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Hilden: "Ich genieße die Kür"

Hilden : "Ich genieße die Kür"

Bereits zum 17. Mal hat Peter Baumgärtner gemeinsam mit seinem Partner Uwe Muth und ihrer gemeinsamen Agentur Sensitive Colours die Hildener Jazztage organisiert. Ab Dienstag wird an vielen Orten in Hilden "World Jazz" zu hören sein und wieder Tausende anziehen und mitreißen. Kurz vor der Eröffnung hat die RP den künstlerischen Leiter befragt.

Wie geht es Ihnen, Herr Baumgärtner? Sind Sie schwer gestresst?

Baumgärtner Mir geht es gut. Ich habe in den vergangenen Tagen klar Schiff gemacht. Meine Arbeit ist getan. Die Organisation steht, alle sind gebrieft. Die Sponsoren-Aquise und das Engagement der Künstler: Das ist die Pflicht. Was jetzt kommt, die Jazztage selbst, das ist die Kür. Und die genieße ich in vollen Zügen. Morgen werde ich im Hotel am Stadtpark mein Quartier aufschlagen. Dort sind die meisten Künstler untergebracht. Ich freue mich auf die Gespräche mit ihnen und den Sponsoren und Gästen der Jazztage.

Welcher Künstler war am schwersten zu bekommen?

Baumgärtner Oscar Giunta, Topact der International Jazznight am Freitag in der Stadthalle – weil dieser Stardrummer aus Argentien eingeflogen wird. Seine Agentur wollte für ihn eine Konzertreise in Deutschland zusammenstellen, aber da haben wohl viele Veranstalter kalte Füße bekommen.

Auf wen freuen Sie sich persönlich am meisten?

Baumgärtner Auf Oscar Giunta, weil ich selber Schlagzeuger bin. Giunta ist ein Drum-Gigant. Der hat schon mit Wayne Shorter gespielt. Das ist international ein ganz wichtiger Saxophonist. Wenn man mit dem zusammen aufgetreten ist, hat man es geschafft. Und dann freue ich mich auch noch auf das World Percussion Ensemble (Jazznight, 22.30 Uhr).

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Was ist daran besonders?

Baumgärtner Da treffen drei der weltbesten Percussionisten aus drei Kontinenten aufeinander. Takuya Taniguchi ist ein charismatischer Taiko-Trommler aus Japan. Marco Lobo ist Brasilianer und ein Magier am Schlagwerk. Njam Sitson aus Kamerun ist ein afrikanisches Trommelgenie und ein beseelter Sänger. Diese drei zusammen: Das wird ganz sicher eine ganz tolle Geschichte.

Was müssen Sie alles anstellen, um die Künstler für die Jazztage nach Hilden zu locken?

Baumgärtner Man bekommt schon eine Menge Angebote. Ich beute niemanden aus, zahle aber auch selber keine überhöhten Gagen. Persönliche Beziehungen sind sehr hilfreich. Und mir als Veranstalter hilft es, dass ich selber Schlagzeuger bin und in drei festen Formationen spiele.

Wie werden denn die Künstler bezahlt? Nach Stunden?

Baumgärtner Das Engagement ist ein Paket mit Reisekosten, Übernachtung, Catering, möglicherweise Leihinstrumenten, technischer Ausrüstung und so weiter. Wir bringen die Künstler im Hotel am Stadtpark unter. Das ist ein gute Partnerschaft seit vielen Jahren. Und die Künstler fühlen sich dort sehr wohl, wegen der familiären Atmosphäre. Das ist wichtig.

Gibt es jemanden, den Sie schon seit Jahren engagieren möchten?

Baumgärtner Ich würde gerne mal den Schlagzeuger Steve Gadd mit der WDR-Big-Band nach Hilden holen. Der hat schon mit allen Größen wie etwa Al Jarreau, Simon and Garfunkel oder Eric Clapton auf der Bühne gestanden. Vor zwei Jahren hatte ich Gadd fast im Boot. Dann kam mir leider eine seiner Tourneen mit einem Star dazwischen.

Exzessive Musik, lange Auftritte bis spät in die Nacht: Wie halten Sie sich persönlich fit?

Baumgärnter Ich habe vor zwei Jahren mit dem Rauchen aufgehört. Ich wohne in Duisburg-Serm. Da gibt es weite Rapsfelder, Pferdehöfe, viel Natur. Dort walke ich gern – dreimal die Woche etwa eine Stunde – und höre mir dabei über Kopfhörer das philosophische Gespräch von WDR 5 als Podcast an oder gute Musik. Und ich fahre viel Fahrrad. Auch von Duisburg nach Düsseldorf. Da habe ich auf der Düsseldorfer Jazzrally Flyer verteilt – Direktmarketng für die Jazztage.

Christoph Schmidt führte das Gespräch.

(RP)