Hilden: "Hunde müssen gut gehorchen"

Hilden : "Hunde müssen gut gehorchen"

Behörden, Jäger und viele Bürger sind sich einig: Wenn Hunde ohne Leine laufen, müssen sie gut erzogen sein – was eben nicht alle sind. Nach dem Fall der Anleinpflicht will die Stadt das Etikett "Erholungswald" beantragen.

Behörden, Jäger und viele Bürger sind sich einig: Wenn Hunde ohne Leine laufen, müssen sie gut erzogen sein — was eben nicht alle sind. Nach dem Fall der Anleinpflicht will die Stadt das Etikett "Erholungswald" beantragen.

Die Reaktionen reichen von "verheerend" bis "prima": Das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster, mit dem die Anleinpflicht im Hildener Stadtwald für nichtig erklärt wird, stößt erwartungsgemäß auf ein geteiltes Echo. Nach der Begründung, für den Wald sei der Landesbetrieb Wald und Holz und nicht die Stadt zuständig, ist auch der Forstbetrieb alarmiert.

Landesbetrieb Wald und Holz "Der Beschluss interessiert uns brennend", sagte am Donnerstag Juri Kranz von der Rechtsabteilung der Landesbehörde: "Denn das Gericht hat darin offenbar gesagt, dass wir für ganz bestimmte Dinge zuständig sind." Bürgermeister Horst Thiele hatte angekündigt, die Forstbehörde zu bitten, den gesamten Hildener Stadtwald zu einem "Erholungswald" zu erklären.

Dort müssten Hunde angeleint werden. Das Landesforstgesetz sei 40 Jahre alt, und bislang gebe es nicht einen einzigen "Erholungswald" in NRW, sagte dazu Kranz. Die Stadt könne trotzdem einen entsprechenden Antrag stellen. Dabei müssten eine Reihe von anderen Behörden beteiligt werden. Nach seiner ersten Einschätzung dürfte es aber schwierig werden, die gewünschte Ausweisung zu bekommen. Denn der Gesetzgeber wolle mit "Erholungswäldern" die Waldflächen schützen. Die gewünschte Anleinpflicht schütze seiner Einschätzung nach nicht so sehr den Wald, als vielmehr die Erholungssuchenden darin.

Ordnungsamt Halter, die ihre Hunde auf den Wegen im Stadtwald von der Leine lassen, müssen jetzt keine Knöllchen mehr fürchten. Im vergangenen Jahr sprach das Hildener Ordnungsamt 28 Verwarnungen über jeweils zehn Euro wegen Verletzung der Anleinpflicht aus, in diesem Jahr sieben, sagte Leiter Michael Siebert der RP. Schwebende Verfahren müssten eingestellt werden: "Die gibt es aber nicht, weil alle bereits bezahlt haben."

Zurückfordern können die damals Ertappten das Geld jedoch nicht mehr. Im Februar hatten Ordnungsamt und Forstamt im Umweltausschuss festgestellt, dass die im April 2010 eingeführte Anleinpflicht größtenteils ignoriert werde. Der Segelflugplatz habe sich zu einer zweiten "Hundewiese" entwickelt. Einzig positiv: Hundehalter von auswärts kämen inzwischen "erheblich" weniger nach Hilden, hatte Förster Friedhelm Schüller festgestellt.

Kreisjägerschaft Gerd Spiecker, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Düsseldorf und Mettmann, sieht das Urteil des Oberverwaltungsgerichts mit "gemischten Gefühlen": "Es gibt Halter, die ihre Hunde im Griff haben, aber leider auch die anderen." Im vergangenen Jahr hätten in Erkrath zwei freilaufende Hunde gewildert und dabei etwa zehn Rehe gerissen. Die Jäger hätten sie dabei ertappt und den Halter ermittelt. "Wir sind bei ihm auf völliges Unverständnis gestoßen", berichtet Spiecker. Als ein Hund verschwunden war, sei behauptet worden, Jäger hätten ihn erschossen: "Wir wurden angezeigt. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen inzwischen eingestellt." Was viele Halter nicht wüssten: Beim Streifen durch den Wald scheuchten ihre Hunde — auch ungewollt — Wild auf, das dann auf der Flucht auf Straßen getrieben werde: "Auf der B 7 bei Mettmann sind in der vergangenen Woche zwei Rehe an derselben Stelle überfahren worden. Beide Fahrer sagten aus, die Tiere seien auf der Flucht gewesen."

Im Bereich der Kreisjägerschaft würden im Jahr mehr als 300 Rehe auf diese Weise getötet, sagte Spiecker. Er wünschte sich mehr verständnisvolle Halter, die ihre Hunde an die Leine nehmen, wenn sie sie nicht im Griff haben. Er erinnerte daran: Die Stadt Hilden habe die Anleinpflicht nicht erlassen, um das Wild im Stadtwald zu schützen, sondern weil es in dem intensiv genutzten Naherholungsgebiet ständig Konflikte von Joggern, Radlern, Reitern und Spaziergängern mit frei laufenden Hunden und deren Haltern gegeben hatte.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das sagen Hildener zur Anleinpflicht

(RP/ila/top)