugendliche (viele von außerhalb), die dort Alkohol tranken, das Gelände vermüllten, Sachbeschädigungen begingen, lärmten und vermutlich auch Drogen nahmen. Polizei und Jugendamt zeigten vor Ort Präsenz. Inzwischen ist der Bildungscampus kein „Gefährdungsort“ mehr. Trotzdem fährt die Polizei dort häufiger Streife.

Auf dem Campus gibt es aber auch noch einen zweiten Treffpunkt für junge Menschen: die „Offene Tür“. Hier treffen sich ganz andere Jugendliche – und sie möchten mit den Randalierern und Straftätern nicht in einen Topf geworfen werden. „Die Campus-OT (Offene Tür) ist für manchen Jugendlichen wie ein zweites Zuhause“, erklärt Peter Keller, Mitarbeiter der städtischen Jugendförderung. Seit September 2015 bieten Keller und sein Team auf dem Gelände der Marie-Colinet-Sekundarschule jungen Leuten einen Ort zum Chillen, für Freizeitbeschäftigungen, aber auch stets ein offenes Ohr für Gespräche aller Art.

„Die Jugendlichen kommen mit allen möglichen Anliegen“, berichtet Peter Keller. „Mal muss ein Fahrrad repariert, mal ein Regal gebaut werden. Wir haben schon gemeinsam einen Smoker zusammengeschweißt, mit dem wir dann auch gegrillt haben; wir kochen und essen gemeinsam, bieten Fahrten, Spieleabende oder einen Kettensägenkurs an. Auch einfach nur abhängen oder mit Gleichgesinnten quatschen – vieles geht, nichts muss.“

Die Idee zur Offenen Tür entstand aus der Beobachtung, dass viele Schüler nach dem Unterricht nicht nach Hause gingen, sondern ihre Zeit auf dem Schulgelände verbrachten. Also macht der Campus OT an vier Nachmittagen in der Woche ein Angebot aus Handwerk, Sport, kreativen Möglichkeiten sowie Berufsberatung. Ein Großteil des Mobiliars haben die Schüler gebaut. „Das hat nicht nur zur Folge, dass sich die Jugendlichen besonders wohlfühlen, sie gehen auch sorgsam mit der Einrichtung um“, berichtet Peter Keller.

Zusammen mit den Schulen werden regelmäßig Infoabende oder Themen- und Projektwochen gestaltet. Dabei geht es um Themen wie Sucht, Gewalt und Mobbing. Dafür arbeitet das Team der Campus-OT eng mit den Kollegen aus der Ganztagsbetreuung, Lehrern und Eltern zusammen.

Bei großen und kleinen Sorgen finden die Kinder und Jugendlichen im Treff einen vertrauten Ansprechpartner. Peter Keller nimmt sich an jedem Schultag ab 9 Uhr Zeit für seine Schützlinge. Eine Ampel im Eingang der OT zeigt auf den ersten Blick, ob der Schulsozialarbeiter gerade im Gespräch ist (rot) oder sich gleich um die Sorgen und Nöte seiner Besucher kümmern kann (grün).

Die Stadt hat in der städtischen Marie-Colinet-Sekundarschule Hilden einen offenen Jugendtreff eingerichtet. Foto: Christoph Schmidt

„Die Einrichtung wird super angenommen“, so Peter Keller. Die Besucher kommen von der Sekundarschule, vom Berufskolleg und vom Helmholtz-Gymnasium. Inzwischen hat sich das Angebot so weit herumgesprochen, dass auch aus anderen Schulen oder benachbarten Städten Gäste kommen. Rund 30 Jungen und Mädchen aus den Klassen fünf bis zehn bilden die Stammmannschaft der OT, gelegentlich tummeln sich sogar bis zu 200 junge Leute auf dem Gelände. „Wir sind hier sehr aufgeschlossen“, so Peter Keller. „Egal, welche Schulform, welches Alter oder Handicap – jede und jeder ist willkommen. Das Miteinander ist von Toleranz und Respekt geprägt, die Schüler helfen und unterstützen sich gegenseitig. Und sie kümmern sich um ihre Umgebung, sammeln etwa den Müll im Holterhöfchen auf, den andere achtlos fallen lassen. „Auf diesem Weg wachsen die jungen Leute in eine gewisse Verantwortung hinein, erleben Anerkennung, Bestätigung und fühlen sich wahrgenommen“, sagt Peter Keller: „Wichtige Bausteine auf dem Weg zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit.“