Ideen gesucht für schwieriges Eckgrundstück

Hilden : Ideen für schwieriges Grundstück gesucht

Die alte Apotheke Benrather Straße 24 und der ehemalige Griechische Club Ellerstraße 1a gehören der Stadt und stehen seit Jahren leer. Jetzt soll die Verwaltung der Politik Vorschläge für eine Nutzung machen.

Die Stadt hatte die beiden bebauten Grundstücke vor Jahren mit dem Ziel erworben, dort einmal ein neues Gebäude für das Wilhelm-Fabry-Museum zu errichten. Der Kommune fehlen bis 2024 knapp 40 Millionen Euro in der Kasse. Deshalb mag niemand – weder im Rathaus noch im Stadtparlament – ernsthaft über solche Träumereien nachdenken. Vor acht Jahren wurden die Baukosten einmal grob auf sechs Millionen Euro geschätzt. Das würde heute wohl kaum mehr reichen. Die Fraktion Allianz für Hilden möchte dort stattdessen bezahlbare Wohnungen bauen. Angesichts der Besucherzahlen des Fabry-Museum sei ein Erweiterungsbau wohl kaum gerechtfertigt, meinen Friedhelm Burchartz und Claus Munsch. Zudem sei nicht absehbar, wann die Stadt je über das nötige Geld verfügen werde. Nachdem der Antrag geändert wurde, fand er eine Mehrheit im Wohnungsbauförderungsausschuss. Die Verwaltung wurde mehrheitlich beauftragt, der Politik Vorschläge zu unterbreiten, was man mit dem Areal sinnvolles anfangen könnte.

Klar ist schon jetzt: Für Wohnungen ist die Fläche eigentlich ungeeignet. Die Kreuzung passieren täglich rund 45.000 Fahrzeuge – und produzieren neben Lärm und Abgasen auch jede Menge Feinstaub. Die Grenzwerte würden dort noch viel weiter überschritten als am Jacobushof (alter Reichshof) an der Hochdahler Straße. Die Zufahrt zum Grundstück ist wegen der Ampelanlagen schwierig. Ungeklärt ist auch, wohin mit den nötigen Stellplatzen. Zuschüsse vom Land für öffentlich geförderte Wohnungen gebe es nur, wenn ein gesundes und ruhiges Wohnen möglich sei, erläutert die Verwaltung. Zudem müsse ein Drittel der Fläche als Grünfläche hergerichtet werden. Je nach Wohnungsgröße könnten rechnerisch zehn bis 15 Wohnungen entstehen – bei drei Geschossen mit ausgebautem Satteldach.

Hilden fehlen Kindergärten. Theoretisch sei eine Kita dort denkbar, aber praktisch mit zahlreichen Problemen verbunden. Die nötigen Flächen müssten „gestapelt“ werden. Spielplätze wie etwa im umgestalteten Stadtpark seien schwer zu erreichen. Denkbar wäre es auch, dort ein interessantes Bürogebäude an prominenter Stelle zu errichten. Nur: Ausgerechnet an Büros herrscht in Hilden kein Mangel. Und die nötigen Parkplätze ließen sich dort kaum schaffen.

Weiter zu bedenken sei: Wenn diese Fläche anders genutzt wird, verliere das Fabry-Museum die einzige Möglichkeit, aus seinem heutigen „Hinterhof-Dasein“ herauszukommen. Denkbar, so die Verwaltung, wäre deshalb auch ein Neubau, der verschiedene Nutzungen wie Museum, Sozialwohnungen und Büros (beispielsweise für das Kulturamt) miteinander verbindet.

Das Wilhelm-Fabry-Museum ist ein Industrie-Denkmal (Historische Kornbrennerei) mit medizingeschichtlicher Sammlung. Es liegt etwas versteckt in zweiter Reihe an der Benrather Straße. Foto: Tobias Dupke
Aufnahme aus den 1960er/1970er Jahren: Das Haus rechts neben der Apotheke wurde abgerissen. Foto: Wolfgang Krämer

Die Grünen halten das Areal nicht für Wohnen geeignet. Sie möchten die Fläche aber auch nicht weiter brach liegen lassen und schlagen vor, dort eine Grünfläche mit Bänken anzulegen. Die SPD kann sich dort auf keinen Fall eine Kita vorstellen. Die Bürgeraktion möchte die Fläche auf jeden Fall für das Museum sichern. Die CDU will dort erst mal gar nichts verändern. „Wir werden einen politischen Verständigungsprozess einleiten“, kündigte Baudezernent Peter Stuhlträger an: „Erst am Ende ist abzusehen, ob der Flächennutzungsplan und der Bebauungsplan geändert werden müssen.“ Und mit welchem Aufwand das verbunden sein würde.